Arktische Küstenseeschwalben spüren den Klimwandel | Polarjournal

Küstenseeschwalben gehören in der Arktis zum Alltagsbild. Die kleinen Seevögel brüten jedes Jahr im hohen Norden und nutzen die reichhaltigen Nahrungsgründe. Dabei zieht die Arktische Küstenseeschwalbe bis nach Svalbard und Franz-Josef-Land zum Brüten. Im Herbst machen sich dieselben Vögel auf den langen Weg in Richtung Antarktis, wo sie den Südsommer verbringen. Eine Studie britischer Forscher hat nun herausgefunden, dass der Klimawandel den kleinen Zugvögeln erheblich stärker zusetzen kann als bisher angenommen.

Die beiden Wissenschaftler der Universität Newcastle untersuchten das Verhalten der Vögel während des Aufenthalts in der Antarktis. Aus dieser Region sind gemäss der Forscher viel weniger Daten bekannt als von der Arktis. Dazu wurden 47 Vögel von einer Kolonie auf der Insel Farne mit kleinen Satellitensendern versehen und verfolgt. Die Studie wurde 2015 und 2017 durchgeführt, was sich als Glücksfall herausstellen sollte. Die Auswertung der Daten und eine Untersuchung der Federn der Vögel (von den Brutgebieten stammend) zeigte, dass die Küstenseeschwalben rund ein Drittel ihres Jahreszyklus auf dem Meereis der Antarktis verbringen und dort sich hauptsächlich von antarktischem Krill ernähren. Dazu meint der Hauptautor der Studie, Dr. Chris Redfern: «Meereis ist für jungen Krill von grosser Bedeutung, da es Schutz vor Fressfeinden und vor intensiver Lichteinstrahlung bietet. Und Krill ist die Hauptnahrung der Seeschwalben während ihrer Zeit in der Antarktis.»

In der Antarktis tummeln sich verschiedene Arten von Küstenseeschwalben, von denen zwei Arten sich sehr nahestehen und ähneln. Die Arktische Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) besitzt jedoch schwarze Flügelspitzen an der Unterseite, während die Antarktische Form (Sterna vittata) graue Spitzen aufweist. Bild: Michael Wenger

Die Resultate der Studie zeigen auch, dass klimatische Veränderungen in der Antarktis das Verhalten der Vögel stark beeinflusst hatte. Die Forscher entdeckten, dass durch einen ungewöhnlich starken Wärmeeinbruch das Packeis im Südfrühjahr 2016 schon sehr früh aufgebrochen war und dadurch eine geringere Meereisdichte im darauffolgenden Jahr herrschte, als normal. «Es scheint sehr wahrscheinlich, dass das wärmere Wetter in der Saison 2016/17 zu einer geringeren Menge an Krill geführt hatte und die Vögel waren gezwungen, in anderen Gebieten zu fischen. Tatsächlich zeigen unsere Daten, dass die Seeschwalben sich im Bereich des Shackleton Eisschelfs aufhielten statt sich wie normal der ostantarktischen Küste entlang zu bewegen», erklärt Dr. Redfern weiter. «Polargebiete sind besonders anfällig auf klimatische Veränderungen und schon kleinste Verschiebungen können zu massiven Auswirkungen auf das gesamte marine Nahrungsnetz führen.».

Die Arktische Küstenseeschwalbe unternimmt eine der längsten Wanderungen aller Tiere. Auf ihrer Reise folgt der Vogel nicht der direktesten Route, sondern weicht massiv ab. Die längste Reise wurde mit 96,000 km gemessen. Bild: Michael Wenger

Die Tatsache, dass die Arktische Küstenseeschwalbe nicht in der Antarktis brütet, sondern lediglich dort frisst, hilft der Wissenschaft weiter. Professor Richard Bevan, Co-Autor der Studie, erklärt dazu, dass der Vogel auch helfen kann, besonders beeinflusste Gebiete zu entdecken. «Arktische Küstenseeschwalben sind eine der wenigen Nicht-Brutvögel während des antarktischen Sommers. Das bedeutet, dass sie nicht an eine Brutstelle gebunden sind, sondern zu den besten Nahrungsgründen ziehen können. Wenn wir die Vögel verfolgen, können wir auch Veränderungen an diesen Hotspots feststellen und erhalten so tiefere Einblicke in Regionen, die von Forschern nicht immer erreicht werden können.» Doch neben den Regionen in der Antarktis kann er Vogel auch Informationen über die besuchten Gebiete während der Reise liefern. Denn die Vögel ziehen nicht auf dem direktesten Weg in die Antarktis und zurück (ca. 18 – 19,000 km) sondern machen «Umwege» über die verschiedensten Regionen. Der Rekord für eine ganze Reise liegt bei 96,000 Kilometer. Andere Tiere überquerten den Indischen Ozean in 24 Tagen nonstop und legten dabei 8,000 Kilometer zurück. «Die Sender haben uns einen einmaligen Eindruck in das Leben dieser unglaublichen Vögel erlaubt, die allen Widrigkeiten widerstehen und sie haben uns gezeigt, wie prekär ihre Lage im Hinblick auf den menschgemachten Klimawandel ist», meint Professor Bevan abschliessend.

Quelle: Universität Newcastle

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