MOSAiC-Flugkampagnen finden vorerst nicht statt | Polarjournal
Die Messflüge und um die MOSAiC-Expedition finden vorerst nicht statt. (Foto, AWI, Raimund Waltenberg)

Die norwegische Regierung hat am Donnerstag, den 12. März 2020 mit sofortiger Wirkung weitreichende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus verkündet. Danach müssen alle aus nicht-nordischen Ländern nach Norwegen Reisenden ohne Wohnsitz in Norwegen damit rechnen, umgehend zurückreisen zu müssen oder zu einer 14-tägigen Quarantäne verpflichtet zu werden. Aus diesem Grund und wegen der weiterhin sehr dynamischen Entwicklung der Corona-Pandemie hat sich die MOSAiC-Projektleitung am 13. März dazu entschieden, die geplanten Messflug-Kampagnen im Frühjahr ab Spitzbergen vorerst auszusetzen.

Da lief noch alles planmässig. Die «Polarstern» erreicht am 5. Oktober 2019 ein stabiles Packeisfeld.(Foto: AWI, Sebastian Grote)

Die wissenschaftlichen Messflüge zur Erforschung von Atmosphäre und Meereis waren in vier Teilkampagnen in einem Zeitraum von März bis September eingeteilt.

Ursprünglich sollten die beiden Forschungsflugzeuge «Polar 5» und «Polar 6» Spitzbergen am 11. März 2020 erreichen. Nachdem ein Teilnehmer jedoch vergangene Woche positiv auf Corona getestet worden war, musste der Kampagnenstart verschoben werden. Die für das Frühjahr geplanten Teilkampagnen können nun in Anbetracht der aktuellen Lage nicht mehr durchgeführt werden.

„Die derzeitige außergewöhnliche Situation lässt uns leider keine andere Wahl. Wir danken allen, die an den monatelangen Vorbereitungen beteiligt waren und die bis zum letzten Moment alles versucht haben, um die Flugkampagnen zu gewährleisten“, sagt Dr. Andreas Herber, Koordinator der MOSAiC-Flugkampagnen vom AWI. Man werde die Situation in den nächsten Wochen genau beobachten und Alternativlösungen prüfen, zum Beispiel eine Verlängerung der beiden für den Sommer geplanten Teilkampagnen.

Die geplanten MOSAiC-Flugkampagnen mit «Polar5» und «Polar6» finden vorerst nicht statt. (Foto: AWI, Raimund Waltenberg)

Die MOSAiC-Expedition auf dem Eisbrecher «Polarstern» geht derweil weiter. Das Schiff befindet sich zurzeit bei 87°7´ Nord und 16°59´ Ost. Die Rückkehrenden des zweiten Expeditionsabschnitts haben auf dem russischen Eisbrecher «Kapitan Dranitsyn» seit dem Ablegen von der MOSAiC-Scholle am 6. März guten Fortschritt durch das Eis gemacht. Am 14. März sind sie wie geplant mit einem weiteren russischen Eisbrecher, der «Admiral Makarov», bei 84°48´ Nord und 42°35´ Ost zusammengetroffen, um zusätzlichen Treibstoff zu bunkern.

Die beiden russischen Eisbrecher «Kapitan Dranitsyn» und «Admiral Makarov» bei 87° 08° N und 84° 48° E. (Foto: AWI, Steffen Graupner)

Auch der bisher für Anfang April geplante Crew-Austausch per Flugzeug kann nach derzeitigem Stand stattfinden. Dennoch stellen sich Projektleitung und Teilnehmer auf zusätzliche Herausforderungen bedingt durch die Pandemie ein. So ist davon auszugehen, dass die Quarantäneregelung auch im April noch gilt und die Teilnehmer entsprechend viel Zeit vor dem vierten Fahrtabschnitt einplanen müssen. Alle Teilnehmer wurden zu maximaler Vorsicht aufgerufen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Bevor sie auf das Schiff kommen, werden sie zwei Mal auf Corona getestet: einmal noch vor Abreise in der Heimat, um eine Verbreitung des Virus durch die Reisetätigkeit zu vermeiden, ein zweites Mal am Ausgangsort der Expedition, um das Risiko einer Einschleppung des Virus in die Expedition zu minimieren.  Auf der «Polarstern» steht eine Isolierstation bereit, sollte es trotz aller Maßnahmen zu einer Infektion an Bord kommen.

Die beiden russischen Eisbrecher «Kapitan Dranitsyn» und «Admiral Makarov» Bug an Bug beim bunkern von Treibstoff. (Foto: AWI, Steffen Graupner)

„Wir haben auf den Ausbruch der Pandemie sehr schnell mit einem umfangreichen Sicherheitskonzept und einem engen medizinisch-diagnostischen Raster reagiert, um die Risiken für alle Expeditionsteilnehmer so weit wie möglich zu minimieren. Die sich ausbreitende Infektionswelle ist eine immense Herausforderung für diese internationale Expedition. Mit unserem Sicherheitskonzept begegnen wir dieser Herausforderung im Moment angemessen. Niemand weiß jedoch, wie sich die Lage in den nächsten Monaten entwickeln wird und wir überprüfen und aktualisieren unser Konzept laufend. Zurzeit müssen wir auf Sicht fahren und jeweils den sinnvollsten und sichersten Weg für die aktuell anstehenden logistischen Operationen finden“, sagt der Leiter der MOSAiC-Expedition Prof. Markus Rex vom AWI. Es werde dabei eng mit den Gesundheitsbehörden der involvierten Länder zusammengearbeitet, ergänzt Rex. Die Gesundheit und Sicherheit aller Expeditionsteilnehmer haben dabei höchste Priorität.

Quelle: Awi, Bremerhaven

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