Massensterben von arktischen Seevögeln wegen wärmerer Beringsee | Polarjournal

Auf einer der US-amerikanischen Pribilof-Inseln in der östlichen Beringsee fand man im Winter 2016/17 hunderte von toten Alkenvögel. Viele davon waren noch mitten im Gefiederwechsel. US-Forscher vermuten, dass die Tiere verhungert waren, weil sie nicht genügend Nahrung in der stressvollen Mauser-Zeit gefunden hatten. Diesen Mangel schreiben die Wissenschaftler wärmeren Wassertemperaturen aufgrund des Klimawandels zu.

Auf St. Paul, einer der Pribilof-Inseln im südöstlichen Teil der Beringsee, bot sich den Parkrangern und Bewohnern ein ungewöhnliches Bild: hunderte von toten Lunden (Verwandte der Papageitaucher), Lummen und Schopfalken lagen an den Stränden der Insel. Der Grossteil der toten Vögel war wohl während der Mauser umgekommen, dem Gefiederwechsel nach der Brut. Interessanterweise waren auf der nächstgelegenen Insel St. George keine Kadaver gefunden worden. Untersuchungen ergaben, dass die Tiere stark unterernährt gewesen waren und sehr wahrscheinlich verhungerten während der Mauser. Die Forscher um Timothy Jones und Julia Parrish von der Universität Washington vermuten einen Zusammenhang mit höheren Wassertemperaturen in der östlichen Beringsee und einer Verschiebung der Planktonzusammensetzung. Dadurch wurden die Fischbestände dezimiert, was sich wiederum auf die Ernährung der Seevögel in diesem Gebiet übertrug. Gerade vor der Mauser benötigen die meisten Vögel mehr Nahrung, da sie durch den Federwechsel nicht ins Wasser können.

Die Forscher berechneten aufgrund der gefundenen Tiere, dass zwischen 3,150 und 8,800 Tiere insgesamt gestorben sind. Den grössten Teil davon machen wohl die Schopflunde (Fratercula cirrhata) und die Schopfalken (Aethia cristatella) aus. Beide Arten sind eigentlich sehr häufig und brüten auf beiden Seiten der Beringsee. Auf der Roten Liste der Gefährdeten Arten werden die Populationsangaben aber als sinkend aufgeführt, vor allem durch Verschmutzung, Klimawandel und einwandernde Arten. Bei den Gründen der ungewöhnlich hohen Todesrate 2016/17 sehen die Forscher vor allem die höheren Wassertemperaturen, die durch den Klimawandel hervorgerufen worden sind. Kurz vor der Mauserzeit der Vögel entdeckte man, dass sich in der Region die Fischpopulationen verändert hatten, was wiederum durch eine veränderte Zooplankton-Gemeinschaft verursacht worden war. Das Zooplankton selbst hatte sich durch die höheren Wassertemperaturen ergeben. Dieser Zustand scheint auch nicht eine einmalige Situation gewesen zu sein, denn im vergangenen Winter blieb die gesamte Region zum wiederholten Male eisfrei. Ob sich dies ein längerfristiger Trend ist oder Zufall, wird sich noch zeigen.

Heiner Kubny, PolarJournal

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