Premierminister Trudeau und QIA Präsident Akeeagok spazieren am Strand von Victoria Bay entlang, einem Teil des neu errichteten Schutzgebietes Tallurutiup Imanga MPA im Lancaster Sound. Kanadas Regierung hat sein Ziel, 10 Prozent seiner Meeresbereiche zu schützen, damit erreicht. Bild: Aaron Kylie, Canadian Geographic

Kanada ist nach Russland diejenige Nation mit dem grössten Flächenanteil im Bereich des arktischen Ozeans. Doch bisher standen in dieser fragilen und wichtigen Region nur wenige Gebiete unter Schutz. Nun hat der kanadische Premierminister Justin Trudeau am vergangenen 1. August die Einrichtung eines riesigen Meeresschutzgebietes (MPA) bekanntgegeben. Gleichzeitig versprach er der Verwaltung von Nunavut, in deren Territorium das MPA liegt, insgesamt CAN$ 55 Millionen für die Ausbildung und Beschäftigung von lokalen Einwohnern zur Förderung der Eigenverantwortung des MPA.

Mit der Einrichtung des Schutzgebietes Tuvaijuittuq im Norden von Ellesmere Island und dem neu errichteten Schutzgebiet Tallurutiup Imanga im Bereich des Lancaster Sound, dem Eingang zur Nordwestpassage, sind insgesamt 14 Prozent der kanadischen Meeresgebiete unter Schutz. Die beiden Gebiete umfassen eine Fläche von über 427,000 Quadratkilometer, mehr als 10-mal so gross wie die Schweiz. Damit hat die Regierung eines ihrer Umweltziele erreicht. In den neuen Schutzgebieten sind neue menschliche Aktivitäten nicht erlaubt. Eine Ausnahme bilden die Inuit der Ortschaften Grise Fjord, Resolute, Arctic Bay, Pond Inlet und Clyde River, die in den Gebieten weiterhin mit festgelegten Quoten Fischen und Jagen dürfen. Die Vereinbarungen wurden zwischen der Regierung in Ottawa, der Verwaltung von Nunavut und der Qikiqtani Inuit Gesellschaft (QIA), die für die Interessen der Inuit einsteht, geschlossen. Ottawa versprach, neben den 55 Millionen weitere $190 Millionen in den nächsten sieben Jahren für die Entwicklung der lokalen Infrastruktur und Arbeitsplätze zu investieren. Dazu gehören neben Hafenausbauten und Nahrungsverarbeitungseinrichtungen auch ein Trainingscenter für die fünf Gemeinden. «Endlich besitzen wir Inuit die Möglichkeit, die wichtige Arbeit als Augen und Ohren dieser Schutzgebiete auszuüben», erklärt P.J. Akeeagok, der Präsident der Gesellschaft.

Das beinahe 320,000 Quadratkilometer grosse Gebiet erstreckt von den Grenzen der kanadischen EEZ (Exclusive Economic Zone) bis an die Grenze der Nordwest-Territorien und die Küstenbereiche der nördlichsten kanadischen Inseln. Bild: Fisheries and Oceans Canada

Das neu zu errichtende Gebiet liegt an der nördlichen Küste von Ellesmere Island, Axel Heiberg Island und Ellef Ringnes Island. Seinen Name Tuvaijuittuq bedeutet «Ort, an dem das Eis niemals schmilzt» und ist das letzte Gebiet, in dem mehrjähriges Eis zu finden ist. Diese mehr als zwei Meter dicke Eis ist besonders für arktische Meeresbewohner wie Belugas, Nar- und Grönlandwale wichtig, aber auch für Robben und Eisbären. Das Gebiet enthält auch die letzten grossen arktischen Eisschelfs, die sich in den Fjorden von Ellesmere befinden. Alle diese Aspekte machen aus der Region eine der produktivsten und reichsten Zonen der Arktis. Die nördliche und östliche Grenze des Schutzgebietes reicht bis an die Grenze der exklusiven Wirtschaftszone Kanadas und an die Grenze zu den Nordwest-Territorien. Insgesamt bedeckt das MPA eine Fläche von knapp 320,000 Quadratkilometer. Das weiter südlich gelegene, jetzt eingerichtete Schutzgebiet des Lancaster Sounds umfasst weitere 107,000 Quadratkilometer.

Ortschaften wie Pond Inlet am Eingang des Lancaster Sounds werden mehr in die Verwaltung der Schutzgebiete eingebunden. Dazu soll in Arctic Bay ein Trainingscenter entstehen, um künftige Ranger auszubilden. Bild: Michael Wenger