Neues Pinguin-Fossil enthüllt Geheimnisse der Pinguin-Evolution | Polarjournal

Pinguine sind der Inbegriff eines antarktischen Vogels. Doch von den 18 bekannten Arten leben tatsächlich nur 8 in der Antarktis und auf subantarktischen Inseln. Die restlichen 10 Arten haben sich auf der restlichen Südhalbkugel ausgebreitet. Doch über die Ursprünge dieser ikonischen Vögel ist nur wenig bekannt. Auch das Aussehen der Urpinguine ist aufgrund mangelnder Komplettfunde nur dürftig bekannt. Ein weiteres Steinchen im Mosaik der Pinguinevolution wurde aber jetzt auf der Nordinsel Neuseelands, bei Kawhia Harbour, entdeckt.

Die ausserordentlich gut erhaltenen Überreste eines grossen Pinguins wurden am diesjährigen Treffen der Wirbeltierpaläntologischen Gesellschaft von Simone Giovanardi präsentiert. Der Doktorand an der Massey Universität hatte den Fund und spannende neue Erkenntnisse vorgestellt. Der gefundene Pinguin, der noch nicht klassifiziert worden ist, war schlanker und mit längeren Gliedmassen ausgestattet, als die heutigen Arten. Auch von anderen Urpinguinarten wie beispielsweise Kairuku grebneffi unterschied sich der neue Pinguin in diesen Aspekten. Sein langer Schnabel weist auch auf eine andere ökologische Rolle hin, als es bei den heute lebenden Pinguinarten der Fall ist.

Die vom Studenten Simone Giovardani erstellte Zeichnung des Kawhia-Pinguins zeigt einen grossen, sehr schlanken Vogel mit viel längeren Gliedern als alle bekannte Pinguinarten. Auch sein Schnabel ist um einiges länger. Die Färbungen basieren auf Vermutungen. Bild: Simone Giovanardi

Besonders bemerkenswert am Fund ist zum einen die Tatsache, dass der Pinguin im Norden Neuseelands gefunden worden ist. Bisher lagen die Fundstellen überwiegend auf der Südinsel. Giovanardi meint dazu, dass die Nordinseln wohl ihre eigene paläontologische Geschichte zu erzählen hätten. Ausserdem ist das Fossil sehr gut erhalten, was die Zahl der Funde und deren Qualität anbelangt. «Der Kawhia-Pinguin ist der besterhaltene und in lebensnaher Position gefundene Riesenpinguin bis jetzt. Das hilft sehr stark bei der Rekonstruktion und zeigt einen relativ langen und schlanken Körper», erklärt Giovanardi weiter. Die Art zeigt eine Mischung aus älteren Körperformen, die auch von früheren Riesenpinguinen bekannt sind, und dem weiterentwickelten Riesenpinguin Kairuku, der von der Südinsel bekannt ist. Ob es sich beim gefundenen Pinguinfossil um ein sogenanntes Missing Link handelt, ist jedoch noch nicht klar.

Die von der Südinsel bekannte Gattung Kairuku lebte vor rund 27 Millionen Jahren und ist bisher die am besten beschriebene Urpinguingattung. Vor kurzem wurde aber ein noch grösserer Vertreter gefunden, Crossvallia waiparensis, der bis zu 160 cm gross wurde. Bild: Tim Bertelink

Die bisherigen Funde von Urpinguinen erstrecken sich über die gesamte Südhalbkugel. Noch unklar ist, wo sich die Pinguine entwickelt hatten. Eine Theorie schlägt Neuseeland vor, andere behaupten an der Westküste von Südamerika liege der Ursprung. Die Gattung Kairuku, die aus dem Süden Neuseelands bekannt ist, bot bisher die besterhaltenen Fossilien dar und erlaubte einen tieferen Einblick in die schwierige, aber spannende Entwicklung von Pinguinen.

Quelle: Archaeology News Network

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