Wal-Zählung aus dem All | Polarjournal
Mithilfe von Satelliten-, Sonar- und Radardaten sollen die Wanderungen der Wale genauer beobachtet werden können. Foto: Amy Rodham Kennedy/NOAA

Das Monitoring von Walen ist aufgrund ihrer großräumigen Verbreitung sehr schwierig und extrem aufwendig. Ein Aquarium und ein Ingenieurbüro in Massachusetts hatten nun die Idee, Wale aus dem Weltraum zu überwachen und arbeiten gemeinsam an einem Projekt zum besseren Schutz der Tiere.

Das New England Aquarium mit Sitz in Boston und Draper, eine Firma mit Sitz im nahe gelegenen Cambridge, sagen, dass neue und hochtechnologische Lösungen benötigt werden, um die Wale vor dem Aussterben zu schützen. So nutzen sie Daten aus Quellen wie Satelliten, Sonar und Radar, um genauer zu beobachten, wie viele Wale sich im Ozean aufhalten.
Das Projekt, bei dem komplexe Daten verarbeitet werden, hat einen leicht verständlichen Namen: Counting Whales From Space. Aber John Irvine, Chef-Wissenschaftler für die Datenanalyse bei Draper, räumte ein, der Name sei das einzig Einfache an dem Projekt.

„Wenn sich Wale aus einem Gebiet heraus und in ein anderes bewegen“, sagte Irvine, „was ist der Grund dafür? Liegt es an der Erwärmung der Ozeane? Sind es Veränderungen in den kommerziellen Schifffahrtswegen? Das sind alles Fragen, die wir beantworten können, sobald wir die Daten haben.“

Im Zuge des Projekts werden Daten aus verschiedenen Quellen gesammelt, von europäischen Raumfahrtbehörden bis hin zu Amateurfunkern. Daraus wird eine Wahrscheinlichkeitskarte erstellt, die zeigt, wo sich die Wale im Meer befinden könnten, so Irvine. Naturschutzgruppen werden dann in der Lage sein, die Wale und ihre Wanderungen zu überwachen.
Das Aquarium und Draper haben zusammen eine Million Dollar für das Projekt bereitgestellt, das sich voraussichtlich über mehrere Jahre entwickeln wird.

Luftbildvermessungen sind die am häufigsten verwendete Methode, um Wale zu zählen, sagten die Partner des Projekts. Diese Methode ist jedoch teuer, abhängig von schlechten Wetterbedingungen und kann gefährlich sein.
Die Projektmitglieder sagten, ihr Ziel sei es, eine neue Technologie zu entwickeln, die speziell entworfene Algorithmen zur Datenverarbeitung und Überwachung der Wale verwendet. Wie genau das Endprodukt aussehen könnte, wird man im Verlauf sehen“, sagte Irvine, aber das Ziel sei eine globale Beobachtung der Walwanderungen”.
Die Technologie könnte zur Überwachung von Walen überall auf der Welt eingesetzt werden, sagte Vikki Spruill, Präsidentin des New England Aquarium, aber einige der dringendsten Bedürfnisse für die Überwachung sind gerade vor New England.

Von der neuen Überwachungsmethode könnten vor allem besonders stark gefährdete Arten wie Nordpazifische Glattwale (Eubalena japonica) profitieren. Die Verdickungen am Kopf des Wals sind kalzifizierte Hautwucherungen, wie sie für alle drei Glattwalarten charakteristisch sind. Foto: Desray Reeb/NOAA

Besonders stark gefährdete Arten könnten von dieser Überwachung profitieren, indem beispielsweise Schifffahrtsrouten verlegt werden, um Kollisionen mit den Tieren zu vermeiden. Die Gewässer vor New England sind die Heimat des Nordatlantischen Glattwals, eine der weltweit am stärksten gefährdeten Walarten mit nur noch etwa 400 Tieren bei abnehmender Tendenz. Bessere Daten und Überwachungsinstrumente könnten helfen, den Schutz dieser und anderer Arten anderswo zu gewährleisten, sagte Spruill, besonders da Wale selten internationale Grenzen respektieren. „Es sind Tiere, die sich über große Gebiete unseres Ozeans bewegen“, so Spruill. „Große Meerestiere haben keine Grenzen, wie wir sie an Land kennen.”
Nordatlantische Glattwale ziehen im Frühjahr Richtung Norden, manche bis in die arktischen Gewässer Kanadas, wo sie den Sommer verbringen. Ihre nahen Verwandten im Pazifik, die Nordpazifischen Glattwale, die den Sommer im Golf von Alaska und in der Beringsee verbringen, sind noch stärker gefährdet. Wissenschaftler gehen bei der östlichen Population von nur etwa 30 Tieren aus.

Quellen: The Guardian, Julia Hager

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