AECO begrüßt zusätzliche Schutzmaßnahmen in Spitzbergen | Polarjournal
Die AECO setzt sich als Verband der Betreiber von Expeditionskreuzfahrten in der Arktis (Association of Arctic Expedition Cruise Operators) für einen verantwortungsbewussten, umweltfreundlichen und sicheren Tourismus ein und bemüht sich um die Festlegung höchstmöglicher Betriebsstandards. Foto: Ilja Leo Lang, AECO

Vergangene Woche berichteten wir über die Überlegungen der norwegischen Regierung, weitere Schutzmaßnahmen in Spitzbergen umzusetzen (zum Artikel). Die AECO hat nun auf diesen Vorstoß mit großer Zustimmung in allen Punkten reagiert.

Zu den angedachten Schritten Norwegens zählen ein generelles Schwerölverbot in der Arktis, eine Größenbeschränkung von Passagierschiffen sowie zusätzliche Maßnahmen zum Schutz von Wildtieren, Natur und kulturellem Erbe. Im Folgenden wird die Sicht der AECO zu den einzelnen Punkten detailliert dargestellt.

Verbot von Schweröl
Die AECO unterstützt seit langem ein allgemeines Verbot der Verwendung und Beförderung von Schweröl in Spitzbergen und der Arktis. Sie war ein früher Unterzeichner des Arctic Commitment, eine Verpflichtungserklärung, die eine schrittweise Einstellung des Einsatzes von Schweröl in der Arktis fordert. Die aktuelle Praxis aller Mitglieder des Verbandes ist es, auf die Verwendung von Schweröl in der Arktis zu verzichten. Laut der Geschäftsführerin Frigg Jørgensen hat das Schwerölverbot eine breite Unterstützung unter den Mitgliedern des Vereins.

“Die AECO repräsentiert die große Mehrheit der Betreiber, die Expeditionsreisen in der Arktis anbieten. Mit der Formalisierung dieses Verbots sendet die Expeditionskreuzfahrtindustrie eine Botschaft an die Entscheidungsträger, dass es an der Zeit ist, zu handeln, um die Arktis vor dem Risiko einer Schwerölbelastung zu schützen. Wir begrüßen den Vorschlag der norwegischen Regierung, ein allgemeines Verbot von Schweröl in Spitzbergen einzuführen. Wir hoffen, dass andere arktische Nationen und die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO dem Beispiel Norwegens folgen werden“, so Jørgensen.

Größenbeschränkung von Schiffen
Anbieter von Arktis-Expeditionskreuzfahrten bilden den Kern der AECO-Mitglieder und betreiben daher im Allgemeinen kleine und mittlere Schiffe mit bis zu 500 Passagieren, wobei die durchschnittliche Passagierkapazität zwischen 150 und 200 Passagieren liegt. Jørgensen erklärt dazu: „Wir sehen viele Vorteile bei der Verwendung relativ kleiner Schiffe. Die Schiffe sind weniger abhängig von der Hafeninfrastruktur und können entlegene Standorte nachhaltig besuchen. Kleinere Passagiergruppen können auch für arktische Gemeinden, die sie als Besucher aufnehmen, besser zu bewältigen sein. Darüber hinaus zeigt eine aktuelle Studie aus Svalbard, dass die Expeditionskreuzfahrtschiffe im Durchschnitt 5,2 mal mehr lokales Einkommen pro Passagier beitragen als der konventionelle Kreuzfahrttourismus (mehr dazu in der Infografik). Auch unter Such- und Rettungsgesichtspunkten können kleinere Schiffe leichter zu verwalten sein. Mit anderen Worten, es kann einige Vorteile geben, kleine Schiffe zu bevorzugen”. Der Tourismus ist allerdings die Haupteinnahmequelle in Spitzbergen und bevor neue Vorschriften durchgesetzt werden, sollten mögliche Auswirkungen auf lokale Unternehmen und Gemeinschaften untersucht und lokale Branchenakteure konsultiert werden, fügt Jørgensen hinzu.

Sollte eine Größenbeschränkung für Kreuzfahrtschiffe in Spitzbergen kommen, gehört solch ein Anblick wohl bald der Vergangenheit an.

Weitere Maßnahmen zur Bewältigung des wachsenden Tourismus
Die norwegische Regierung denkt ebenso über strengere Vorschriften nach, die Wildtiere, Natur und kulturelles Erbe besser schützen sollen, darunter striktere Regelungen zu Störungen von Eisbären und Anlandungen in empfindlichen Gebieten.
Eine Reihe von der AECO entwickelten und durchgesetzten Richtlinien und Normen gewährleistet bereits einen verantwortungsvollen und rücksichtsvollen Ablauf. Diese sind für alle AECO-Mitglieder verbindlich und ergänzen die gesetzlichen Anforderungen. Zu ihnen gehören Richtlinien für die Beobachtung von Eisbären und anderen Wildtieren, für die Biosicherheit sowie operative Richtlinien für die Sicherheit und Notfallvorsorge. Weiter beinhalten sie standort-spezifische Vorschriften zur Durchführung sicherer Anlandungen an besonders empfindlichen Stellen, ohne dabei die lokale Tier- und Pflanzenwelt, die Natur oder die Überreste historischer Aktivitäten zu beeinträchtigen.
Die AECO unterstützt den Vorschlag der norwegischen Regierung, für weitere neun Landestellen im Nationalpark West-Spitzbergen ebenfalls standort-spezifische Richtlinien festzulegen.

Während diese Richtlinien für die AECO-Mitglieder verbindlich sind, müssen sich andere Betreiber nicht an diese strengen Vorschriften halten. Die Erfahrungen der AECO von Svalbard zeigen jedoch, dass die Nicht-Mitglieder ein Umwelt- und Sicherheitsrisiko darstellen können, da sie an niedrigere Betriebsstandards gebunden sind.

Zusätzlich verlangt die AECO, dass die Mitarbeiter ihrer Mitglieder eine Prüfung über rechtliche Rahmenbedingungen, Richtlinien und rücksichtsvolles Verhalten bestehen. Ein Beobachterprogramm trägt dazu bei, deren Einhaltung an Bord und an Land zu gewährleisten.

Die AECO ist der Ansicht, dass Spitzbergen davon profitieren würde, wenn mehr Betreiber an die gleichen hohen Standards gebunden wären, die sich die Expeditionskreuzfahrtindustrie durch die AECO-Richtlinien selbst auferlegt hat. Außerdem würde die AECO Maßnahmen hinsichtlich der Kompetenzanforderungen für Guides begrüßen.

Suche und Rettung
Such- und Rettungskapazitäten können bei größeren Schiffen ebenfalls ein Problem darstellen. Sicherheit und marine Notfallvorsorge sind Prioritäten für die Expeditionskreuzfahrtindustrie in der Arktis. Die überwiegende Mehrheit der Betreiber in diesem Segment ist Teil der AECO und viele Anstrengungen zur Verbesserung der Vorsorge werden über diese Organisation geleitet. Der sektorübergreifende Dialog kann zu einem geringeren Risiko und einem besseren gemeinsamen Verständnis der Fähigkeiten und Verfahren beitragen. Dies würde sowohl den Betreibern als auch den Search-and-Rescue (SAR)-Einsatzkräften helfen, optimale Methoden zu entwickeln, die es ihnen ermöglichen, bei der Vorbereitung und Reaktion auf Unfälle auf See gut zusammenzuarbeiten.

Expeditionsschiffe wie die MS Plancius stellen eine wichtige Unterstützung bei Such- und Rettungseinsätzen rundum den Svalbard-Archipel dar.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2003 ist die AECO ein Forum für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen der Industrie, den Such- und Rettungsdiensten und den zuständigen Behörden. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es nicht nur, die Risiken zu verringern und die Bereitschaft im Expeditionskreuzfahrtsektor zu stärken, sondern auch, wie die Industrie bei SAR-Operationen von Nutzen sein und zu einer verbesserten Notfallvorsorge auf See in der Arktis beitragen kann.

Passagierschiffe können im arktischen SAR-Betrieb sehr wertvoll sein. Expeditionskreuzfahrtschiffe fahren in der Sommersaison in abgelegene Gebiete der Arktis und sind daher oft eine der nächstgelegenen verfügbaren Ressourcen, wenn ein anderes Schiff oder sogar eine lokale Gemeinschaft Schwierigkeiten hat und Hilfe benötigt. In solchen Fällen können die Expeditionsschiffe als Bereitschaftsschiff für das in Not geratene Schiff dienen. Da in der Arktis die Entfernungen groß und die Such- und Rettungsmöglichkeiten begrenzt sind, können Bereitschaftsschiffe ein unschätzbarer Vorteil bei SAR-Operationen in der Arktis sein. In vielen Fällen wird ein solches Schiff in der Lage sein, ein Schiff in Not zu erreichen, lange bevor Such- und Rettungsschiffe oder andere Hilfe vor Ort eintreffen können.

Quelle: AECO

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