Grösster Staatsbetrieb in Grönland vor Privatisierung? | Polarjournal
Fisch ist neben den Bodenschätzen Grönlands grösstes Exportgut. Millionen Tonnen an grönländischem Fisch und Meerestieren finden den Weg auf den Weltmarkt. Royal Greenland ist dabei der grösste Arbeitgeber. Bild: Michael Wenger

Grönland besitzt ein grosses Mass an Selbstverwaltung, obwohl die Insel de facto Teil des dänischen Königreiches ist. Diese Selbstverwaltung beinhaltet vor allem auch die wirtschaftliche Kontrolle über ihr Gebiet, vor allem in den fischreichen Gebieten rund um die Insel. Die Fischerei ist auch eine der Haupteinnahmequelle Grönlands. Royal Greenland ist dabei der grösste, staatlich kontrollierte Arbeitgeber in diesem Sektor. Nun hat eine Arbeitsgruppe, initiiert von Regierungschef Kim Kielsen, eine mögliche Privatisierung des Betriebs genauer untersucht und die Vor- und Nachteile in einem Bericht veröffentlicht.

Im Bericht wird hervorgehoben, dass die Firma Royal Greenland bei einer Privatisierung einen Verkaufswert zwischen €300 – 700 Millionen aufweist und dieses Geld dann in die Kasse von Grönland fliessen würde. Dies sei aber eine erste Schätzung und ein genauerer Marktwert könne erst bei einer separaten Analyse erstellt werden. Dieser Marktwert hängt auch davon ab, ob die Regierung die Firma komplett verkaufen oder eine bestimmte Beteiligung einbehalten würde. Der Bericht führt auch auf, dass eine Privatisierung ein Vorteil für die Zukunft von Royal Greenland sein kann. «Das Unternehmen wird vom politischen System abgekoppelt, wodurch ein unvorhersehbarer Faktor beseitigt und mehr Kontinuität für das Unternehmen geschaffen wird», heisst es im Bericht. Die Autoren geben auch an, dass der Schritt auch ein positiver Aspekt für andere Unternehmen in der grönländischen Wirtschaft sein könnte, da neue Fähigkeiten und Kenntnisse durch neue oder erweiterte Eigentümer in die Firma einfliessen werden. Diese Blutauffrischung könnte zu neuen Anreizen und Ideen für die anderen grönländischen Unternehmen führen. Doch diese positiven Auswirkungen entstehen nur, wenn «die Auswirkungen der Privatisierung zu besseren Ergebnissen und damit zu höheren Dividendenzahlungen führen», warnt der Bericht.

Rund 90 Prozent des Gesamtbruttoinlandproduktes entsteht durch die Fischerei in Grönland. Dadurch erhalten die Fischer eine wichtige Einnahmequelle und profitieren gleichzeitig von den Erträgen des Staates. Bild: Michael Wenger

Eine Privatisierung macht gemäss dem Bericht durchaus Sinn, da davon ausgegangen wird, dass sich in den nächsten 5 -10 Jahren die Fischereiindustrie substantiell verändern wird. Die Experten gehen davon aus, dass sich sowohl regional wie auch global die Zahl von Zusammenschlüssen erhöhen wird, um den steigenden Kosten und fallenden Erträgen entgegenzuwirken. Royal Greenland würde sich also durch eine Privatisierung bereit machen, mit anderen Unternehmen einfacher zusammenzugehen. Das Unternehmen ist dabei auch ein interessanter Partner, denn die Firma mit ihren 2’288 Mitarbeitern kann sowohl einen Nettoumsatz von € 500 Millionen wie auch ein Eigenkapital von € 130 Millionen aufweisen. In den vergangenen zehn Jahren zeigte die Kurve steil nach oben und damit auch eine lukrative Einnahmequelle für den Staat.

An der Westküste von Grönland gehört Royal Greenland zu den grössten Arbeitgebern. Eine Privatisierung könnte durchaus auch negative Folgen für die Bevölkerung haben. Bild: Michael Wenger

Doch der Bericht schreibt nicht ein Hohelied auf die Privatisierung, sondern warnt auch vor den negativen Folgen, vor allem für die Arbeitnehmer. Denn gerade an der Westküste der Insel ist Royal Greenland einer der grössten Arbeitgeber. Eine Privatisierung könnte nach Angaben des Berichts auch zu einer grösseren Arbeitslosigkeit führen. Dies vor allem, wenn die neue Firma unrentable Geschäftsbereiche reduzieren und Arbeitsplätze von den infrastrukturell schlecht ausgestatteten Orten verlagern würde. Gerade das Thema Effizienzsteigerung auf Kosten der Arbeitnehmer wird im Bericht als grösste und wahrscheinlichste Gefahr bei einer Privatisierung angegeben. Als Gegenmassnahmen müsste dann der Staat Grönland diese sozialen Folgen abfedern. Als Alternative biete sich, gemäss dem Bericht, eine grössere Minderheitsbeteiligung am privaten Unternehmen an, um so Forderungen wie Beibehaltung der lokalen Produktion, Arbeitnehmerschutz oder Krankenversicherung stellen zu können. Doch eine solche Beteiligung würde sich wiederum in geringeren Einnahmen durch den Verkauf wiederspiegeln. In jedem Fall muss sich die Regierung von Kim Kielsen Gedanken darüber machen, welcher Aspekt für sie am Ende langfristig sinnvoller scheint.

Quelle: Sermitsiaq

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