Russlands grösster konventioneller Eisbrecher wird erst ab 2020 Eis sehen | Polarjournal
Bild: Bestalex – Eigenes Bild / Wikipedia

Russland hat im Zuge seiner Arktis-Strategie den Bau von neuen Eisbrechern vorangetrieben. Darunter sind einige Prestigeprojekte wie die Arktika, der stärkste nuklear-betriebene Eisbrecher und der Bau des stärksten konventionellen Eisbrechers, der Viktor Chernomyrdin. Dieses Schiff hätte bereits seit 2015 in Dienst sein sollen. Nun hat die Admirality Werft bekanntgegeben, dass das Schiff erst im Dezember 2019 an Rosmoport, den Eigner übergeben werden kann und das Schiff im Frühling 2020 zum ersten Mal Eis sehen wird.

Neben der angekündigten Verschiebung der Übergabe wurde auch verlautbart, dass das Projekt mehr als 50 Prozent über den ursprünglich €113 Millionen veranschlagten Kosten liegen wird. Schätzungen von Experten zufolge werden diese bei etwa €170 Millionen liegen. Diese Ankündigungen der Werft ist nur die neueste in einer langen Reihe von Meldungen über Verschiebungen und Verspätungen, die den Bau von Russlands grösstem konventionell angetriebenen Eisbrecher betrifft. Seit 2014, als zum ersten Mal eine Änderung des Stapellaufdatums angekündigt wurde, stand das Projekt unter keinem guten Stern. Der für Dezember 2015 geplante Einsatz wurde wegen technischer Schwierigkeiten auf 2017 verschoben. Im Januar 2016 wurde vermeldet, dass aufgrund der Finanzkrise (hervorgerufen durch die internationalen Sanktionen) weitere €14.5 Millionen für den Bau notwendig werden und dass das Schiff erst Ende 2017, Anfang 2018 geliefert werden kann. Die United Shipbuliding Corporation (USC), der die Werft und das Designbüro gehören, änderte Ende 2016 den Abgabetermin nochmals auf das vierte Quartal 2018. Danach folgte eine Reihe von Klagen und neuen Abmachungen, die beinahe die USC in eine finanzielle Krise gebracht hätten. Denn die staatliche Schiffstransportgesellschaft Rosmorrechflot wollte die USC auf umgerechnet €18 Millionen Strafe verklagen. Die Regierung intervenierte und liess das offizielle Abgabedatum auf Ende 2018 legen. Ausserdem gewährte sie der USC insgesamt weitere €20 Millionen, um die Verluste durch den Wertzerfall des Rubels auszugleichen. Nach dem Stapellauf im Juli 2016 wurde das Schiff von der Baltic-Werft zur Admirality-Werft in St. Peterburg transferiert für die Fertigstellung. Der neue Vertrag mit dieser Werft sah den Abgabetermin nochmals nach hinten verschoben, auf Juni 2019. Durch ein Feuer im November 2018, bei dem beinahe 300 Quadratmeter des Schiffes auf 2 Stockwerken beschädigt worden war, wurde nochmals eine Verschiebung des Datums notwendig. Durch die Sanktionen, gemäss USC, mussten die neuen Teile aus anderen Ländern beschafft werden, was das Ganze enorm verkomplizierte. Ob das nun die letzte Verschiebung war, wird sich zeigen.

So soll die Viktor Chernomyrdin einst aussehen. Doch der Eisbrecher befindet sich zurzeit immer noch in St. Petersburg und hat zumindest erste Tests am Pier hinter sich gebracht.

Die Viktor Chernomyrdin wird bei der Fertigstellung der grösste konventionelle Eisbrecher der Welt sein. Sie soll 146.8 Meter lang, 29 Meter breit und einen Tiefgang von 8.5 – 9.5 Meter haben. Das 22,000 Tonnen Schiff wird Diesel-elektrisch betrieben und soll eine Leistung von ca. 25 Megawatt bringen. Damit kann sie rund 60 Tage autonom operieren, bis zu 3 Meter dickes Eis brechen, bzw. bei 2 Knoten Geschwindigkeit bis zu 2.5 Meter kontinuierlich brechen können. Die Besatzung soll aus 38 Leuten bestehen. Ausserdem kann sie bis zu 90 weitere spezielle Personen aufnehmen. An Bord werden Raum für Labors und eine Tauchkomplex geschaffen. Ausserdem sollen bis zu drei Hubschrauber an Bord untergebracht werden. Benannt wurde das Schiff nach dem früheren Premierminister (1992 – 1998) und Gründer von Gazprom Viktor Chernomyrdin (1938 – 2010).

Quelle: Atle Staalesen, The Independent Barents Observer

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