Buckelwale im Südatlantik wieder auf dem Vormarsch | Polarjournal

Die Buckelwale gehören zu den beliebtesten und bekanntesten Walarten. Besonders in der Antarktis sind die Riesen ein Highlight für die Touristen. Doch nicht immer erfreuten die Wale die Menschen mit ihrer Akrobatik. Buckelwale waren im Zeitalter des industriellen Walfangs ein beliebtes Objekt aufgrund ihrer Grösse und ihrer Langsamkeit. Tausende von Buckelwalen wurden in den Gewässern zwischen Südgeorgien und der Antarktis erlegt. Nun haben Forscher aus den USA zeigen können, dass die Zahlen der Buckelwale sich wieder erholt haben und beinahe den geschätzten Stand der Vorwalfangzeit erreicht haben.

Die Forscher um Alexandre Zerbini und Andre Punt von der NOAA und der Universität Washington konnten zeigen, dass die Population der Buckelwale wieder rund 25,000 Tiere im Bereich des Südatlantiks umfasst. Dies ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Wale auf etwa 450 Tiere gesunken war Mitte der 1950er Jahre. Zwischen 1830 und der Mitte 1950 wurden durch den Walfang rund 27,000 Buckelwale getötet. Nur durch einen Stopp zehn Jahre später konnte verhindert werden, dass die Population ausgerottet wurde. «Wir waren sehr überrascht, dass die Population sich schneller erholt hat, als in vergangenen Arbeiten vorhergesagt worden war», erklärt John Best, Co-Autor und Student an der Universität Washington. Eine frühere Studie der Internationalen Walfangkommission hatte die Populationsgrösse auf rund 30 Prozent der Ursprungsgrösse geschätzt. Dabei stützte sie sich auf Daten zwischen 2006 und 2015. Mittlerweile haben aber neue Erkenntnisse aus der Walfanggeschichte, der Genetik und der Ökologie geholfen, genauere Daten zu erheben. Hauptautor Alexandre Zerbini von der NOAA hebt die Bedeutung eine ganzheitlichen Forschungsansatzes hervor und wie wichtig auch komplette und genaue Datensätze für eine unvoreingenommene Arbeit sind, besonders in der Ökologie und Populationsbiologie. «Wildtierpopulationen können sich von der Jagd und Nutzung erholen, wenn die richtigen Massnahmen ergriffen werden. Langzeitstudien solcher Populationen sind dabei enorm wichtig, um zu verstehen, wie auch Umweltveränderungen die Tierpopulationen beeinflussen können,» sagt Zerbini.

Buckelwale sind eigentlich keine Herdentiere. Doch an Orten mit grossem Nahrungsangebot kommen mehrere Tiere zusammen. Wie sie ihre Nahrung finden, wird zurzeit untersucht. Bild: Michael Wenger

Die Wissenschaftler vereinten in ihrer Arbeit historische Daten aus der Walfangzeit und bauten auch die sogenannten «struck-and-lost»-Raten ein. Dabei handelt es sich um solche Tiere, die zwar harpuniert worden waren, aber fliehen konnten und wahrscheinlich später an den Wunden starben. Bis anhin wurden diese Zahlen nicht eingerechnet. «Die Berücksichtigung des vorindustriellen Walfangs und der Struck-and-lost-Rate, bei der Wale harpuniert oder erschossen, aber nicht gefangen wurden und später sterben, hat uns klar gemacht, dass die Population viel produktiver ist, als bisher angenommen», erklärt Grant Adams von der Universität Washington und Co-Autor. Gemäss den Daten wurden alleine im Gebiet rund um Südgeorgien zwischen 1904, als die erste Walfangstation errichtet worden war, und 1916, knapp 25,000 Buckelwale erlegt. Ab den 1920er Jahren war die Zahl der getöteten Tiere von über 6,000 Tiere auf wenige Duzend pro Jahr gesunken, schreiben die Autoren in ihrer Arbeit. Sie schätzen, dass zwischen dem Beginn des Walfangs in der Antarktis um 1830 bis zu Ende 1972 etwa 40,000 – 60,000 Buckelwale den Harpunen zum Opfer gefallen waren.

Die Grafik zeigt, wie der industrielle Walfang innerhalb weniger Jahre die Population von Buckelwalen im Südatlantik beinahe auf 0 reduziert hatte (rote Linie) und wie sich ab den 1990er Jahren die rasante Erholung (grüne Linie) einstellte. Bild: aus Zerbini et al (2019) R Soc O Scie

Doch die Erfolgsgeschichte der Buckelwale ist nur für das Gebiet im Südatlantik geltend. Andere Populationen von Buckelwalen konnten sich trotz der Schutzbestimmungen und -massnahmen nicht n demselben Mass erholen. Beispielsweise sind die Zahlen von Buckelwalen zwischen Neuseeland und Australien immer noch tiefer als eigentlich erwartet. Hier liegt es wohl an den illegalen Walfängen der Sowjets nach dem Jagdstopp auf Buckelwale. Innert weniger Jahre erlegten sowjetische Walfangschiffe rund 48,000 Buckelwale heimlich im Gebiet zwischen Neuseeland und Australien. Gemeldet hatten sie aber lediglich knapp 2,700. Davon haben sich wahrscheinlich die Wale noch nicht erholt. Denn Buckelwale haben eine relativ langsame Reproduktionszeit. Kälber bleiben 2 Jahre bei der Kuh und werden erst mit 4 -7 Jahren geschlechtsreif. Da eine Kuh daher nur alle 3 Jahre ein Kalb hat und die Zahl der Männchen durch die Jagd reduziert ist, kann die Population nur sehr langsam ansteigen. Nimmt man noch andere Faktoren wie Schiffslärm, Störungen, Nahrungsverfügbarkeit und Verschmutzung dazu, sinkt die Rate noch weiter. Bis anhin ist eine Vermischung der verschiedenen Populationen rund um die Antarktis auch nicht bestätigt.

Quelle: Zerbini et al (2019) R Soc O Scie 6 (190365), doi.org/10.6084

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