In der Region um Nuuk auf Grönland liegen einige der ältesten und wichtigsten Gesteinsformationen der Erde, die Isua-Gneis-Formation. Hier haben Forscher Stromatolithen, Ablagerungen von photosynthetisch aktiven Bakterien gefunden, die auf rund 3.6 – 3.7 Milliarden Jahre geschätzt worden sind. Dies zeigt, dass bereits in der frühesten Geschichte der Erde Leben existiert hatte. Dies ist besonders für ausserplanetare Forschungsmissionen wie die Mars-Mission 2020 äusserst wichtig. Um sich entsprechend auf diese internationale Mission vorzubereiten, hat die NASA und die ESA Geologen, Ingenieure und andere Wissenschaftler in die Region Isua eingeladen, um Tests für die Entdeckung von Leben auf dem Mars zu entwickeln.

Die Forscher und Ingenieure sollten gemeinsam die technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten entwickeln, die Spuren von Leben in der Gneisformation zu untersuchen und einwandfrei zu bestimmen. Dabei ging es vor allem um die Vorbereitung, Ergebnisse des geplanten Mars-Roboters auszuwerten und Bedingungen festzulegen, die als Beweise für mögliches Leben auf dem Mars anerkannt werden. Gerade dieser Punkt ist besonders wichtig, da die bei Isua gefundenen Stromatolithen Gegenstand wissenschaftlicher Streitigkeiten in Bezug auf Alter und Herkunft waren.

Die Aufnahmen aus einer der Publikationen zeigen die Region des sogenannten Isua-Supragürtels, in dem die ältesten Lebensformen der Erde, Stromatolithen, gefunden worden waren. Ähnlich alte Formationen fand man auch in Westaustralien. A ist eine Übersichtsaufnahme, B-D sind verschiedene geologische Formationen. Bild: Furnes et al (2009) Lithos 113 (1–2) 115-132

Der Streit um das Alter der Stromatolithen entstand, als Professor Minik Rosing, ein grönländischer Geologe an der Universität von Kopenhagen, 1999 Kohlenstoffrückstände von 3.7 Milliarden Jahren alten Mikroorganismen gefunden hatte und damit einen Hinweis auf das Alter der Erde bei der Entstehung von Leben gab. Einen weiteren Beweis lieferte dann 2006 die Australierin Abigail Allwood, einen weiteren Beweis dafür mit Funden aus Australien, die ähnlich alt waren. Der Streit brach dann 2016 aus, als ein weiterer Forscher behauptete, er hätte Stromatolithen die sogar 3.8 Milliarden Jahre alt seien, gefunden und er viel Skepsis für seine Beweisführung erhielt. Daraus entstand eine Debatte, welche Bedingungen erreicht werden sollen, um die Echtheit der Beweise zu verifizieren.

Die geplante Mission zum Mars ist ein Gemeinschaftswerk der amerikanischen NASA und der europäischen ESA. Ziel ist es, einen weiteren Mars Rover auf die Oberfläche zu bringen, der mit Bohrungen u.a. nach ursprünglichem Leben suchen soll. Bild: NASA, CalTec

Um zu verhindern, dass bei der anstehenden Mars-Mission 2020 eine Diskussion die Beweislage entsteht, hatten sowohl NASA wie auch ESA das Projekt auf Grönland lanciert und im vergangenen August durchgeführt. Denn der Weg nach Grönland sei definitiv billiger als die Reise zum Mars. «Es wäre die schlimmste Nachricht, die die NASA nach der der Mars-Expedition durchgeben könnte, wenn sie sagen würden: «Pech gehabt, aber wir sind wieder weg». Denn da oben kann man sich nicht einfach umdrehen und woanders neue Tests durchführen, weil man sich nicht darauf einigen konnte, ob die Resultate Leben zeigen oder nicht», erklärt Professor Rosing. «Aus diesem Grund hat die NASA ein Interesse daran, dass sich Fachleute im Vorfeld einig sind, was mit nach Hause genommen werden soll.» Und dazu wurde die Reise zur Isua-Formation durchgeführt: Damit sich die Forscher und die Ingenieure auf Gemeinsamkeiten einigen in Bezug  auf die geologischen Bedingungen für die Spuren von Leben. «Doch man war sich nicht so einig», sagt Rosing weiter. «Aber das Entscheidende ist, dass wir die Beobachtungen, die wir im Vorfeld ja bereits gemacht hatten, nochmals verifizieren konnten und die Diskussion weitergeht.» Etwas Zeit bleibt den Wissenschaftlern noch, denn die Mission soll im Juli oder August 2020 starten und der Roboter im März 2021 auf dem Mars ankommen.

Quelle: Anton Gundersen Lihn, Kalaallit Nunaata Radio / NASA / Weekendavisen

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