Verstärktes Robbensterben in der Beringstrasse wird untersucht | Polarjournal

Im Bereich der Beringstrasse wurden seit Mai eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an toten Robben an den Stränden entdeckt. Woran die Tiere gestorben sind, ist zurzeit Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen der NOAA. Die Vermutung, dass die höhere Sterberate mit ungewöhnlich hohen Temperaturen in der Beringstrasse zusammenhängt, wird durch Indizien gestützt, jedoch noch nicht bewiesen.

Seit Mai sind an den Küsten von Alaska ungewöhnlich viele tote Robben entdeckt worden. Beispielsweise fand ein Jäger insgesamt 18 tote Robben verschiedener Art entlang eines 18 Kilometer langen Strandabschnitts im südöstlichen Bereich der Beringstrasse auf amerikanischer Seite. Derselbe Jäger hatte schon Dutzende toter Eisrobben etwas weiter nördlich entdeckte. Auch weiter nördlich der Beringstrasse, nahe Kotzebue, Kivalina und Point Hope, wurden zahlreiche verendete Tiere gefunden. Die hohe Sterberate betrifft mehrere Robbenarten, darunter Ringel- und Bartrobben. Viele der Tiere wiesen auch massive kahle Stellen im Fell auf, als sie gefunden wurden. Ob dabei ein Zusammenhang mit dem Tod der Tiere besteht, ist gegenwärtig Teil der Untersuchungen.

Die gefundenen Robben weisen teilweise kahle Stellen in ihrem Fell auf, ähnlich wie bei einem anderen Vorfall zwischen 2011 – 2016, als unzählige tote Robben mit ähnlichen Symptomen entdeckt worden waren. Bild: NOAA / Harold Okitkun

Robben stellen einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung der lokalen Bevölkerung dar und dürfen entsprechend gejagt werden. Durch die hohe Zahl an toten Tieren und deren unbekannte Todesursache wurden Bedenken geäussert, dass die Robben durch Verschmutzung oder Krankheiten verendet sein könnten. Ausserdem besteht die Sorge, dass die Fangzahlen durch offizielle Stellen verringert werden könnten oder einfach nicht genügen Robben zur Jagd zur Verfügung stehen würden. Daher haben die Ranger und die NOAA (National Oceanographic & Atmospheric Administration) die Zusammenarbeit mit lokalen Vertretern wie Kawerak Inc., Bering Sea Elders Group und auch individuellen Fischern und Jägern verstärkt. Gemeinsam sollen die Ursachen für die hohe Zahl an toten Tieren bewiesen werden.

Im Bereich der Beringstrasse und den angrenzenden Meeren leben neben Ringel- und Bartrobben auch Largharobben. Sie sind etwas grösser als Ringelrobben und bilden die Hauptbeute der Inuit-Jäger. Bild: Michael Wenger

Die Meldung über die toten Robben ein weiterer Schritt in einer längeren Reihe von Vorfällen, die seit rund zwei Jahren die Region Beringmeer/Tschuktschensee/ Beringstrasse heimsucht. In diesem Jahr wurden bereits vermehrt tote Alkenvögel an den Küsten einer der Pribilof-Inseln entdeckt und an der Küste von Oregon wurden im Mai zahlreiche tote Grauwale angespült. Die Indizien weisen auf Verhungern als Todesursache hin, da viele der Tiere stark abgemagert waren. Auch im Fall der Robben haben Jäger bereits gemeldet, dass viele der Robben dieses Jahr sehr viel dünner seien als normal. Der Verlust an Nahrung, vor allem Fische, kann durch ungewöhnlich höhere Wassertemperaturen in der Region erklärt werden. Denn gemäss NOAA und lokaler Behörden hatte die Meereis-Schmelze dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge früher und schneller stattgefunden als üblich. Auch wurde beobachtet, dass die Packeisgrenze weiter nördlich als sonst lag. Wissenschaftler vermuten die Klimaveränderung als Hauptursache dahinter.

Quelle: Julie Speegle / National Oceanographic & Atmospheric Administration

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