Eisbärensuche mit Hilfe von Drohnen auf Wrangel Island | Polarjournal
Eisbärenweibchen bauen Schneehöhlen an Berghängen und auf dem Packeis rund um die Wrangelinsel und bringen dort ihre Jungen zur Welt. Bild: WWF Russland

Um den König der Arktis, den Eisbärten zu schützen, muss man zumindest wissen, wieviele der mächtigen Tiere es noch in den verschiedenen Regionen gibt. Aber Eisbären zu zählen ist nicht nur eine gefährliche Arbeit, sondern auch sehr mühselig und fehlerbehaftet. Russische Nationalparkmitarbeiter haben nach Angaben des WWF Russia, nun einen neuen Weg gefunden, die Tiere in den Weiten der Wrangel Insel aufzuspüren: Mit Hilfe von Wärmebilderkameras an Drohnen.

Das vom WWF Russland unterstützte Projekt soll helfen, die Schutzmassnahmen für Eisbären in Russland zu verbessern. Die an den Drohnen befestigten Wärmebildkameras lieferten den Mitarbeitern Aufnahmen von den Schneehöhlen, die von Eisbärenweibchen gegraben werden. Dabei nutzt die Technik einen einfachen Effekt: der Schnee aus einer Höhle hat eine andere Wärmesignatur als die Umgebung und die Wärmeabstrahlung der Höhle ist höher als die des umgebenden Schnees. Dadurch konnten die Höhlen auf dem Kontrollbildschirm genau ausgemacht werden und dann mit Hochleistungskameras fotografiert werden. Das GPS-System lieferte zusätzlich die genaue Position der Höhle, so dass eine detaillierte Karte erstellt werden kann.

Die Eisbährenhöhle (Bildmitte) ist normalerweise bei schlechten Lichtverhältnissen und aus der Distanz kaum sichtbar. Mithilfe der Wärmebildkamera konnte die Höhle erkannt werden (rechts) und dass sie bewohnt war (links). Bilder: WWF Russland

Zwei Vierer-Teams hatten sich zum Testen der Systeme mit jeweils einer Drohne mit Hochleistungskamera und einer mit Wärmebildkamera in verschiedene Regionen der Wrangel-Insel begeben. Eine der Gruppen fand dann auch eine Höhle, wussten jedoch nicht, ob sie auch bewohnt war. Die eingesetzten Drohnen konnten aber diese Frage schnell beantworten. Eine Eisbärin mit zwei Jungen wurde entdeckt und konnte in aller Ruhe von der Kamera gefilmt werden, ohne dass sie sich durch die Drohnen gestört gefühlt hätten. Damit konnten die Forscher zeigen, dass Untersuchungen von Eisbärenhöhlen mit Hilfe von Drohnen funktionieren. Der Leiter der Abteilung für Ökotourismusentwicklung im Wrangel Nationalpark, Leonid Zaika, erklärt: «Das Bildmaterial ist von grosser wissenschaftlicher Bedeutung. Damit können Spezialisten das Alter und den Zustand der Tiere bestimmen. Noch viel wichtiger ist aber die Erkenntnis, dass die Nutzung von Drohnen die Beobachtung von Eisbären sicherer macht und die Suche und die Untersuchungen von Höhlen und Tieren vereinfacht.»

Die von Russia Insight gezeigten Aufnahmen stammen direkt von den Forschern und zeigen, wie die Eisbärin vorsichtig aus der Höhle blickt, als sie von der Drohne aufgenommen wird. Video: Russia Insight / WWF Russia

Zwar war der Test zur Beobachtung der Eisbärenhöhle erfolgreich. Doch das Aufspüren von Eisbärenhöhlen mithilfe der Drohnen in einem weiteren Umkreis wurde durch schlechte Wetterbedingungen und sehr tiefe Temperaturen bis -25°C abgebrochen. Vor allem der starke Wind in Verbindung mit den tiefen Temperaturen verunmöglichte eine sichere Nutzung der Drohnen. «Leider konnten wir die Methode nicht bis zum Ende durchtesten aufgrund der Wetterbedingungen und auch wegen einem engen Zeitplan», meint Leonid Zaika. «Die gewonnen Erfahrungen und die begangenen Fehler, die bei der Implementierung einer neuen Methode immer passieren, helfen uns, die nächstes Jahr geplante Zählung vorzubereiten.» Die Idee, Eisbären mit Hilfe von Wärmebildkameras, vor allem mit Satelliten, aufzuspüren ist nicht unbedingt neu. Doch eine Studie, die letztes Jahr veröffentlicht worden war, kam zum Schluss, dass die gegenwärtigen Auflösungen der Kameras nicht genügen hoch waren, um die Tiere auf dem Meereis oder zwischen Felsen und unter dem Schnee zu entdecken.

Eisbärenmütter, die auf Wrangel die idealen Bedingungen für ihre Jungen vorfinden, sind sehr vorsichtig und gehen allen potentiellen Gefahren aus dem Weg. Bald nach dem Verlassen der Höhle gehen sie aufs Packeis zur Robbenjagd. Bild: Michael Wenger

Mit der neuen Methode könnte die Nationalparkverwaltung auch eine wichtige Datenlücke füllen. Zwar gilt Wrangel Island als die «Hauptstadt der Eisbären», doch verlässliche Zahlen zur Populationsgrösse sind nicht verfügbar. Bisherige Zählungen waren mit einer relativ grossen Unsicherheit behaftet. Eisbären auf Wrangel sind auch schwierig zu entdecken, da die Eisbärenhöhlen häufig weit oben an den Hängen der Berge liegen und schwer zu erkennen sind. Ausserdem sind die Tiere verhältnismässig scheu und ziehen einen Rückzug einer Konfrontation häufig vor. Mit der neuen Methode können die Schutzbemühungen der Parkverwaltung auf jeden Fall verbessert werden.

Quelle: WWF Russia

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