Neue Flugpiste verbindet belgische Station mit der Welt | Polarjournal
(C) International Polar Foundation

Die Logistik zur Versorgung antarktischer Station ist eine Welt für sich. Dabei spielen Flugzeuge eine immer wichtigere Rolle. Neben der Fracht werden so auch Wissenschaftler und Personal schnell zu den Stationen gebracht. Doch gute Landeplätze für grosse Maschinen sind nicht häufig in Antarktika. Gerade in der Ostantarktis, wo viele internationale Stationen teilweise weit im Landesinnern liegen, ist die Versorgung bis anhin sehr aufwändig gewesen. Nun ist nahe der belgischen Station Princess Elisabeth Antarctica eine neue Landepiste für Flüge aus Kapstadt eröffnet worden.

Der Perseus-Airstrip liegt nur noch wenige Fahrstunden von der belgischen Antarktisstation entfernt. Damit wird die Logistik für die Versorgung der Null-Emissions-Station wesentlich vereinfacht und auch kostengünstiger. «Bis anhin mussten Wissenschaftler, die zur Station wollten, den Flugplatz der russischen Station Novolazarevskaya erreichen, der rund 450 Kilometer westlich von hier liegt, und dann mit einer kleinen Maschine zur PEA (Princess Elisabeth Antarctica)-Station weiterfliegen», erklärt der Verbindungsmann der Station, Henri Robert von der International Polar Foundation. «Bei schlechtem Wetter war man schon mal Tage oder sogar Wochen auf der Station Novo gestrandet. Und das sit eine Menge Zeit, wenn man nur vier Wochen Zeit für sein Forschungsprojekt hat. Jetzt können wir dank dem neuen Flugfeld innerhalb der Fahrdistanz zur PEA landen. Das bringt rund € 6,000 Ersparnisse pro Person. Wenn man das auf vier, fünf Leute pro Versorgungsflug ab Novo hochrechnet, ist das eine riesige Ersparnis. Der Bau der Piste in Bezug auf Komfort und Einsparungen auf jeden Fall die Investitionen wert gewesen», meint er weiter.

Die Flüge ab Kapstadt werden von der Logistikfirma ALCI mit einer Ilyushin-76 durchgeführt. Diese Maschinen sind zuverlässig, leicht zu warten und können auch auf Eis landen. Bild: International Polar Foundation

Das neue Flugfeld ist Teil des DROMLAN-Netzwerkes (Dronning Maud Land Air Network), die für die gesamte Aviatik-Logistik in der Region Dronning Maud Land, Ostantarktis, verantwortlich ist. Betrieben wird das Netzwerk von der russischen Firma Antarctic Logistic Center International (ALCI), die in Kapstadt sitzt. Die 3-Kilometer lange Piste wird vom belgischen Antarktisteam in Stand gehalten. Dies sollte relativ einfach sein, da die Lage kaum Schneeansammlung erlaubt. Denn die Piste liegt auf der windabgewandten Seite eines Nunataks, einer aus dem ewigen Eis ragenden Bergspitze. Damit sind katabatische Winde selten ein Problem und Schnee sammelt sich kaum an, da die Region sehr wenige Niederschläge erhält. Die Eisunterlage schmilzt auch im Sommer nicht (normalerweise). Die Flüge werden in der Regel mit einer Ilyushin-76 Maschine ab Kapstadt durchgeführt. Diese Maschinen russischer Bauart sind ideale, zuverlässige Transportmittel mit kleinen Start- und Landedistanzen und grosser Reichweite.

Die ersten Forscher, die auf dem Flug von Kapstadt zum Perseus Airstrip dabei waren, mussten zusammen mit der Fracht den knapp 6-stündigen Flug durchstehen. Dafür erreichten sie direkt ihre Station. Bild: International Polar Foundation

Das Flugfeld wurde in den vergangenen zwei Sommern aufgebaut. Zuständig war dafür das Team der Belgier. Als Teil des DROMLAN ist jede Station verpflichtet, den Unterhalt der gemeinsamen Infrastruktur zu gewährleisten, wenn diese genutzt wird. Als nächstes werden das belgische Unterhaltsteam und Techniker von ALCI einen Hangar für den Pistenbulldozer und Feuerwehrfahrzeuge errichten und Teil der mobilen Infrastruktur sein, die bereits besteht. Dazu gehören auch Unterkünfte und Wohncontainer mit Betten und Toiletten.

Die belgische Null-Emissionsstation ist nur im Sommer besetzt. Während des Winters überwachen Techniker in Belgien die Station dank einem hochmodernen Überwachungssystem. Die Station war die erste ihrer Art. Bild: International Polar Foundation

Die Station von Belgien liegt knapp 60 Kilometer entfernt und wird nur in den Sommermonaten besetzt. Dank ihrer neuen Technologien zur Energiegewinnung und ihrer speziellen Bauweise ist die Station die erste Null-Emission-Station in der Antarktis gewesen. Seit zehn Jahren sind regelmässig bis zu 40 Personen in der Station während des Sommers.

Quelle: International Polar Foundation

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