(C) Chase Teron, Natural World Safaris

Plastik im Meer ist ein wachsendes Problem, vor dem man nicht mehr die Augen verschliessen kann. Auch im Arktischen Ozean sind Millionen von Tonnen Plastik mittlerweile angekommen. In allen Farben, Grössen und Formen sind die schwer abbaubaren und umweltschädigenden Teile im Eis, an Land, im Wasser und sogar in den Tiefseegebieten zu finden. Doch viele Fragen über die Wege, die von den Plastikteilen genommen werden, sind noch offen. Häufig sind die Quellen der Plastikeinträge nicht klar. Die dem Arktisrat unterstellte Arbeitsgruppe zum Schutz der Marinen Umwelt, PAME, hat nun ein Projekt gestartet, das die Wege des Plastiks im Arktischen Ozean aufklären soll.

Das Projekt «Plastic in a Bottle» (Plastik in der Flasche) wurde letzten Freitag offiziell in Island durch den Umweltminister Islands, Guðmundur Ingi Guðbrandsson, lanciert. Im Beisein von PAME-Wissenschaftlern und Presse warf der Minister die erste Boje von Bord des Küstenwachschiffes Thor in die Wellen des Jökuldjúp zwischen Reykjavik und Keflavik. Die gelben, wie Flaschen aussehenden Bojen werden dann in den nächsten Wochen und Monaten an weiteren Orten in den Nordatlantik und den Arktischen Ozean geworfen und sollen mit den Meeresströmungen verdriften. Die Geräte sind mit GPS-Sendern versehen und erlauben eine kontinuierliche Verfolgung der Bojen. Die isländische Firma Verkís hatte die Bojen in Flaschenform entwickelt. «Unser Ziel ist es, zu zeigen, wie weit Abfall und vor allem Plastik im Meer getrieben werden kann. So können wir auch ein besseres Verständnis erhalten, wie Plastik, der von weit her kommt, an den Küsten der Arktis endet. Das Projekt ist auch ein grossartiges Werkzeug, um zum Thema Meeresverschmutzung und Plastik in der Arktis ein Bewusstsein zu fördern», erklärt die Geschäftsführerin der PAME, Soffía Guðmundsdottír. Wenn die Flaschen gefunden werden, sind im Inneren klare Anweisungen an den Finder, wie es nun weitergeht und was mit der Boje geschehen soll.

Die von der Firma Verkís entwickelten Gefässe simulieren eine Plastikflasche, aber mit einem GPS-Sender versehen. Jeden Tag liefern sie ihre Position via Satellit, so dass auf einer Online-verfügbaren Karte die Flaschen verfolgt werden können. Bild: PAME

Die Regel «Aus den Augen, aus dem Sinn», die den Umgang mit Müll häufig erklärt, gilt für den Meeresbereich nicht. Denn die Meeresströmungen, die Wellen und der antreibende Wind sorgen dafür, dass sich die verschiedenen Formen von Plastik überall auf der Welt verteilen. Weder die Tiefseegebiete noch die abgelegensten Strände sind heutzutage vor Plastikmüll gefeit. Auch in der Arktis ist das Ganze ein grosses Problem geworden. Rund 8 Millionen Tonnen Plastik enden gemäss einer Studie jährlich im Arktischen Ozean. Und auch das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung AWI hat in den vergangenen zehn Jahren in seinem Langzeitobservatorium HAUSGARTEN eine Verzehnfachung von Plastik gemessen. Um mehr über die Wege des Plastiks in dieses sensible Gebiet zu erfahren, sollen weitere Flaschen ausgesetzt werden. Wie wenig man über die Wege weiss, zeigen die Aussagen von Guðmundsdottír: «Wir hatte verschiedene Aussetzungsgebiete mit Experten für Ozeanographie und Meteorologie und einem führenden isländischen Experten für Meeresströmungen diskutiert. Gemäss ihren Aussagen sollte man nicht erwarten, dass Geräte wie diese Plastikkapseln mit den Meeresströmungen weite Distanzen zurücklegen können. Wetter und Wellen könnten neben den Strömungen einen substantiellen Effekt auf die Kapseln ausüben.» Dem widerspricht der Ökologe Arnór Þórir Sigurðsson von Verkís. «Wir haben an ähnlichen Projekten in der Vergangenheit teilgenommen, die zum Ziel hatten, herauszufinden, wie Müll im Meer treibt und Probleme überall verursacht. Eine unserer Kapseln wanderte dabei über 5,000 Kilometer und wurde sechs Monate nach Aussendung an der Küste von Nordnorwegen angespült.»

Die Karte zeigt die Verunreinigung von verschiedenen Mikroplastiktypen im Meereis des Arktischen Ozeans und deren Anteil an der Gesamtmenge. Bis zu 4,500 Teile von Mikroplastik pro Liter geschmolzenes Meereis wurden gefunden. Bild: Peeken et al, 2018, Nat Comm 9, 1505

Das Problem der Verschmutzung der Arktis durch Plastikmüll, wie sie unter anderem vom AWI untersucht worden ist und in der Datenbank LITTERBASE zusammengefasst ist, gehört nach Meinung Islands auf die Prioritätenliste des Arktisrates. Weil Island bis im Mai 2021 den Vorsitz im Arktisrat hält und auch noch gleichzeitig im Nordischen Rat das Präsidium zurzeit führt, sind besonders viele Projekte gestartet worden. Im nächsten Frühjahr wird ein entsprechendes Treffen von Experten und Interessenvertreter unter der Ägide Islands in Reykjavik stattfinden. Das Ziel soll die Erstellung eines Aktionsplanes sein, um das Problem Plastik im Arktischen Ozean in den Griff zu bekommen. Bis dahin hofft PAME, dass die «Plastik in der Flasche» nicht nur Daten sammeln, sondern auch den Aufruf zum Schutz des Nordpolarmeeres weiterverbreitet.

Die Bojen enthalten im Innern genaue Anleitungen, die möglichen Findern erklären, worum es sich handelt und was mit der Boje geschehen soll. So sollen nicht nur Daten gesammelt, sondern auch die Botschaft «Die Meere verbinden uns alle» weiterverbreitet werden. Bild: PAME

Quelle: Protection of the Arctic Marine Environment Working Group

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