Russlands erstes schwimmendes Atomkraftwerk lief am Freitag vom arktischen Hafen in Murmansk aus, um eine der entlegensten Regionen des Landes mit Strom zu versorgen. (Foto: Rosatom)

Russlands erstes schwimmendes Atomkraftwerk lief am Freitag vom Hafen in Murmansk aus, um eine der entlegensten Regionen des Landes mit Strom zu versorgen. Das von der russischen staatlichen Nukleargesellschaft Rosatom entwickelte Werk, machte sich auf eine 5.000 Kilometer lange Reise durch die arktischen Gewässer in die Region Chukotka.

Der Bau der «Akademik Lomonossov» wurde in der Sewmasch-Werft begonnen und in der Baltiski sawod Werft in Sankt Petersburg vollendet. Im April 2018 wurde die «Akademik Lomonossov» mit Schleppern über die Ostsee, Nordsee und Nordatlantik zunächst in die Barentssee nach Murmansk geschleppt. Hier wurden die Reaktoren mit Brennstäben bestückt und einem Testlauf unterworfen. (Foto: Rosatom)

Die «Akademik Lomonossov» sieht aus wie ein kleines Passagierschiff, ist aber kein Schiff. Es hat keinen Kiel oder Antriebsschrauben. Das 144×30-Meter grosse schwimmende Atomkraftwerk erfordert Schlepper, um sich zu bewegen. Laut der russischen Nukleargesellschaft Rosatom steht der Abschleppdienst von Murmansk nach Pevek auf der Tschukotka-Halbinsel unter „strenger Kontrolle“. Die Reise ist ungefähr 5.000 Kilometer lang und das schwimmende Atomkraftwerk wird voraussichtlich in drei bis vier Wochen eintreffen. In Pevek wurde eine neue Hafenanlage und die dazu gehörige Infrastruktur für die Energieversorgung des Kraftwerkes erstellt. Das Floß wird mit flexiblen Stäben an der Hafenmole befestigt und an Strom- und Wasserleitungen angeschlossen.

Die Route führt rund 5000 Kilometer entlang der Nordküste Russlands durch das Polarmeer. Die «Akademik Lomonossov» ist mit einer Besatzung von 69 Mann unterwegs.

Die zwei kleinen Kernkraftwerksreaktoren sind bereits einsatzbereit. In diesem Frühjahr war die Anlage in vollem Testbetrieb. Laut Rosatom hat alles gut funktioniert. Während des Abschleppens sind die Reaktoren außer Betrieb. Die beiden Reaktoren haben eine Gesamtleistung von 70 Megawatt. Die «Akademik Lomonossov» produziert auch etwa 50 Gigakalorien Wärmeenergie pro Stunde. Dies reicht aus, um eine Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern zu beheizen. Solch grosse Siedlungen gibt es im dünn besiedelten Nordosten Russlands aber nicht.

Neben Strom liefert die «Akademik Lomonosov» auch heisses Wasser. Zudem wird das alternde Kernkraftwerk in Bilibino, welches auf Permafros-Boden gebaut wurde und ein Kohlekraftwerk in Pevek ersetzt. (Foto: Rosatom)

Die Sicherheit spricht Bände
Die Sicherheit der Anlage ist umstritten. Die norwegische Umweltorganisation Bellona und Greenpeace haben das Projekt kritisiert. Bellona ist unter anderem besorgt über die Seetüchtigkeit unter arktischen Bedingungen und Greenpeace hat das Werk „Tschernobyl auf Eis“ genannt.
Der stellvertretende Direktor der «Akademik Lomonossov» Dmitry Alexeyenko, will die Kritik nicht kommentieren. Die Meinungen der Organisationen sind ihre, sagt er.
Dmitry Alexeyenko selbst ist stolz auf das Atomkraftwerk und rühmt sich, dass es die neueste und beste Technologie darstelle. „Ich finde es völlig sicher“, sagt er.

So dürfe es nach Inbetriebnahme der«Akademik Lomonossov» im Hafen von Pevek aussehen. (Foto: Rosatom)

Gleiche Sicherheitsregeln an Land und auf See
Laut Kim Söderling, Projektmanager bei der finnischen Behörde für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit, gelten für landgestützte Kernkraftwerke die gleichen Sicherheitsbestimmungen wie für diese Anlage. Die «Akademik Lomonossov» ist deutlich weniger effizient als konventionelle Kernkraftwerke. Daher könnten die Gefahren geringer sein.
Die «Akademik Lomonossov» wird Anfang nächsten Jahres mit der Energieerzeugung beginnen. Es wird dann zwei alte Kraftwerke ersetzen: das Kernkraftwerk in Bilibino und das Kohlekraftwerk in Pevek.

Rosatom hofft, sein neues Kernkraftwerk exportieren zu können. Das Unternehmen gibt nicht an, wie viel die Anlage gekostet hat. Experten schätzen die Kosten auf 400 bis 450 Millionen Euro. Der Bau der Anlage dauerte 12 Jahre.

Quelle: Heiner Kubny, Polar Journal

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