Gemüse-Ernte in Nunavut | Polarjournal
Dieser Schiffscontainer in Gjoa Haven ist eine neue Forschungsstation und ein Gewächshaus, das zum Anbau von Gemüse dient. Das solar- und windbetriebene Projekt heißt Naurvik, das heißt, der «wachsende Ort». (Foto: Thomas Surian)

In einem Seecontainer außerhalb von Gjoa Haven im arktischen Nunavut wachsen reifende Kirschtomaten von grün zu rot. Betty Kogvik und Susie Kununak sorgen dafür, dass diese kleinen Früchte der neuen landwirtschaftlichen Forschungsstation der Gemeinde gedeihen.  Die Wärme und das Licht das sie brauchen, kommt von Wind- und Sonnenenergie und es ist bereits die zweite Ernte.

Die Arctic Research Foundation beschreibt ihr neues Gewächshausprojekt in Gjoa Haven als die nördlichste Landwirtschafts-Anbaustelle, die mit Wind- und Solarstrom betrieben wird. (Foto: Thomas Surian)

Die beiden Frauen sind zuständig für den Betrieb der Anlage. Die Kitikmeot-Gemeinde benannte das Prokekt „Naurvik“. Das bedeutet «der wachsende Ort» in Inuinnaqtun. Die erste Ernte von Salat wuchs in etwa vier Wochen. Das Resultat wurde an die Ältesten von Gjoa Haven vergeben, die eine große Rolle als Berater für das Naurvik-Projekt gespielt haben, das von der gemeinnützigen Gruppe Arctic Research Foundation geleitet wird.

„Es war so frisch. Nicht so, wie wir es im Laden bekommen. Manchmal, wenn wir Salat in den Läden bekommen, ist er fast faul. Der Salat, den wir geerntet haben, war wirklich frisch und lecker“, sagte Kogvik. „Eine ältere Dame hat sogar vor Freude getanzt, als sie ihren Salat bekam.“

Die Setzlinge von eingetopften Kirschtomatenpflanzen gedeihen unter LED-Wachstumslichtern. Sie werden die zweite Pflanzenart sein, die in der Naurvik-Anbauanlage in Gjoa Haven geerntet werden. (Foto: Arctic Research Foundation)

Die Forschungsstation besteht aus zwei Schiffscontainern, zwei Windgeneratoren und einer Reihe von Sonnenkollektoren. Daneben steht ein Diesel-Generator zur Unterstützung, wenn Wind und Sonne knapp werden. Die Station selbst liegt auf einem Hügel in der Nähe der Bucht. Hier soll es immer viel Wind geben, meinen die Ältesten der Gemeinde. Der Ort ist in nur wenige Minuten mit dem Schneemobil von der Stadt entfernt.

Täglich überwachen die Techniker, darunter auch Kogviks Ehemann Sammy, die Station. Die derzeitige Ernte verbrauchte nur ein Viertel dessen, was die Station bewältigen könnte. Im Sommer werden wir einen Versuch laufen lassen, um Torfbeer- und Blaubeerpflanzen anzubauen. „Am Anfang war es wirklich schwierig“, sagte Kogvik. „Wir wussten nicht, was wir tun sollten, aber wir haben jetzt den Dreh raus.“

Die Kirschtomaten werden in den Containern genau beobachtet und gepflegt und können bei der Reife dann leicht geerntet werden. (Foto: Jill Macyshon, CTVNews)

Im Frühjahr will Sammy nach Taloyoak reisen, um dieser Gemeinde zu helfen, eine eigene Version der Naurvik-Anbau-Anlage zu betreiben.

„Für die Arctic Research Foundation liegt der Schwerpunkt von Naurvik auf der Verbesserung der Ernährungsunsicherheit und der Erforschung, wie Lebensmittel in abgelegenen und rauen Umgebungen am effizientesten angebaut werden können. Es ist eine mobile Mini-Forschungsstation. Wir können Einheiten hinzufügen, wenn wir expandieren wollen“, erklärt Projektleiter Adrian Schimnowski von der ARF. „Es richtet sich nach den Wünschen der Gemeinde.“ Doch das Ganze soll auch wirtschaftlich rentabel werden für die Gemeinde. Schimnowski erklärt, dass es in einem Mass laufen soll, dass die Gemeinde die Produkte auch exportieren könnte.

Gjoa Haven ist ein Ort in der Region Kitikmeot im kanadischen Territorium Nunavut, mit etwa 1.100 Einwohnern, davon sind 94% Inuit. Im Jahr 1961 lebten hier nur etwa 100 Menschen. Die Gemeinde ist eine am schnellst wachsenden Siedlung von Nunavut, da sich viele zuvor nomadisch lebende Inuit hier niederlassen.

Die Stiftung finanziert das Programm mit Hilfe von Agriculture and Agri-Food Canada, dem National Research Council of Canada und der Canadian Space Agency.

„Als ich zum ersten Mal von dem Projekt hörte, dachte ich, dass es hier niemals funktionieren würde“, wird Gjoa Haven-Ältester Peter Akkikungnaq in der Pressemitteilung zitiert. „Nicht in dieser minus-40 Grad Gegend. Jetzt weiß ich, dass alles möglich ist, wenn Sie die richtige Idee haben. Ich hatte einen Vorgeschmack auf die Vegetation. Es war frisch.“

Quelle:  CBC-NEWS

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