Landesmuseum Schweiz widmet Schweizer Grönlandforschung Ausstellung | Polarjournal

Die zweitgrösste Insel der Welt, Grönland, ist in den vergangenen Jahren immer stärker in den Fokus der Welt gerückt. Nicht nur sein Reichtum an Natur- und Bodenschätzen, sondern auch sein politischer und gesellschaftlicher Status haben die Insel in der medialen Aufmerksamkeit gehalten. Doch schon vor über hundert Jahren hatte die eisige und abgelegene Insel im Norden Menschen in ihren Bann gezogen. Auch Schweizer folgten dem Drang, sie zu erkunden und erforschen. Das Schweizer Landesmuseum in Zürich präsentiert nun ab dem 6. Februar 2020 in der Ausstellung «Grönland 1912» die Schweizer Grönlandforschung und den Polarforscher Alfred de Quervain.

1912 durchquerte Alfred de Quervain Grönland und löste damit in der Schweiz einen regelrechten «Polarboom» aus. Die Messungen des Wissenschaftlers beeinflussen die Gletscherforschung bis heute. Seit Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft mit den schwindenden Gletschern. Der Rückzug der Eisriesen schreitet unaufhaltsam voran. Bereits vor gut 100 Jahren standen die Gletscher im Fokus der Klimaforschung. Allerdings unter anderen Voraussetzungen: Im 19. Jahrhundert fürchtete man sich vor einer neuen Eiszeit. Die «Schweizerische Grönland Expedition» von Alfred de Quervain war deshalb 1912 in aller Munde. Nicht nur die noch junge Klimaforschung interessierte sich für die Daten des Berner Geophysikers, auch die Gesellschaft gierte nach abenteuerlichen Geschichten aus dem Norden. Da sich der Staat nicht an den Kosten der Expedition beteiligen wollte, schloss der Abenteurer einen Vertrag mit der Neue Zürcher Zeitung ab. Sie bezahlte einen Drittel der Aufwände und sicherte sich damit das Recht, exklusiv über die Expedition zu berichten. Die Artikel machten de Quervains Abenteuer noch bekannter und lösten in der Schweiz einen regelrechten «Polarboom» aus.

Die NZZ von 1912 widmete dem Polarforscher Alfred de Quervain (rechts, bei Windmessungen) und seiner Expedition ganze Titelseiten und folgte dem damaligen Trend, Stories aus den Polarregionen zu veröffentlichen. Bilder: mit freundlicher Genehmigung des SNM

Alfred de Quervain war schon 1909 im ewigen Eis von Grönland unterwegs gewesen. Drei Jahre später kehrte er dorthin zurück, um die Insel zu durchqueren. Das hatte vor ihm erst einer geschafft: Fridtjof Nansen. Und wie es sich für einen Abenteurer gehört, musste die Strecke des Schweizers länger und schwieriger sein als jene des Norwegers, der Grönland 1888 weiter südlich überquert hatte. Und das war sie! Mit Skiern und Hundeschlitten legten Alfred de Quervain und seine Mitstreiter in sechs Wochen rund 650 Kilometer zurück. Das war nicht nur anstrengend, sondern teilweise auch gefährlich. Gegen Ende der Überquerung fanden sie beispielsweise das Depot mit Nahrungsvorräten nur knapp.

Alfred de Quervain (links 1912, Grönland, rechts 1914, Zürich) wollte Fridtjof Nansen nacheifern und Grönland noch länger durchqueren und dabei wissenschaftliche Messungen auf dem Inlandeis vornehmen. Das Landesmuseum zeigt die Expedition in seiner Ausstellung. Bild: ETH Zürich, mit freundlicher Genehmigung des SNM

Die meteorologischen und glaziologischen Daten, die Alfred de Quervain und sein Team 1912 gesammelt hatten, waren für die Wissenschaft enorm wertvoll. Bis heute werden die für die Forschung genutzt, beispielsweise bei der Erforschung des Grönländischen Eisschilds, der als zweitgrösster Süsswasserspeicher der Erde gilt. Wegen der Klimaerwärmung schmilzt er in den letzten zwei Jahrzehnten immer schneller. Besonders problematisch: Das Schmelzwasser wird nicht mehr aufgenommen und später wieder zu Eis, sondern fliesst in den Ozean ab. Dadurch schwinden die Süsswasserreserven und der Meeresspiegel steigt kontinuierlich an.

Verschiedene Messmethoden, vor allem aus der Luft, zeigen heute ganz klar, dass der grönländische Eisschild sowohl von oben wie auch an den Küsten von unter dem Meer abschmilzt. Einige Gletscher ziehen sich über einen Kilometer pro Jahr zurück. Bild: NASA

Mit Originalexponaten und historischen Fotografien beleuchtet die Ausstellung Alfred de Quervains Expedition im ewigen Eis und schlägt einen Bogen zur heutigen Klima- und Gletscherforschung.

Die Ausstellung öffnet am 6. Februar 2020 ihre Türen und dauert bis zum 19. April 2020. PolarJournal wird in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum über die Ausstellung und die Begleitveranstaltungen berichten.

Das markante, schlossähnliche Museum liegt mitten in Zürich, nahe am Hauptbahnhof und wurde 1898 eingeweiht. Im Museum werden in 5 Dauerausstellungen verschiedene Aspekte der Schweizer Geschichte und Kultur gezeigt. Die Wechselausstellungen widmen sich verschiedensten, auf die Schweiz bezogenen Themen. Bild: Burkhardt Mücke, Wikipedia CC BY-SA 4.0

Quelle: Schweizerisches Nationalmuseum, Abteilung Kommunikation

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