COVID-19 auf Novatek-Baustelle ausser Kontrolle? | Polarjournal
Das russische Ministerium für Notsituationen hat in der Nähe der Baustelle von Novatek nördlich von Murmansk ein mobiles Krankenhaus im Zeltstyle eingerichtet. (Foto: gov-murman.ru)

Dramatischer Anstieg mit 192 neuen Fällen, die am Freitag 25. April bestätigt wurden, und weiteren 105 am Samstag auf der Novatek-Baustelle nördlich von Murmansk, wodurch die Zahl der vom Coronavirus infizierten Arbeiter auf 791 stieg. Zwei Wochen nach der Veröffentlichung der ersten Coronavirus-Fälle in Belokamenka scheint die Situation nun außer Kontrolle zu sein.

In Belokamenka baut Russlands größtes privates Erdgasunternehmen Novatek, die Kola Yard-Versorgungsbasis auf, um das bevorstehende Arctic LNG-2-Projekt in der Ob Bay in Sibirien zu unterstützen. (Foto: Novatek-Murmansk)

Mit dem starken Anstieg am Freitag und Samstag gibt es jetzt 961 bestätigte Coronavirus-Fälle im Landkreis Murmansk, von denen mehr als vier Fünftel in Belokamenka liegen. Fraglich ist, warum die Bauarbeiten nicht eingestellt wurden, nachdem die ersten 4 positiven Tests in Belokamenka am 9. April in der Öffentlichkeit bestätigt wurden.

Violetta Grudina von der Murmansk-Selbsthilfegruppe der Anti-Korruptions-Aktivistin Alexei Navalny hat mehrere Video-Blogs veröffentlicht, die zeigen, wie soziale Distanzierungsempfehlungen auf der Baustelle von Novatek vernachlässigt werden. Sie sagt, dass bis zu 11.000 Arbeiter in Gefahr sind.

Novatek hat auf Fragen des Barents Observer nicht geantwortet, warum keine weiteren Schutzmaßnahmen ergriffen werden und warum die Baustelle nicht früher eingestellt wurde.

Belokamenka befindet sich auf der Westseite der Kola-Bucht mit dem Hauptquartier der russischen Nordflotte in Seweromorsk im Norden und dem Marinehof Nr. 82 in Roslyakova auf der anderen Seite der Bucht. Der Flughafen der Nordflotte ist am Horizont zu sehen. (Foto: Barents Observer / Google Earth)

Teilweise Evakuierung

Die überwiegende Mehrheit sind Fly-In- und Fly-Out-Mitarbeiter, von denen viele Ausländer aus China, der Türkei und den zentralasiatischen Republiken sind.

Velesstroy, eine auf der Baustelle in Belokamenka tätige Firm, kündigte diese Woche an, die Arbeiten teilweise einzustellen. Das Unternehmen versucht nun, die Mitarbeiter neu zu gruppieren und sie an anderen Orten als in der Kaserne in Belokamenka in 14-tägige Isolation zu schicken. Der Schritt betrifft nur diejenigen, die nicht positiv auf das Coronavirus getestet wurden, schreibt Velesstroy in einer Erklärung. „Die Personen, die in die Isolation gehen, werden in Hotels, Rasthäuser und Pensionen in verschiedenen Regionen Russlands geschickt“, heißt es weiter.

Vom Flughafen Murmansk brachte ein Charter der Ural Airlines 200 Schichtarbeiter von der Baustelle in Belokamenka nach Samara. (Foto: mmk.news)

Die Regionale Online-Nachrichtenplattform mmk.news, bekannt für die Überwachung des Flugverkehrs von und nach Murmansk, hat über einen Ural Airlines Airbus-321 mit 220 Sitzplätzen berichten, die am Montag in Murmansk ankam, um Velesstroy-Arbeiter aus Belokamenka abzuholen. Bei den evakuierten Arbeitern handelt es sich um Bürger Kirgisistans, Tadschikistans und Usbekistans. Der Rückflug aus Murmansk verzögerte sich jedoch, da das Flugziel von Moskau nach Samara wechselte. Kurz vor dem Abflug ergaben wiederholte Tests eine große Anzahl von Infizierten unter den etwa 200 Passagieren.

Dieses Feldkrankenhaus im Zeltstyle wird vom Ministerium für Notsituationen eingerichtet. (Foto: gov-murman.ru)

Krankenhaus im Zeltstyle

Am Sonntag vergangener Woche landeten zwei riesige Frachtflugzeuge des russischen Notfallministeriums in Murmansk, beladen mit einem Feldkrankenhaus, das in Rekordgeschwindigkeit in der Nähe des Dorfes Mezhurechye in Lavna unweit von Belokamenka errichtet wurde. Mit dem Krankenhaus folgen 130 Spezialisten, darunter auch Ärzte. Das Feldkrankenhaus verfügt über 10 mechanische Beatmungsgeräte, ein Röntgengerät und andere notwendige Geräte.

Die russischen Bundesbehörden bestätigten am 28. April total 87’147 infizierte Personen.

Bisher sind in Russland 794 Menschen an dem Coronavirus gestorben. Vom Virus wieder erholt haben sich 7’346 Personen.

Quelle: Barents Observer

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