Die alternde McMurdo-Station wird grundlegend überarbeitet | Polarjournal
In den kommenden Jahren werden die alten Gebäude abgerissen und durch neue Einrichtungen ersetzt. (Foto: National Science Foundation)

Nach mehr als 60 Jahren wird die McMurdo-Station, das Hauptforschungszentrum der Antarktis, mit dem ersten größeren Infrastruktur-Update beginnen. Im Februar 2019 erhielt die National Science Foundation grünes Licht für den Baubeginn des so genannten AIMS-Projekts (Antarctica Infrastructure Modernization for Science).

Im Hörsaal finden Vorlesungen, Konferenzen und Briefings für Expeditionen statt. Er bietet genügend Platz für mehrere hundert Zuhörer. (Foto: NSF)

Wie die Zeitschrift «Antarctic Sun» erstmals berichtete, wird das Projekt die rund 100 Gebäude der weitläufigen Forschungsstation in nur sechs Primärstrukturen zusammenfassen um gleichzeitig die Sicherheit zu erhöhen und die Energieeffizienz verbessern. Ziel des 10-jährigen Projekts ist es, die langfristige Nachhaltigkeit der laufenden Forschungsanstrengungen des US-amerikanischen Antarktisprogramms sicherzustellen.

Moderne und helle Arbeitsräume erleichtern die Arbeit. (Foto: NSF)

„Durch AIMS wird dieser historische Ort für wissenschaftliche Forschung die Fähigkeiten erhalten, die es ihm ermöglichen, seine Rolle als führender Außenposten für wissenschaftliche Bemühungen fortzusetzen“, sagte Kelly Falkner, Direktorin des Amtes für Polarprogramme der NSF, in einer Erklärung.

Das neue Logistik-Center bietet mehr Platz und ist mit den modernsten Einrichtungen ausgestattet. (Foto: NSF)

Geschichte der McMurdo-Station

Die 1956 gegründete McMurdo Station wurde ohne Masterplan gebaut. Stattdessen wuchs das Logistikzentrum nach dem Zufallsprinzip, da die Antarktisforschung florierte und die Finanzierung dies zuließ. Die Station ähnelt heute einer kleinen Stadt mit einer Feuerwache, einer Krankenstation, Schlafsälen, Clubs und einem Kraftwerk. Seine Gebäude erstrecken sich über mehr als 650‘000 Quadratmeter des eisigen Kontinents. Einige Gebäude stammen aus der Gründung der Basis und sind deshalb alt und reparaturbedürftig. Sogar das neuere Albert P. Crary Wissenschafts- und Technikzentrum (CSEC) ist mehr als 20 Jahre alt. Die Ausdehnung und das Alter der Station bedeuten Ressourcenverschwendung und Sicherheitsbedenken.

Die McMurdo Station im Jahr 2018. Die alte Station ist derzeit eine Art Kleinstadt mit einem weitläufigen Gebäudekomplex. (Foto: Reinhard Piuk, NSF)

Die Infrastruktur der Station bricht regelrecht zusammen und es bestehen zahlreiche Sicherheitsrisiken. Laut einem unabhängigen Bericht, der ursprünglich die Überholung der Forschungsstation im Jahr 2011 empfahl, brechen Gabelstapler in Lagerboden ein, in der Küche fehlen Fettabscheider, und durch große Lücken unter den Türen wird Schnee in die Gebäude geblasen. Die Lagerung von Ausrüstungsgegenständen und Verbrauchsmaterialien ist ebenso zufällig wie die Anordnung der Gebäude auf der anderen Seite der Station. Die Vorräte werden entweder draußen im Schnee vergraben oder auf 20 Gebäude auf dem Campus verteilt.

Sicherheit zuerst

Ein vorrangiges Ziel des AIMS-Projekts ist die Schaffung sicherer und effizienterer Arbeitsbedingungen. Viele der alten Gebäude werden abgerissen und die neuen Gebäude werden jeweils einen bestimmten Zweck haben.

Nach Angaben von «Antarctic Sun» wird der Neubau mit dem «Equipment Operations Center» beginnen, gefolgt vom größten Update der Station, der «Core Facility». Die Einrichtung wird 261.000 Quadratmeter umfassen und Hausstationsmanagement, Verwaltung, Verpflegungsdienste und Restaurants, die Feuerwehr, medizinische Versorgung und Erholungsräume beheimaten. Die Tischlerei, die Elektro- und die Metallwerkstatt der Station finden in der Core Facility ebenfalls ein Zuhause. Es ist geplant, die Struktur in Abschnitten über mehrere Jahre aufzubauen. Das «Field Science Support Center», in der Feldausrüstung und Kommunikationsausrüstung aufbewahrt werden, ist als letzte Bauphase geplant.

Die neuen Strukturen, deren Architektur die Schneeverwehung reduzieren soll, werden auch energieeffizienter sein und speziell darauf abzielen, den Energiebedarf für Heizung, Beleuchtung und Wassererzeugung zu senken.

Die ersten Lieferungen werden im Januar 2021 in der Antarktis eintreffen. Die Bauarbeiten beginnen im darauf folgenden Oktober.

Quelle: Discover Magazin, Roni Dengler

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