Expeditionsschiff bringt Stationspersonal nach Hause | Polarjournal
Das sehr komfortable Expeditionsschiff Hebridean Sky fährt normalerweise mit Touristen in die antarktischen Regionen. Nun werden Forscher, Techniker und Bauarbeiter in den Genuss einer Kreuzfahrt der anderen Art kommen. Bild: Michael Wenger

In der gegenwärtigen COVID-19-Krise sind Rückreisen aus der Antarktis noch schwieriger als sonst. Viele Fluggesellschaften haben ihre Flugzeuge am Boden, Flughäfen sind geschlossen und auch Schiffe liegen in den Häfen festgemacht. Während es für Länder wie Australien und Neuseeland einfach war, ihre Leute aus der Antarktis heimzufliegen, waren europäische Länder etwas stärker gefordert. Die British Antarctic Survey hat nun einen ungewöhnlichen, aber durchaus komfortablen Weg gefunden: Sie haben ein Expeditionsschiff gechartert, das die Leute von den Falklands direkt nach Grossbritannien bringen wird.

Das Schiff, die Hebridean Sky der Betreiberfirma Noble Caledonia, liegt gegenwärtig bei Stanley und hat die ersten Passagiere an Bord. Bauarbeiter, die bei der Station Rothera die Anlegestelle für das neue Forschungs- und Versorgungsschiff RSS Sir David Attenborough gebaut hatten, Stationspersonal anderer Stationen und Wissenschaftler, die ihre Projektarbeiten beendet haben warten alle an Bord des Schiffes auf die Heimreise. Weitere Teams sind noch auf den Stationen und werden von der RSS James Clark Ross abgeholt. Das Schiff ist gerade dabei, die Stationen für den bevorstehenden Winter zu versorgen und gegebenenfalls Personal auszutauschen. Es wird davon ausgegangen, dass insgesamt 90 Personen die Reise an Bord des Schiffes antreten werden.

Von Port Stanley aus werden normalerweise auch die Stationen in der Antarktis versorgt, meist mit Schiffen, aber hin und wieder auch via Flugzeug. Stanley ist auch der Hauptbesuchsort der Touristen auf den Falklandinseln. Bild: Michael Wenger

Die Situation ist ausserordentlich und auch die Leiterin der British Antarctic Survey, Dame Professor Jane Francis meint, dass die Pandemie und die Lockdowns die BAS vor grosse Probleme gestellt hatte. «Normalerweise verlassen rund 100 Personen Antarktika am Ende der Saison. Sie kommen mit Schiffen oder per Flugzeug zu den Falklandinseln, von wo aus sie einen Flug nach Brize Norton nehmen oder nach Südamerika rüberfliegen, um von dort aus einen normalen Flug nach Hause zu nehmen. Doch in den letzten Wochen hat die COVID-19 Pandemie alles verändert und eine riesige Herausforderung für unsere Logistik- und Operationsteams gebildet. Ich bin sehr froh, dass wir unsere Leute in den nächsten Wochen nach Hause bringen können und ich bin Noble Caledonia sehr dankbar, dass sie uns ihr Schiff zur Verfügung stellen.»

Die Leiterin, Dame Professor Jane Francis, steht dem BAS seit 2018 vor. Vor ihrer Position in der BAS war sie Professorin für Paläoklimatologie an der Universität Leeds. Sie ist Trägerin der renommierten Polar Medal und seit 2017 Dame Commander des Ordens von St. Michael und St. Georg. Bild: WMO

Die Falklandinseln hatten vor Wochen den Lockdown beschlossen und daher nur noch Versorgungsflüge erlaubt. Auch Passagierschiffe dürfen bereits seit Mitte März den Hafen von Stanley nicht mehr anlaufen aufgrund der COVID-19-Krise. Die Falklandinseln sind durch ihre Lage besonders gefährdet, die medizinische Infrastruktur ist auf grössere Epidemien nicht ausgerichtet. Man hatte daher schnell Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen. Trotzdem sind gegenwärtig fünf Menschen an COVID-19 erkrankt, gemäss den Behörden. Daher werden alle BAS-Mitarbeiter und Bauarbeiter auf dem Schiff von der Bevölkerung abgeschirmt. Wann das Schiff losfahren wird, steht noch nicht fest.

Quelle: British Antarctic Survey

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