Wale kehren vermehrt nach Südgeorgien zurück | Polarjournal

Südgeorgien war zwischen 1904 und 1966 mit zahlreichen Walfangstationen besetzt. Von hier aus zogen Walfänger in das umliegende Südpolarmeer auf der Jagd nach den begehrten Meeressäugern und töteten mehr als 176’000 Wale. Denn die Industrien in Europa, Asien und den USA lechzten nach dem wertvollen Walöl vor der Nutzung von fossilen Brennstoffen. Dies führte zum Kollaps der Walpopulationen und einem Fangstopp, der bis heute nachhallt. Jetzt haben Wissenschaftler zeigen können, dass die Tiere wieder zurück in ihre alten «Sommerfrischen» gekommen sind.

Auf insgesamt drei Expeditionsfahrten rund um die Insel herum fanden die Forscher unter der Leitung des British Antarctic Survey (BAS) einen massiven Anstieg von Buckelwalen rund um die Insel. Gemäss den Angaben wurden in 21 Tagen 790 Buckelwale gesichtet und dichte Ansammlungen der Tiere auch schon in früheren Jahren gemeldet. Nach Schätzungen dürfte damit die Populationsgrösse rund um Südgeorgien etwa 20’000 Tiere betragen, die jährlich bei der Insel vorbeikommen. Gestützt wird diese Zahl durch Untersuchungen an der brasilianischen Küste, wo diese Wale ihren Winter verbringen. Damit lässt sich sagen, dass Südgeorgien zu den wichtigsten Rast- und Ruheplätzen der Buckelwale auf ihren Wanderungen zwischen Brasilien und der Antarktis zählt. Ausserdem dürfte mit dieser Zahl die Population wieder auf ihren ursprünglichen Stand vor der industriellen Walfangzeit gekommen sein.

Buckelwalgruppen wandern auf unterschiedlichen Routen zwischen den Winterquartieren und den Nahrungsgebieten im Sommer hin und her. Dabei machen sie an bestimmten Orten immer wieder Halt, um zu fressen. Südgeorgien ist ein solch wichtiger Rastplatz. Bild: Michael Wenger

Die Leiter des Projekts, Dr. Jennifer Jackson von der BAS, meint dazu: «Nach den drei Jahren der Untersuchungen, sind wir enorm glücklich darüber, dass so viele Wale wieder nach Südgeorgien kommen, um hier zu fressen. Gerade diese Insel war ein Ort extensiven Walfangs und der Robbenjagd. Es ist nun klar, dass der Schutz vor Walfang funktioniert und die Buckelwale wieder in Mengen gesehen werden, die ähnlich derjenigen vor der Zeit des Walfangs um Südgeorgien entsprechen.» Auch die riesigen Blauwale, die um Südgeorgien bis zum Kollaps gejagt worden waren, finden wohl den Weg zurück an ihre ursprünglichen Rastplätze. Während noch 2018 die Tiere zwar akustisch entdeckt worden waren, konnte nur eine Sichtung verzeichnet werden. In diesem Jahr waren es aber 55 Tiere, die insgesamt 36 Mal gesichtet wurden. Auch dies zeigt, wie wichtig die Gewässer rund um die Insel für diese immer noch seltenen Meeressäuger sind.

Das grösste Tier der Welt, der Blauwal (rechts), und sein naher Verwandter, der Finnwal (links), wurden besonders stark gejagt während des industriellen Walfangs. Denn man versprach sich natürlich besonders viel Tran von diesen Giganten. Schätzungen zufolge existieren heute noch zwischen 5’000 – 15’000 Blauwale und ca. 100’000 Finnwale weltweit. Bild: Michael Wenger

Das Projekt «Wild Water Whales», welches seit 2016 läuft hat in diesem Jahr auch die Population der Südlichen Glattwale um Südgeorgien herum genauer untersucht. Während noch 2018 regelmässige Sichtungen der stark dezimierten Tiere verzeichnet werden konnte, waren in den vergangenen beiden Jahren kaum mehr Tiere beobachtet worden. Daher versahen die Forscher zwei der gesichteten Wale mit Satelliten-gestützten Sendern, um ihre Wanderrouten und ihre anderen Fressplätze zu entdecken. Auch über die Nahrungspräferenzen der Glattwale um Südgeorgien herum ist nicht viel bekannt. Dadurch wurden auch solche Daten in diesem Jahr erhoben und werden zurzeit noch ausgewertet. Südliche Glattwale wandern auch von der Küste Argentinien bis in die antarktischen Gewässer und waren bereits früh an den Rand der Ausrottung gebracht worden. Denn die massigen Tiere sind keine schnellen Schwimmer und derart fett, dass sie nach dem Harpunieren nicht untergehen. Damit waren sie auch für die Walfänger vor dem Einsatz von Motorschiffen und Harpunenkanonen eine lukrative Beute.

Die bis zu 15 Meter langen und fast 50 Tonnen schweren Tiere sind häufig nahe der Halbinsel Valdez zu sehen, wo die Kühe ihre Kälber gebären. Häufig können sie beim Springen oder anderen auffälligen Verhalten beobachtet werden. Bild: Michael Wenger

Die Walfang-Ära auf Südgeorgien begann mit der Ankunft und dem Aufbau von Grytviken durch Kapitän Carl Larsen 1904. Zuerst konzentrierte sich die Jagd auf die küstennahen Buckelwale bis 1920. Ab dann begann für rund 25 Jahre der Fang und die Verarbeitung der grössten Meeressäuger Blau- und Finnwale. Nach dem 2. Weltkrieg, als die Populationen dieser beiden Arten kollabiert war, ging man zurück auf kleinere Arten wie den Seiwal. Doch ab den 1960er Jahren war der Fang völlig unprofitabel, die Populationen auf kleine Resten reduziert und somit kam das Ende der Walfangstationen auf Südgeorgien. Heutzutage zeugen nur noch Überreste und das Freilichtmuseum auf Grytviken von der blutigen Walfangzeit.

Walfangstationen wie Grytviken wurden nicht entfernt, sondern blieben einfach stehen, da man die Hoffnung auf eine Rückkehr hatte. Heutzutage dienen sie als Mahnmal an die blutige Walfangzeit. Bild: Michael Wenger

Das von der BAS geleitete Projekt wird neben verschiedenen universitären Forschungsgruppen auch von Happywhale unterstützt, einem sogenannten Citizen Science Projekt. Das Projekt, von Ted Cheeseman ins Leben gerufen, nutzt die unzähligen Fotos, die Touristen auf ihren Reisen von Walen machen, um diese zu identifizieren und so einen Katalog mit den Positionen zu erstellen und mehr über das Wanderverhalten der Wale herauszufinden. An dem Projekt kann jeder mitmachen, der Bilder von den Unterseiten der Fluke von Walen geschossen hat und die Position und Datum der Aufnahme noch hat.

Um Wale eindeutig identifizieren zu können, muss die Unterseite der Fluke fotografiert werden und das Datum und die geographische Position eingetragen werden. So kann die Wanderroute eines Wals genauer verfolgt werden. Bild: Michael Wenger

Quelle: British Antarctic Survey

Link zur Webseite von Happywhale:
https://happywhale.com/home

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