Ehemaliger russischer Militärflughafen soll für Tourismus geöffnet werden | Polarjournal

Als vor mehr als 20 Jahren das letzte Militärflugzeug vom Flughafen Luostari, nahe Korzunovo abhob, rechnete niemand mehr damit, dass hier jemals wieder ein Flugzeug landen würde. Der Flughafen war derjenige Russlands, der am nächsten an NATO-Gebiet angrenzte und eine Nutzung schien nicht mehr notwendig. Doch nun haben zwei Firmen Interesse angemeldet, die Infrastruktur wiederaufzubauen und den Flughafen für ihre Entwicklungspläne zu nutzen. Doch nicht für militärische Zwecke, sondern zur touristischen Aufwertung der Region Pechenga auf der Kola Halbinsel. Russland scheint es Ernst zu sein mit seinen Tourismusplänen dort.

Gemäss russischen Medien und «The Independent Barents Observer» sind die russische Gesellschaft Nornickel und die ihr unterstelle Firma Port Liinakhamari mit den Militärbehörden in Verhandlung zur Nutzung des Flughafens für zivile Zwecke. Besonders Port Liinakhamari ist daran interessiert, den Flughafen zu nutzen, denn die Firma hat grosses vor in der Region und wünscht sich zumindest eine Anbindung an das regionale Flugnetz Russlands. Mehr als 135 Millionen Euro will die Firma in die touristische Entwicklung der Grenzregion bis 2030 investieren. Dazu gehören der Ausbau des Hafens für Kreuzfahrtschiffe in Liinakhamari und eben die Eröffnung des Flughafens Korzunovo. Insgesamt sollen 500 Arbeitsplätze entstehen, gemäss den Angaben der Gesellschaften.

Die kleine Ortschaft mit knapp 400 Einwohnern gehörte bis 1944 Finnland und war der einzige Meereshafen des Landes. Die Sowiets bauten den Hafen für U-Boote aus und das Gebiet wurde unter Militärkontrolle gestellt bis heute. Bild: Fastboy – Own work, CC BY-SA 3.0

Für Nornickel ist die Entwicklung der Region Teil einer neuen Strategie nach der Schliessung der Nickelanlagen in Nikel bis Ende dieses Jahres. Dabei sollen nach den Plänen der Gesellschaft auch ein neuer Containerhafen in der Pechenga-Bucht entstehen, von wo aus der Güterverkehr eine Anbindung an die Nordostpassage erhalten soll. Sowohl dieses wie auch das Tourismusprojekt sollen neue Arbeitsplätze und neue wirtschaftliche Anreize schaffen, um den Menschen in der Region eine Zukunft zu bieten. In den nächsten drei Jahren sind dazu von Nornickel Investitionen in der Höhe von € 36 Millionen geplant. Auf zehn Jahre hinaus möchte Nornickel aber ein Mehrfaches weiter investieren. Bis zu 2 Milliarden Euro seien vertraglich zwischen dem Gouverneur der Region, Andrei Chibis, und dem Chef von Nornickel, Wladimir Potanin, festgelegt worden, hiess es aus verschiedenen Quellen.

Die Kleinstadt Nikel verdankt seine Existenz lediglich dem Nickelwerk. Doch das Werk gehört auch zu den grössten Umweltverschmutzern der Region und wird für die gesundheitlichen Probleme der Menschen in Nikel und Umgebung gemacht. Dies führte zur Schliessung des Werks bis 2020. Bild: Thomas Nilsen

Die gesamte Region Pechenga, die in den Verwaltungsbereich des Oblast Murmansk gehört, war zu Zeiten der Sowjetunion einer von zwei Regionen, die direkten Grenzkontakt mit der NATO hatten. Der Militärflughafen, offiziell Luostari genannt, ist nur 16 Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt. Nachdem 1998 die letzten Militärflugzeuge nach Severomorsk verlegt worden waren, fiel Korzunovo dem Zahn der Zeit zum Opfer. Noch leben hier etwa 250 Menschen, doch Arbeitsplätze sind Mangelware. Die meisten Einwohner arbeiteten in den Nickelwerken von Nikel oder Sapolyarny. Die Pläne von Nornickel und Port Liinakhamari werden daher mit grossem Interesse in der Region verfolgt. Wie weit und wie schnell sie umgesetzt werden, ist jedoch noch offen.

Die Gemeinde Korzunovo scheint wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Sogar die Lenin-Büste und andere Erinnerungsstücke an die Sowjetzeit sind immer noch sichtbar. Bild: Thomas Nilsen.
Die Karte zeigt die Region Pechenga, von der Grenze zu Norwegen bis Murmansk.

Quelle: Atle Staalesen, The Independent Barents Observer

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