Die Kapitan Dranitsyn nach schwerer Eisfahrt auf Hilfe angewiesen | Polarjournal
Der Versorgungseisbrecher Kapitan Dranitsyn erreichte nach langem Kampf mit dem Eis die eingefrorene Polarstern bei 88°28’ Nord, der bis dahin nördlichsten Position der MOSAiC-Mission. Niemals zuvor hat es ein Schiff mit eigenem Antrieb geschafft, zu dieser Jahreszeit so weit nach Norden vorzudringen. Foto: Ernst Stürmer/AWI

Die Kapitan Dranitsyn erreichte am 28. Februar den Standort des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern, eine lang erwartete Begegnung für die Mitglieder der Arktis-Expedition MOSAiC. An Bord des russischen Schiffes befanden sich Forscher und Besatzung, die das Team des zweiten Fahrtabschnitts ersetzt haben, das seit Mitte Dezember 2019 im arktischen Eis geforscht hat.

Zwei Tage vor der Begegnung hatte der 129 Meter lange Eisbrecher einen Weltrekord aufgestellt, als er die nördlichste Position erreichte, die jemals von einem Schiff mit Dieselmotor im Winter erreicht wurde.
Die Kapitan Dranitsyn ging 970 Meter vor der Polarstern vor Anker, vertäute auf derselben Scholle und bald darauf begann die Übergabe von Personal und 43 Tonnen Ware über das gefrorene Wasser.

Der Austausch zwischen der Polarstern und der Kapitan Dranitsyn erfolgte zu Fuß, mit Schneemobilen und großen Pistenraupen. Foto: Michael Gutsche/AWI

Die Operation ist Teil der MOSAiC-Forschungsexpedition und wird seit vielen Monaten sorgfältig vorbereitet. Aber nicht alles lief wie geplant. Der russische Eisbrecher erlebte auf seinem Weg nach Norden extreme Schwierigkeiten. Das Schiff brach am 3. Februar in Tromsø, Norwegen, auf und traf auf später im Packeis auf äußerst widrige Bedingungen. Die Eisdicke beträgt in Teilen des Gebietes bis zu 160 cm und an mehreren Stellen sind Presseishügel mehrere Meter hoch geworden.

Immer wieder musste das Schiff auf bessere Wetter- und Eisbedingungen warten, den Kurs ändern und Stellen mit extremen Eisdicken umfahren. An einigen Tagen schaffte der Eisbrecher nur 20 Meilen pro Tag – eine Strecke, die er normalerweise in ein paar Stunden durchbrechen kann, informiert Schiffseigner Rosmorport.
Nach der schwierigen Reise hat die Kapitan Dranitsyn weit mehr Treibstoff verbraucht als geplant und benötigt nun Hilfe, um wieder das russische Festland zu erreichen.

Rückkehr nach Tromsø

Nach Angaben des Alfred-Wegener-Instituts ist es der Eisbrecher Admiral Makarow, der der Kapitan Dranitsyn zu Hilfe kommen und den benötigten zusätzlichen Treibstoff bringen soll.

Die Kapitan Dranitsyn verließ am 4. März den Standort der Polarstern und nahm Kurs auf Tromsø. An Bord befinden sich nicht nur zurückkehrende Forscher und Besatzungsmitglieder, sondern auch gesammelte Forschungsmaterialien, die nun weiteren Analysen unterzogen werden sollen.
Am 4. März lag die Admiral Makarow noch in Murmansk vor Anker, wie die Positionsdaten auf der Webseite eines Ship Trackers zeigen.

Der russische Eisbrecher Admiral Makarow kommt der Kapitan Dranitsyn entgegen, um sie mit Treibstoff zu versorgen. Foto: T. Alekseeva

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kapitan Dranitsyn Eisverhältnisse erlebt, die die Grenzen ihrer Kapazitäten überschreiten. Im Winter 2018 blieb der Eisbrecher für mehrere Monate stecken, als er Waren in die ostarktische Stadt Pevek lieferte.

Landebahn auf dem Eis

Im Laufe des Jahres sollen vier Eisbrecher aus Russland, Schweden und China die Polarstern unterstützen. Unter ihnen wird der neue chinesische Eisbrecher Xue Long 2 sein. Im Frühjahr 2020 soll auf dem arktischen Eis eine Landebahn für die deutschen Forschungsflugzeuge Polar 5 und Polar 6 gebaut werden.
An Bord der Polarstern sind Pistenfahrzeuge, die kürzlich die 900 Meter lange Landebahn vorbereitet haben, die für Flugzeuge genutzt werden soll. Der nächste Wechsel von Besatzung und Crew wird nach Angaben der Expeditionsteilnehmer voraussichtlich mit Flugzeugen erfolgen.

Als leitender Wissenschaftler an Bord ist nun Professor Torsten Kanzow vom Alfred-Wegener-Institut federführend. Kanzow ist letzte Woche mit einem Hubschrauber vor Ort eingetroffen. 

Quelle:  The Barents Observer

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