Schottland hat eine lange und wechselvolle Verbindung mit der Arktis. Zum einen waren einige Gebiete und Inseln im Norden lange Zeit Teil eines Norwegisch-dänischen Königreichs. Zum anderen waren schottische Forscher und Wissenschaftler an der Erforschung der Arktis beteiligt oder hatten Expeditionen sogar geleitet. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass Schottland auch seine Zusammenarbeit mit den nordischen Staaten ausweiten möchte. Doch die Gründe für die neue Strategie könnten noch tieferliegende Gründe haben, wenn man die Präsentation des Dokuments genauer betrachtet.

Schottland reiht sich mit seinem Positionspapier, in der die Strategie der schottischen Regierung bezüglich der Arktis beschrieben ist, in eine Reihe Nicht-Arktischer Staaten ein. Vor einigen Wochen hatte Deutschland seine Strategie vorgestellt, davor andere Nationen wie Singapur und Indien. Fiona Hyslop, die Ministerin für Kultur, Tourismus und Aussenpolitik, stellte das Rahmenwerk «Arktische Verbindungen: Schottland’s Arktispolitik-Konzept» auf dem Forschungs- und Innovationscampus in Stromness auf der Insel Orkney vor. Auf der Insel liegt auch John Rae, einer der bekanntesten und tragischsten Figuren der arktischen Expeditionsgeschichte, begraben.

Die schottische Ministerin Fiona Hyslop ist seit 2016 wieder Ministerin für Kultur, Tourismus und Aussenpolitik. Die diplomierte Wirtschaftshistorikerin hat damit ein wichtiges Amt inne, besonders jetzt mit dem drohenden Brexit, der in Schottland beim Referendum abgelehnt worden war. Bild: Schottische Regierung

Im 46-seitigen Dokument verspricht die schottische Regierung eine engere Beziehung zu seinen arktischen Nachbarn in verschiedenen Bereichen. «Schottland gehört zu den nächsten Nachbarn der arktischen Region – wir teilen viele Merkmale und Perspektiven und wir haben auch lange einander für Inspirationen, Lösungen und Ideen betrachtet. Unser Engagement für die Region ist klar und ich bin fest entschlossen, dass Schottland ein aktiver Partner bleibt, wenn es darum geht, den Herausforderungen und Chancen unserer sich ständig verändernden Welt zu begegnen», erklärte Hyslop in ihrer Ansprache. Sie hob auch die wertvolle Beziehung Schottlands mit arktischen Ländern hervor. Diese Verbindungen gehen sehr tief, denn tausende Schotten leben und arbeiten in arktischen Ländern. Die Zusammenarbeit zwischen nordischen Ländern soll unter anderem im Bereich des nachhaltigen Tourismus und in kulturellen Bereichen verstärkt werden, Kernbereichen von Hyslops Ministerium. Doch auch in Bereichen wie Verkehr und Infrastruktur möchte Schottland seine Kooperationen mit arktischen Staaten ausbauen. Dazu zählt auch Schottlands Beitrag in der High North Atlantic Business Alliance (HiNABA), in der neben den klassischen Arktisnationen auch Regionen wie Grönland, die Färöerinseln und der atlantische Teil Kanadas vertreten sind. Im Bereich Sicherheit und Nachhaltigkeit verfolgt Schottlands Regierung auch eine Politik des Ausgleichs und der Vermittlung.

Schottland’s Zusammenarbeit mit den Arktisnationen hat seit der Wahl von Nicola Sturgeon als Premierministerin Schottlands Auftrieb erhalten, wie hier am Arctic Circle Assembly 2016. Ihre Regierung möchte diese Zusammenarbeit auch aufgrund des drohenden Brexits intensivieren. Bild: Cryopolitics.com

Der Zeitpunkt der intensivierten Bemühungen Schottlands ist nicht zufällig gewählt. Denn neben wirtschaftlichen Überlegungen (Schottlands Handelsexporte in arktische Nationen beträgt rund ein Drittel der Gesamtexportleistung), ist auch der drohende Brexit ein Grund. In Schottland sind die Austrittspläne der britischen Regierung auf wenig Gegenliebe gestossen und Nicola Sturgeon, die schottische Premierministerin hat bereits mit einem neuen Abspaltungsreferendum gedroht. Daher möchte Schottland mit der vorgestellten Arktis-Strategie auch neue Wege eröffnen. Bei einem Besuch am Arctic Circle Assembly 2016 erklärte Nicola Sturgeon, Schottland sei näher an der Arktis als an London. Auch Ministerin Hyslop sagte an ihrer Ansprache: «Schottisch-arktische Partnerschaften haben sich in den vergangenen Jahren vertieft und der Start (unserer) Arktischen Verbindungen bildet die Möglichkeit, wichtige Aufgaben im Bereich «Umwelt und Klimawandel» voranzutreiben und auch die Handels- und Investitionsbeziehungen zu stärken.»

Quelle: Siri Gulliksen Tømmerbakke, High North News / The Scottish Government

error: Content is protected !!