Neue Zukunft für Svalbards Kohlenminebetreiber | Polarjournal

Nachdem 2015 beschlossen wurde, die letzte grosse Kohlenmine auf Svalbard zu schliessen, stand auch die Betreibergesellschaft Store Norske Spitsbergen Kulkompani AS vor einer grossen Herausforderung. Seit je her hatte die Firma zwar in verschiedenen Bereichen mitgespielt. Doch der Hauptgeschäftszweig und die meisten Arbeitsplätze hielt die Firma durch den Kohleabbau. Vor einigen Wochen hatte die norwegische Regierung ihre neue Svalbard-Strategie vorgestellt. Dabei wurde auch festgelegt, wie es mit der staatlichen Ex-Bergbaufirma weitergehen soll.

Für den staatseigenen Betrieb werden neue Zeiten anstehen und eine Neuorientierung nach der Schliessung der Svea-Mine. Der Geschäftsführer der Firma, Jan Morten Ertsaas, der seit April 2018 die Leitung hält, sind die Richtlinien für die neue Ausrichtung gute Neuigkeiten. Gegenüber Svalbardposten, der lokalen Zeitung in Longyearbyen, sagt er, dass er das Papier mit Vergnügen gelesen habe. «Es ist sehr gut, sowohl für uns wie auch für Longyearbyen, dass diese Ausrichtung jetzt vorliegt. Wir haben hier auf Svalbard jetzt eine klare Strategie.» Die Anfang Oktober ausgegebene Nachricht war, dass die Regierung für Store Norske ein neues Ziel und eine Rechtfertigung über den weiteren staatlichen Besitz entwickelt habe. In der Veröffentlichung war die Rede davon, dass aufgrund der neuen Situation mit verstärktem Tourismus für das Unternehmen neue Möglichkeiten entstanden sind. Vor allem im Bereich Logistik und Tourismus sollen weiterentwickelt werden, solange sie in Vereinbarung mit der norwegischen Spitzbergen-Politik ständen. Nun sind auch Details bekannt geworden, wie diese Möglichkeiten aussehen sollen und wie sich Store Norske positionieren will.

Der Tourismus auf Svalbard hat den Bergbau als grössten Arbeitgeber und grösste Einnahmequelle abgelöst. Mit der neuen Strategie will sich Store Norske als ernstzunehmender Akteur in der neuen Situation etablieren, auch in Sachen Hafenlogistik. Bild: Birger Amundsen, Svalbardposten

Jan Morten Ertsaas glaubt, dass sie seine Firma durchaus im neuen Umfeld festsetzen und substantielle Beiträge leisten kann. «Die neue Richtung passt sehr gut zu uns, wie wir uns in Zukunft als Mitspieler sehen», sagt er. «Wenn es um die Weiterentwicklung eines seriösen Tourismus geht, möchten wir Akteur sein, nicht Zuschauer. Wir beabsichtigen, das Logistikgeschäft auszubauen, um beispielsweise Kreuzfahrtschiffe und Longyearbyen selbst bedienen zu können.» Auch im Bereich Tourismus selber sieht Ertsaas durchaus Möglichkeiten. Sie betreibt die Mine 3 oberhalb von Longyearbyen für geführte Touren über den Kohleabbau und Bergbau, besitzt daneben noch das Grundstück von Isfjord Radio, welches zurzeit von Telenor und der lokalen Firma Basecamp genutzt wird und hatte in der Vergangenheit mit Svea Travel und Spitsbergen Travel auch im Tourismussektor mitgerührt. «Es ist grossartig, die Gelegenheit zu haben, den Tourismus mitweiterzuentwickeln. Doch es ist noch zu früh, zu sagen, ob wir tatsächlich in der Branche einen unabhängigen Zweig aufbauen werden. Diesbezüglich haben wir zurzeit keine Pläne. Doch langfristig werden wir Tourismus als neue Möglichkeit in Betracht ziehen», sagt Ertsaas. Denn aufgrund der gegenwärtigen Projekte, die sich mit der Schliessung der Kohlenminen befassen, ist Store Norske stark ausgelastet. Neue Investitionen für nächste Jahr schliesst Ertsaas dadurch zum jetzigen Zeitpunkt aus. Doch wenn die laufenden Projekte abgeschlossen sind, sollen die Arbeitsplätze nicht verloren gehen, sondern durch neue Projekte und Aktivitäten erhalten bleiben. «Unser Ziel ist, unser derzeitiges Aktivitätsniveau zu halten. Wir werden das Unternehmen schrittweise in den Bereichen weiterentwickeln, die im Strategiepapier definiert worden sind.»

Der jetzige Geschäftsführer der norwegischen Kohlegesellschaft, Jan Morten Ertsaas, ist erst seit April 2018 in seiner Position. Davor hatte der gelernte Ingenieur und Taucher als Plattformmanager, als Sicherheitsdirektor und Investmentdirektor für verschiedene Firmen gearbeitet. Bild: Hilde Kristin Røsvik

Die Kohleabbaufirma Store Norske Spitsbergen Kulkompani, wie sie offiziell heisst, wurde 1916 gegründet und hatte damals von der Norwegischen Spitsbergengesellschaft die von John Munroe Longyear, dem Gründer von Longyearbyen, aufgebaute Arctic Coal Mine Company übernommen. Damit wurde Store auch Besitzer der Siedlung Longyearbyen und damit der grösste Immobilienhändler und Landbesitzer Spitzbergens. Doch stückweise wurden diese Anteile verkauft. Während der gesamten Zeit betrieb die Firma die Kohlenminen rund um Longyearbyen und verkaufte einen grossen Teil davon ins Ausland für die Stahlindustrie. Doch mit dem Zerfall der Kohlepreise wurde die Situation für die staatliche Firma immer unrentabler und 2015 wurde bekanntgegeben, die grösste Mine Sveagruva stillzulegen. Zurzeit betreibt Store noch die Grube 7, die Longyearbyen mit Kohle versorgt. Doch auch hier bestehen Pläne, die Mine zu schliessen und die Stadt anderweitig mit Energie zu versorgen.

Quelle: Hilde Kristin Røsvik, Svalbardposten

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