Aus für Hurtigruten-Pläne auf Franz-Josef-Land in diesem Jahr | Polarjournal
Teile des Franz-Josef-Land-Archipels

Der russische Franz-Josef-Land-Archipel ist für viele Expeditionsreisende eine Traumdestination. Noch weiter nördlich als Svalbard gelegen, bieten die 192 Inseln eine hocharktische Landschaft mit der entsprechenden Tierwelt. Reisen dorthin sind schon aufgrund der Eisbedingungen sehr schwierig und nur in einem kleinen Zeitfenstern möglich. Hurtigruten, die norwegische Reederei und Veranstalterin von Expeditionsreisen, hatte zwei Reisen ab Murmansk in die Inselwelt geplant und auch erfolgreich verkauft. Diese Pläne muss sie nun aber in diesem Jahr nach einem «Njet» der russischen Behörden endgültig begraben.

Knapp zwei Wochen vor der ersten der zwei 15-tägigen Expeditionsreisen erhielten die Norweger «sehr überraschend» die Nachricht von den russischen Behörden. Die Sprecherin von Hurtigruten, Anne Marit Bjøflaten erklär, in der Vergangenheit hätten die russischen Behörden einer Zusammenarbeit positiv gegenübergestanden. Daher sei der Entscheid sehr überraschend. «Wir stornieren jetzt die zwei Reisen mit insgesamt 250 Passagieren, weil uns die die russischen Behörden überraschenderweise unseren Antrag auf eine Fahrtgenehmigung abgelehnt haben. Trotz der Tatsache, dass die MS Spitsbergen sämtliche Anforderungen an den Polar Code erfüllt und die Bewilligungen für Fahrten in diesem Teil der Arktis hatte, haben uns die russischen Behörden in letzter Minute eine Absage erteilt. Wir werden (aber) den Dialog mit den russischen Behörden bezüglich zukünftiger Fahrten weiterführen.» Als Grund für die Absage geben die Behörden geplante Militärmanöver in der Region zum Zeitpunkt der Reise an. Ursprünglich hätte das Schiff von Tromsø aus nach Murmansk fahren sollen und von dort aus in die russische Inselwelt hoch für 4 – 5 Tage. Danach sollte die Rückfahrt via Murmansk nach Tromsø führen. Für die betroffenen Passagiere, die bereits letzten Mittwoch informiert worden waren, werden Kompensationszahlungen und vereinfachte Umbuchungen angeboten, gemäss der Gesellschaft.

Das Schiff, das die geplanten Reisen hätte unternehmen sollen, ist die 100 m lange und 18 m breite MS Spitsbergen. Das ehemalige portugiesische Schiff ist 2016 modernisiert worden und bietet maximal 243 Gästen Platz. Bild: IsalovAuk – Wiki Commons, CC BY-SA 4.0

Der russische Archipel stand bei den Norwegern schon lange auf der Wunschliste. Und nicht nur bei Hurtigruten. Insgesamt sind nur 3 Schiffe in dieser Sommersaison geplant gewesen, die Inseln zu besuchen. Dazu gehören die Sea Spirit und die Silver Explorer. Ob letztere tatsächlich ihr Ziel erreichen wird, ist fraglich. Denn das Schiff sollte zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie die MS Spitsbergen den Archipel erreichen. Das geplante Manöver, Tsentr-2019 genannt, soll in verschiedenen Gebieten der Nordostpassage stattfinden und die Schlagkraft und die Verteidigungsmöglichkeiten der russischen Nord-Streitkräfte demonstrieren. Seit Dezember 2018 waren die Pläne für die grossangelegten Übungen der verschiedenen Teile der russischen Streitkräfte offiziell bekannt. Daher stellt sich die Frage, ob die Absage der Behörden tatsächlich überraschend kommt aufgrund geänderter Manöverpläne oder die im Vorfeld lange angekündigten Manöver von Hurtigruten ignoriert wurden oder sie keine Kenntnisse darüber besass.

Die in der Tikhaya-Bucht gelegene ehemalige Station zeugt vom grossen Interesse des Archipels in den 1930-50er Jahren. Bild: Michael Wenger

Die Nordostpassage spielt in den Überlegungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin eine zentrale Rolle. Deshalb wurden in den letzten Jahren die alten Militärbasen entlang der Routen wieder modernisiert. Auf Franz-Josef-Land sind neben der Hauptbasis Nagorskaja auf Alexandra Island auch ein Flugplatz auf Graham Island und eine meteorologische Station auf Heiss Island wieder aufgebaut worden.

Quelle: The Independent Barents Observer / Klassekampen