Vor drei Jahren hatte die Regierung Norwegens in ihrem Svalbard-Bericht versprochen, innerhalb nützlicher Frist eine Strategie zur wirtschaftlichen Förderung Svalbards vorzulegen. Dies war umso wichtiger nach der Schliessung der Kohlemine Svea und dem entsprechenden Verlust von Arbeitsplätzen. Nun hat die Regierung ihr Versprechen umgesetzt und das Papier vorgelegt. Dabei zeigt sich, dass der Fokus nun auf Tourismus und dort vor allem auf Nachhaltigkeit und Seriosität gelegt wird.

Im Vorwort des Berichts hat der Minister für Handel und Industrie, Torbjørn Røe Isaksen, festgehalten, dass Wachstum im Tourismus in Longyearbyen nicht dem Selbstzweck dienen soll, sondern auf Nachhaltigkeit und Qualität liegen muss. «Um eine sinnvolle wirtschaftliche Entwicklung zu erzielen, muss die Gemeinde in Longyearbyen über passende Lösungen in den Bereichen Energie, Wohnraum und Infrastruktur verfügen. Es ist jedoch nicht wünschenswert, dass das Wachstum die begrenzte Infrastruktur in Longyearbyen oder dessen Notfallversorgung zusätzlich belastet», schreibt Isaksen. Auch der Staatssekretär Magnus Thue, der die Strategie vorgestellt hatte, bekräftigt die Haltung der Regierung. Die Zahl der in Svalbard registrierten norwegischen Unternehmen ist in den vergangenen sieben Jahren um 65 Prozent angewachsen, darunter ein signifikanter Teil an Tourismusdienstleistern.

Durch den Tourismus aus dem Kreuzfahrtenbereich nimmt Longyearbyen jedes Jahr rund € 11 Millionen ein. Tendenz steigend. Dieses Wachstum soll nun etwas kontrollierter vonstattengehen. Bild: Michael Wenger

Die Regierung konzentriert sich in ihrer Strategie vor allem auf fünf Bereiche: Innovation/ Entwicklung; Missbrauchsreduktion; Kartierung und Beobachtung des Kreuzfahrtourismus; Verschiebung der Aktivitäten von Store Norske; Ausbau Svalbards als «Testarena». Der erste und der letzte Bereich liegen besonders eng beieinander, da hier vor allem das Augenmerk auf Start-Ups und Entwicklungsprojekte liegt. Firmen sollen Svalbard auch als Chance für die Entwicklung und Umsetzung neuer und nachhaltiger Möglichkeiten, Materialien oder Forschungsbereiche sehen. Dazu möchte die Regierung auch Projekte wie das Arctic Security Center zur Verstärkung der Sicherheit von Handel und Verkehr stärker fördern.  Hingegen soll beim Bereich «Missbrauchsreduktion» in erster Linie die Arbeitssicherheit und der Wissensstand verschiedener im Tourismusbereich arbeitender Akteure genauer unter die Lupe genommen werden. Besonders im Bereich der Führungen soll verhindert werden, dass Missbrauch und Schwindel um sich greifen. Dazu will die Regierung prüfen, ob Gesetze und Vorschriften, die auf dem Festland bereits etabliert sind, auch auf Svalbard ausgeweitet werden soll. Auch für Store Norske, die bisherige Minenbetreiberin, werden Änderungen erwogen. Eine Ausweitung der Geschäftstätigkeit in die Bereiche Tourismus und Logistik müssen aber mit dem Eigentümer der Firma noch abgesprochen werden.

Den grössten Zuwachs und auch den grössten Handlungsbedarf sieht die Regierung beim wachsenden Kreuzfahrttourismus. Besonders schlecht oder gar nicht ausgerüstete Schiffe stellen ein Problem dar, während Expeditionsschiffe für Reisen um den Archipel auch entsprechend ausgerüstet sind. Bild: Michael Wenger

Einen besonderen Stellenwert in der Strategie nimmt der Kreuzfahrttourismus ein, der in den vergangenen Jahren den höchsten Zuwachs aufgewiesen hat. Hier möchte die Regierung weitere Daten und Beobachtungen erstellen und möchte auch die Branche stärker in die Pflicht nehmen, nachhaltig und verantwortungsbewusst zu handeln. Dazu soll der Verkehr besser überwacht und kartografiert werden und man will sich das Recht, gegebenenfalls auf die Bremse zu treten, beibehalten. «Einen Fuss müssen wir auf den Boden setzen und schauen, ob die Entwicklung im gleichen Tempo weitergeht. Wir werden auch prüfen, ob weitere vorbeugende Massnahmen wie die Regulierung des Kreuzfahrttourismus erforderlich sind», betont die Ministerin für öffentliche Sicherheit, Ingvil Smines Tybring-Gjedde. Sie setzt auch auf die Verantwortlichkeit der Reedereien und Kapitäne und hofft, dass auch hier Vernunft und Nachhaltiges Denken vor Profit geht. Denn sie betont wie ihre Kollegen, dass die Infrastruktur für Notfälle, Umwelt und Gesundheit auf Svalbard beschränkt ist und nicht auf grosse oder gleichzeitige Ereignisse ausgelegt sind. Dies ist auch wahrscheinlich der wichtigste Grund, warum die Auswirkungen des Tourismusentwicklung auf Svalbard besonders und genauer untersucht werden als an anderen Orten.

Die Möglichkeiten in Longyearbyen auf Notfälle zu reagieren, sind zwar sehr gut, aber logistisch, platztechnisch und personaltechnisch beschränkt. Darum sollen ggf. Beschränkungen weiter ausgebaut werden, wenn es notwendig ist. Bild: Michael Wenger

Quelle: Svalbardposten

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