Svalbards Ex-Minensiedlung kommt in 3-D | Polarjournal
Eine Kohlenmine auf Svalbard (C) Michael Wenger

Svalbards grösste Kohlenmine Svea wurde Anfang 2018 endgültig geschlossen, nachdem die Rentabilität der grössten unterirdischen Kohlenmine Europas nicht mehr gewährleistet war. Danach wurde beschlossen, dass das gesamte Gebiet der alten Minensiedlung Svea rückgebaut werden muss, bis auf einige Kulturdenkmäler und Gebäude. Nun hat das norwegische Institut für Kulturerbeforschung NIKU begonnen, das gesamte Gebiet fotografisch zu dokumentieren und ein 3-dimensionales Modell zu erstellen.

Die Aufräumarbeiten in Svea befinden sich in einem frühen Stadium. In diesen Tagen laufen mehrere Projekte, um sicherzustellen, dass Svea für die Nachwelt dokumentiert wird. Denn die gesamte Bergbaugemeinde mit Ausnahme von Kulturdenkmälern und einigen kalten Gebäuden muss entfernt werden, Strassen und Umgebung sollten so weit wie möglich wieder der Natur zurückgegeben werden. Die Besitzerin der Mine, die 2002 wieder ihren Betrieb aufgenommen hatte und des Ortes, der seit 1917 existiert hatte, die Store Norske Spitsbergen Kulkompani AS, hatte das Institut NIKU beauftragt, die gesamte Umgebung zu dokumentieren. Stück für Stück sind nun die Mitarbeiter dabei, jeden Bereich aufzunehmen und in Bits und Bytes umzuwandeln. «Es ist eine tolle Truppe, die hier arbeitet und es ist sehr einfach, mit ihnen zusammenzuarbeiten», erklärt der Leiter von Svea, Morten Johansen. Das Ziel der ganzen Aktion ist eine komplette Dokumentation in 3D aller Gebäude von aussen und bei einigen Gebäuden auch von innen. «Wenn alles so klappt, sollte man sich frei bewegen können. Das Ganze ist eine grossartige Möglichkeit, mitten in Svea zu sein», meint Johansen weiter.

Um alles in Daten umzuwandeln, nutzen die Mitarbeiter des NIKU verschiedene Methoden, darunter auch Drohnenaufnahmen und Laserscans, um ein möglichst detailgetreues Modell am Computer entstehen zu lassen. Bild: Svalbardposten, Hilde Kristin Røsvik

Das Projekt ist riesig in seinen Dimensionen. Erich Nau, der Projektleiter vom NIKU meine, dass dies wahrscheinlich einzigartig sei, ein derart grosses Gebiet zu modellieren. «Wir erstellen eine vollständige 3D-Dokumentation des gesamten Areals», erklärt er. «Das ist viel grösser, als jedes andere Projekt, dass ich zuvor durchgeführte habe.» Für das gesamte Projekt wurden etwas mehr als sechs Monate eingeplant. Nau und sein Team sind nun seit fünf Wochen an der Arbeit. Dabei nutzen sie verschiedene Methoden zur Aufnahme der Daten: Drohnen, 3D-Laserscans und Fotogrammetrie. Alle gesammelten Daten werden danach aufwändig in eine dreidimensionale Karte eingetragen. Wenn dies alles geschafft ist, beginnt dann die Bearbeitung und die Anpassung in das Modell. «Wir müssen sicherstellen, dass wir jetzt alles gesammelt haben, was wir brauchen und alles am richtigen Ort sitzt. Es ist wichtig, dass jetzt alles richtig gemacht wird, solange wir hier sind. Danach wird es zu spät sein,»  sagt Rau weiter. Um das Projekt durchführen zu können, mussten mehr Mitarbeiter eingestellt und geschult werden, alle anderen Pläne mussten auf Eis gelegt werden.

Store Norske, vertreten durch Leiter Morten Johansen, hat viel in das Projekt investiert. Das NIKU-Team musste vor Projektstart noch in sämtliche Massnahmen wie Notfall und Eisbärensicherheit eingeführt werden. Denn Svea liegt weit hinten im Van Mijenfjord, mitten im Eisbärengebiet und Nationalpark. Bild: Hilde Kristin Røsvik

Bisher wurden mehr als 10 Terabyte an Daten gesammelt und sind erst knapp in der Hälfte des Projekts. «Freistehende Gebäude mit vier Wänden sind relativ einfach. Doch die Industrianlagen werden um einiges aufwändiger», erklärt Nau. Doch bis anhin verlief alles glatt, Nau und Johansen treffen sich regelmässig, um sich auszutauschen und auf den neuesten Stand zu bringen. Wenn alles digitalisiert worden ist, sollen die 3D-Modelle dem Publikum in Museen und auch online die Gelegenheit geben, Svalbards ehemalige grösste Kohlenmine und seine Siedlung bestaunen zu können, wenn längst Wollgras und roter Steinbrech über das Ganze gewachsen sein wird.

Quelle: Svalbardposten

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