Seltener Lavasee auf subantarktischer Insel entdeckt | Polarjournal

Entgegen landläufiger Meinungen haben die meisten Vulkane keine brodelnden Lavaseen, in die Opfer geworfen werden können. Bislang waren nur 7 solche permanenten Seen tatsächlich bekannt. Nun ist ein weiterer dazu gekommen, auf einer der abgelegensten Inseln der Welt: Der Vulkan Mount Michael auf Saunders Island, eine der subantarktischen Südsandwichinseln besitzt in seinem Inneren einen durchschnittlich 120 m breiten brodelnden Lavasee.

Die Entdeckung wurde mit Hilfe von Satellitenaufnahmen gemacht, die zwischen 2003 bis 2018 erstellt worden waren. Eine visuelle Bestätigung liegt jedoch nicht vor, da der Vulkan bisher noch nie bestiegen worden sei, wie Mitautor Dr. Peter Fretwell von der British Antarctic Survey (BAS) in einem Interview mit der BBC aussagte. Doch die Daten sind eindeutig und zeigen einen zwischen 90 – 215 Meter breiten See im Inneren des Vulkans Mount Michael, der aus geschmolzenem Gestein besteht. Aufgrund der Aufnahmen eruierten die Forscher, dass die Lava wohl eine Temperatur zwischen 989 – 1279°C aufweist. Der Geologe und Mitautor der Studie, Dr. Alex Burton-Johnson von der BAS erklärt: «Wir sind hoch erfreut, dass wir ein solche herausragendes, seltenes Phänomen in einem britischen Überseegebiet entdeckt haben. Die Entdeckung des Sees verbessert unser Verständnis der vulkanischen Aktivitäten und Gefahren dieser sehr abgelegenen Insel. Ausserdem haben wir unsere Überwachungstechniken von Vulkanen dadurch weiterentwickeln können.»

Die von drei Satellitensystemen stammenden Aufnahmen wurden im Laufe von 15 Jahren erstellt und jetzt computertechnisch ausgewertet. Sie zeigen, dass an derselben Stelle immer eine Temperatur zwischen <300 – >400°C herrscht. Dies ist ein Beweis für die Existenz eines Sees. Bild: Gray et al. / BAS

Saunders Island liegt mitten in den vulkanisch aktiven Südsandwichinseln, mitten im Südatlantik. Mitten auf der Insel erhebt sich der 990 Meter hohe, aktive Stratovulkan Mount Michael. Obwohl die Insel schon mehrfach besucht worden war, wurde von einer Besteigung des Vulkans abgesehen. Alle Informationen, die über die Spitze des Vulkans vorliegen, stammen von Überflügen oder Satellitenaufnahmen. Gemäss Dr. Fretwell machen die Aktivitäten des Vulkans und seine glaziologischen Besonderheiten eine Besteigung extrem gefährlich. «Die Spitze ist umgeben von einem riesigen Schneepilz, extrem weichem Schnee mit einer Konsistenz wie ein Kuchenüberzug. Wahrscheinlich hervorgerufen durch den kontinuierlichen Ausstoss von Dampf aus dem Vulkaninnern. Da kann man nicht einfach drübergehen und man müsste sich hindurchgraben (um ins Innere blicken zu können, Anm. d. Red.). Aber das braucht Zeit und ist auf einem solchen aktiven Vulkan sehr gefährlich.»

Der Vulkan thront über der Insel, die von hunderttausenden von Pinguinen bewohnt wird. Die Aschenböden zeugen von den vergangenen Aktivitäten des immer noch aktiven Vulkans. Bild: Michael Wenger

Aufgrund der Bilderreihe, die von den Satelliten erstellt worden war und einen konstanten Ausstoss von Rauch und Dampf gezeigt hatte, plus der Aufnahmen, die thermale Anomalien im Inneren des Kraters aufgenommen hatten, sind die Forscher überzeugt, dass der See permanent dort ist. Doch was die Lava flüssig hält, darüber können die Forscher nur spekulieren. Dr. Burton-Johnson meint dazu: «Der Ausstoss an Lava aus dem Erdinnern muss klein sein, dafür aber muss das an die Oberfläche ausgestossene Material und die Quelle der Hitze von Gas stammen. Das deutet auf einen sehr gasreichen Vulkan hin.» Dies würde auch die praktischen konstante Dampfkrone rund um die Vulkanspitze erklären, die bereits von Fabian von Bellingshausen bei der Entdeckung der Inseln 1821 beschrieben worden war. Die Hauptautorin der Arbeit, Danielle Gray vom University College London, meint zu ihrem Erfolg: «Mount Michael ist ein Vulkan auf einer sehr abgelegenen Insel im Südpolarmeer. Man kann ihn praktisch nicht besteigen und ohne die hochaufgelösten Satellitenbilder wäre es ziemlich schwierig gewesen, mehr über dieses unglaubliche geologische Phänomen zu lernen.»

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