Neue russische Forschungsstation in der Arktis läuft mit Wasserstoff | Polarjournal
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Russland hat sich in den vergangenen Jahren in seinem arktischen Gebiet verstärkt der Förderung von Erdöl und Erdgas gewidmet. Besonders in der Region Yamal-Nenets sind zahlreiche Infrastruktur- und Förderprojekte umgesetzt worden. Scheinbar war eine schnelle wirtschaftliche Entwicklung der regionalen Regierung wichtiger als Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanken. Doch nun hat eine Meldung für Überraschung gesorgt: Ab 2022 soll im Nordwesten der Region, nahe Salekhard, eine Forschungsstation eröffnet werden, die mit Wasserstoff betrieben wird.

Die auf den Namen «Snezhinka» (Schneeflocke) lautende Station wird in einer Region gebaut, die sich bisher durch Erdgas- und Öl-Förderung einen Namen gemacht hatte. Im teilautonomen Gebiet Yamal-Nenets werden rund 80 Prozent von Russlands Erdgas und ein substantieller Anteil an Erdöl gefördert und verschickt. Obwohl Präsident Putin immer wieder verlauten liess, dass sich Russland seiner Verantwortung bei der Klimaveränderung bewusst sei, stach die Region nicht durch Nachhaltigkeit und Umweltgedanke hervor. Auf einer Medienkonferenz im vergangenen Dezember liess der noch junge Gouverneur Dmitry Artyukhov verlauten, dass sich seine Region auf fossile Brennstoffe konzentrieren werde und erneuerbare Energiequellen «nicht für uns» seien. Daher ist der Bau der Station, der bei einer Pressekonferenz am 20 Januar 2020 angekündigt wurde, um so überraschender.

Das Promotionsvideo zeigt, wie die Station aussehen soll und wie sie sich in die Gegend eingliedert. Für die Betreiber der Station sei die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung auch wichtig und mit Anna Nerkagi, einer bekannten russischen Schriftstellering und Menschenrechtsaktivistin wurde eine wichtige Persönlichkeit mit an Bord geholt. Video: Arctic-mipt.com

Die Station mit ihren neun kuppelförmigen Gebäuden soll ausserhalb der Hauptstadt Salechard gebaut werden und wird sowohl regionale wie auch nationale Unterstützung erhalten. Insgesamt 2,000 Quadratmeter wird die gesamte Anlage einnehmen und neben den Wohneinheiten auch einen offenen Vortrags- und Medienraum, ein Fitnesscenter und vor allem Forschungseinrichtungen beinhalten. Alle Gebäude werden durch Röhren untereinander verbunden sein. Die Energieanlage wird auf Wasserstoff-Basis und mit erneuerbaren Energien betrieben und die ganze Anlage soll einem Minergie-Standard entsprechend. Der Rektor des Physikalisch-Technischen Instituts in Moskau, Nikolai Kudryatsev, hebt hervor, dass der Arktisrat seine Unterstützung für das rund €12 Millionen teure Projekt bekanntgegeben hat. «Forscher, Ingenieure Studenten finden hier einen Arbeitsplatz für das ganze Jahr und können Technologie ausprobieren, die bald in unser Alltagsleben Einzug finden werden», erklärt er. Sein Institut hat die Projektleitung erhalten und wird von den Ministerien für Wissenschaft, Äusseres und für Fernen Osten und die Arktis unterstützt. Auch die Regionalverwaltung hat ihre Unterstützung für das Projekt zugesichert.

Die Absicht der Betreiber ist es, die Station das ganze Jahr über zu besetzen und verschiedene Forschungszweige in der Station unterzubringen, darunter auch die Auswirkungen von Klimawandel und Umweltverschmutzung. Aber auch soziologische und kulturelle Studien sollen durchgeführt werden in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. Die Nenzen, ein traditionell nomadisch lebendes Volk von Rentierzüchtern, sollen auch von der Station profitieren können. Dies ist auch die Absicht der prominenten lokalen Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Anna Nerkagi, selber eine Angehörige der Nenzen. Sie macht sich seit Jahren für die Rechte der Nenzen stark und betreibt selber eine Tundra-Schule für Nenzen-Kinder. Sie erhofft sich eine Stärkung im Bildungsbereich und eine Förderung der Nenzen-Kultur. Nikolai Kudryatsev hofft auch, dass die Station eine einzigartige Plattform für internationale Zusammenarbeit sein wird, ähnlich wie der Arktisrat auf politischer Ebene und dessen Vorsitz Russland nächstes Jahr von Finnland Turnus-gemäss übernehmen wird.

Die Karte zeigt die Lage des teilautonomen Kreis Yamal-Nenets und die Halbinsel Yamal. Bild: Google Earth

Quelle: Atle Staalesen, The Independent Barents Observer / Arctic-mipt.com

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