In Nunavut aufzuwachsen hat viele verschiedene Aspekte, gute und schlechte. Und es ist schwierig, sich als Heranwachsender in einer Welt, die einen Spagat zwischen Tradition und Moderne macht, zurechtzufinden. Daher wurde in Cambridge Bay, einer 1,700-Personen-Siedlung in Nunavut, ein Sommercamp eingerichtet, in welchem interessierte Jugendliche zum einen Wissen und Erfahrungen von den älteren Inuit-Mitgliedern des Dorfes erlernen können. Zum anderen bietet es ihnen die Möglichkeit, sich auszutauschen, Verbindungen zu schliessen und sich für die Zukunft Gedanken zu machen und zu wappnen. Das Camp erfreut sich grosser Beliebtheit.

Während einer ganzen Woche können die Jugendlichen zwischen 12 und 19 mit den Älteren draussen Erfahrungen sammeln und Fähigkeiten wie Fischnetze zu setzen oder Nähen zu lernen. Aber es werden auch wichtige Themen wie Suchtprobleme, Jugendschwangerschaft und Tyrannei an der Schule besprochen und wo man Hilfe findet, wenn sie benötigt wird. «Viele Risikofaktoren, denen die meisten Jugendlichen ausgesetzt sind, liegen zuhause», erklärt Francis Oduro, Verantwortlicher für Kultur und Freizeit in Cambridge Bay. Viele der Kinder und Jugendlichen erleben zuhause Vernachlässigung und Missbrauch, meint er weiter. Wenn sie keine Unterstützung erleben würden, fehlen sie häufiger in der Schule und oft ist der Griff zu Drogen schnell geschehen. Oduro weiss von Kindern zwischen neun und zehn, die regelmässig zu Marihuana greifen. Und viele sind auch noch spät nachts unterwegs. «Es ist manchmal schwer, damit umzugehen», erklärt Oduro. Daher ist das Camp zwar offen für alle, doch besonderen Fokus wird auf Risiko-behaftete Jugendliche gelegt und ihnen die Möglichkeit geboten, positive Erfahrungen mit den Älteren zu machen.

Viele der jugendlichen Inuit leiden unter Perspektivlosigkeit und Hilflosigkeit im Umgang mit ihren Problemen. Das Camp soll Wege und Personen zeigen, an denen sich die Heranwachsenden orientieren können. Bild: Kate Kyle / CBC

Neben den Älteren des Ortes werden aber auch junge Bürgermeister und Verantwortliche eingeladen, am Campleben teilzunehmen. Damit könnten die Jugendlichen positive Zeichen erleben und Freundschaften schliessen. Jeden Tag halten verschiedene Personen zwanglose Gesprächsrunden und Präsentationen. Dabei sind Leute aus der Justizabteilung, den Gesundheits- und Sozialwerken und sogar der Polizei, die über Themen wie Cannabis, Selbstmordprävention und Stipendien. Bei den Jugendlichen kommt das Konzept sehr gut an. Megan und Missy, zwei Jugendliche aus Cambridge Bay, sind gerne im Camp. «Ich würde hier praktisch die ganze Zeit verbringen», sagt Missy. Sie meint weiter, dass Jugendliche in ihrer Umgebung viel im Kopf haben. «Manchmal sind Familien lange getrennt. Manchmal sind sie lange zusammen und streiten zuviel. Manchmal sind sie böse aufeinander und manchmal fühlen sie sich schlecht», sagt sie. Auch Megan ist der Meinung. Viele der Jugendlichen müssen sich mit den Problemen ihrer Eltern herumschlagen. Wenn dabei Alkohol im Spiel sei, würden die Erwachsenen aggressiv gegenüber den Kindern. «Diese Erwachsenen kaufen lieber Drogen oder Alkohol statt Essen für ihre Kinder», meint sie. Diese Art Stress schlage sich dann in den Noten und der Fähigkeit, in die Schule zu gehen, nieder.

Viele Jugendliche haben den Kontakt zu den kulturellen Werten der Inuit verloren. Daher lernen sie im Camp die Fähigkeiten wie Fischen, Robben schlachten, aber auch Tanzen und Singen.

Doch für beide Jugendliche ist das Camp eine positive Erfahrung. «Bevor wir in das Camp kamen, hatte niemand miteinander gesprochen», erklärt Megan auf die Frage nach sozialer Interaktion mit Gleichaltrigen. «Doch nachdem wir hier waren, kamen wir langsam alle miteinander aus, spielten miteinander, sprachen miteinander oder hängten zusammen ab.» Auch nach dem Camp gehen die Aktivitäten weiter an der lokalen Schule. Themen wie Gesundheit, Missbrauch und Inuitkultur werden weiterhin auf dem Plan stehen. «Wie man eins wird mit dem Land, was man hier macht und einige Jagdaktivitäten werden gelehrt», erklärt Oduro. «Diese Dinge können ihnen helfen, sich selbst zu finden.»

Quelle: Kate Kyle, CBC News