Eissituation um Svalbard prekär für Expeditionstourismus | Polarjournal

Während Europa unter einer Hitzewelle ächzt, liegt der Svalbard-Archipel im hohen Norden immer noch fest in der Hand von Packeis. Die gegenwärtige Packeisgrenze reicht bis in die Nordwestecke und im Osten bis praktisch an die Küste der Hauptinsel Spitzbergen. Dies bringt Expeditionsschiffe in Schwierigkeiten, da eine Umrundung ausgeschlossen ist und daher alle Aktivitäten auf die Westküste und die Packeisgrenze beschränkt werden müssen.

Die gegenwärtige Packeis-Situation rund um Svalbard zwingt Expeditionsreisenanbieter, ihre Fahrpläne komplett umzustellen und alle Aktivitäten auf einen relativen kleinen Bereich des Archipels zu konzentrieren. Vor allem die grossen Fjordsysteme und die nahe Packeisgrenze werden jetzt stärker von Schiffen besucht. Denn während in den Fjorden die verschiedenen Landschaftsformen gezeigt werden können, sind an der Packeisgrenze vor allem die arktische Tierwelt und die Fahrt durch Packeis faszinierende Erlebnisse.

Für die Tierwelt ist das Packeis ein wichtiger Lebensraum mit einem vielseitigen Nahrungsangebot. Vor allem Eisbären, Robben und Wale sind häufig an der Kante zu finden, während sie auf der Jagd sind. Bild: Michael Wenger

Die Situation um den Svalbard-Archipel ist nicht neu. In den vergangenen zehn Jahren hatte es sich mehrfach ereignet, dass im Juli noch sehr viel Eis um den Archipel lag und eine Umrundung verunmöglicht hatte. Doch gleichzeitig erhöhte sich auch die Häufigkeit, dass das bereits im Juni komplett weg war und den Archipel für Umrundungen freigegeben hatte. Ein Blick auf die Eiskarten des norwegischen Polarinstituts für Anfang Juli zeigt deutlich, dass die Extremereignisse zugenommen haben. Dies wird allgemein als wichtiges Indiz für die durch den Klimawandel verursachten Veränderungen im Arktischen Ozean und den angrenzenden Meeren gedeutet.

Das Video zeigt die Eissituation rund um den Svalbard-Archipel der letzten 10 Jahre. Die verschiedenen Farben bedeuten verschiedene Eisbedeckungsgrade, wobei rot eine praktisch komplett geschlossene Decke bedeutet. Video: Michael Wenger / Norwegisches Polarinstitut

Doch gleichzeitig steigt der Druck sowohl auf die Betreiber, die zu diesem Zeitpunkt, Anfang Juli bereits mit Spitzbergen-Umrundungen geworben hatten, und auf die Landestellen entlang der Küste. Besonders Bereiche, die bereits sehr bekannt sind beim Publikum und die gerne besucht werden wollen (weil auch Werbung damit gemacht worden war), müssen einen verstärkten Aufmarsch aushalten. Eine effiziente und vor allem schnelle Kommunikation zwischen den verschiedenen Schiffen soll dafür sorgen, dass der Druck nicht zu gross wird. Trotzdem ist zu diesem Zeitpunkt an ein «Einsamkeitsgefühl» kaum zu denken. Zu oft kreuzen Schiffe einander nahe der Landestellen. Besonders Nicht-Mitglieder der AECO, des Verbandes Arktischer Expeditionsreisenbetreiber, tauchen an Landestellen und Cruiseplätzen unverhofft auf. Dies kann immer wieder zu unangenehmen Situationen führen und das Erlebnis «Arktis» bei Passagieren trüben. Zusätzlich spielt auch die Grösse der einzelnen Schiffe eine Rolle, wie lange sich Schiffe an einer Stelle aufhalten oder welche Aktivitäten angeboten werden können. Denn sämtliche AECO-Mitglieder haben sich verpflichtet, die Richtlinien für Landestellen einzuhalten. Darunter fallen auch die «100-Passagiere-an-Land»-Richtlinie und «1-Schiff-pro-Landestelle» Richtlinie.

Die gegenwärtige Eissituation zwingt alle Schiffsbetreiber, sich vor allem an der Westküste Spitzbergens aufzuhalten. Einige wenige eisverstärkte Schiffe wagen es, in die Südostecke des Archipels zu fahren, um den Druck von den Landestellen etwas zu verteilen. Bild: Marine Traffic

Quelle: Michael Wenger / Norwegisches Polarinstitut

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