Spitzbergen sehnt sich nach Öffnung für den Tourismus | Polarjournal

UPDATE: TERMINANGABE WIRD VERSCHOBEN! Wie wir von Svalbardposten erfahren haben, ist die auf heute geplante Bekanntgabe eines Öffnungstermins für den Tourismus in Svalbard verschoben worden. Grund dafür sei, dass die Regierung noch abwarten möchte, was den Privatreiseverkehr anbelangt und man bis zum 15. Mai einen Massnahmenkatalog für private Reisen ausarbeiten möchte. Dieser Katalog soll in Zusammenarbeit zwischen dem Gesundheitsministerium und dem nationalen Institut für öffentliche Gesundheit erstellt werden. Die Wirtschaftsministerin Iselin Nybø will dann in einer Pressekonferenz die Massnahmen vorlegen. Der Tourismus-Ausschuss in Longyearbyen ist entsprechend enttäuscht, dass schon wieder kein Datum vorliegt. Ronny Strømnes, der Leiter des Ausschuss meint auch, dass er zwar verstehe, dass die Ministerien mit der gegenwärtigen Lage sehr viel Arbeit haben. Trotzdem sei man sehr enttäuscht über die Entscheidung, erst im Laufe der Woche mehr zu erfahren. Der Ausschuss hofft immer noch, dass man ab dem 1. Juni mit dem Tourismus beginnen könne und erste Buchung entgegennehmen kann.

Die Geschäfte und Tourismus-Unternehmen leiden sehr unter dem Corona-bedingten Lockdown und hoffen nun auf eine baldige Öffnung Spitzbergens für Touristen. Foto: Julia Hager

Seit Beginn der Corona-Krise in Europa ist auch Spitzbergen für reisende Nicht-Norweger unerreichbar. Die Tourismusunternehmen und die Läden in Longyearbyen trifft die Krise besonders hart, da die Saison sehr kurz ist und die Beschäftigten keinerlei andere Einnahmequellen haben. Branchenvertreter sind zunehmend verzweifelt und drängen darauf, möglichst bald ein Datum festzulegen, ab dem sie in die Saison starten können.

Voraussichtlich bis mindestens 18. Mai ist es nur norwegischen Touristen erlaubt, nach Svalbard zu reisen und auch nur dann, wenn sie sich auf eigene Kosten in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Doch unter diesen Auflagen bleiben verständlicherweise auch die Norweger fern während sie auf dem Festland bereits wieder Reisen innerhalb des Landes unternehmen dürfen.

Erstaunlicherweise ist Spitzbergen von Corona verschont geblieben. Bis heute gibt es keine bestätigte Infektion mit dem Coronavirus in Longyearbyen.

Deshalb fordern die Unternehmen auf Spitzbergen von der Gouverneurin Kjerstin Askholt ein konkretes Datum festzulegen, ab dem sie wieder Touristen ohne Quarantäne empfangen dürfen. 

Brita Knudsen Dahl ist Eigentümerin von Basecamp Explorer Spitzbergen und verzweifelt über die Situation: „Wir hören vom Gouverneur von Svalbard, dass sie den Termin verschieben. Gegenwärtig ist das Datum für die Neubewertung der Quarantäne auf den 18. Mai festgelegt. Wir wissen jedoch nicht, was passieren wird und alles, was wir brauchen, ist ein Datum, so dass wir mit der Planung und Buchung von Gästen für die Sommersaison beginnen können.”

Sie wäre schon mit 50 – 70 Prozent Auslastung durch norwegische Touristen zufrieden. Doch um diese Zahl zu erreichen, muss der Tourismus jetzt damit beginnen, Buchungen entgegenzunehmen. Stattdessen stehen die Unternehmen von Spitzbergen im Abseits und sehen zu, wie Norweger ihren Urlaub an der Westküste oder in Nordnorwegen buchen, ohne dass Spitzbergen daran teilhaben kann.

Die Sorgen und Forderungen sind von der Gouverneurin erhört worden und es wurde ein separater Ausschuss eingerichtet, der sich speziell um die schrittweise Öffnung von Aktivitäten und Geschäften auf Spitzbergen bemüht. Der Ausschuss ist breit zusammengesetzt und besteht aus Mitgliedern des Gouverneurs, des Longyearbyen Community Council, des Krankenhauses in Longyearbyen, von Visit Svalbard, der Svalbard Business Association, Avinor Svalbard und der AECO (Association of Arctic Expedition Cruise Operators).

Ronny Strømnes, der Vorsitzende des offiziellen Fremdenverkehrsamtes Visit Svalbard, treibt die Bemühungen voran, möglichst bis kommenden Montag ein Datum für die Öffnung Spitzbergens für Touristen festzulegen. Foto: Auden Bardseth

Der Ausschuss hatte seine erste Sitzung am Mittwoch dieser Woche. Die verschiedenen Unternehmen und Akteure der Tourismusindustrie auf Spitzbergen werden nun gemeinsam einen Entwurf für einen allgemeinen Leitfaden erarbeiten. Visit Svalbard koordiniert diese Arbeit, die in vollem Gange ist. Der Input soll bei den zentralen Behörden verankert werden. Bei der ersten Sitzung waren auch das Ministerium für Justiz und öffentliche Sicherheit sowie das Ministerium für Gesundheit und Pflegedienste vertreten.

Am Mittwoch hatte die Gouverneurin auch ein Treffen mit Visit Svalbard und Mitgliedern der Tourismusorganisation über die aktuelle Situation und die Pläne, dem Tourismus auf Spitzbergen die Möglichkeit zu geben, nach detaillierteren Regeln und Richtlinien wieder zu öffnen.
“Wir haben uns sehr bemüht, ein Datum festzulegen und werden dies hoffentlich am Montag tun können. Wir haben diese Woche viele Treffen gehabt, sowohl mit dem Arzt für Infektionskontrolle, dem Gouverneur als auch mit dem gesamten Ausschuss”, sagt Ronny Strømnes, der Vorsitzende von Visit Svalbard, das für die Koordination der Arbeiten verantwortlich ist. Strømnes ist mit dem Fortschritt sehr zufrieden. “Es war eine sehr produktive Woche für die Arbeitsgruppe und wir sind auf einem guten Weg mit einem Industriestandard in Bezug auf das Infektionsmanagement für den  Tourismus. Das Ministerium für Gesundheits- und Pflegedienste und das Ministerium für Justiz und Notfallmanagement sehen den Ernst der Situation jetzt viel klarer und zeigen Verständnis dafür, dass sich die Tourismusbranche auf ein Datum beziehen können muss.”

“Wir denken über eine schrittweise, geregelte Aufhebung der Quarantänebestimmungen  für Unternehmen und Aktivitäten nach. Für Touristen und andere, die nicht auf Spitzbergen leben, wird sie jedoch so lange gelten, bis die Tourismusindustrie die allgemeine lokale Richtlinie eingeführt hat und die einzelnen Unternehmen konkrete Pläne haben, wie sie infektionssicher arbeiten können”, sagt die Gouverneurin von Svalbard. Wir hoffen auf ein konkretes Datum hierfür, damit die Menschen die Möglichkeit haben, Reisen vom norwegischen Festland nach Svalbard zu buchen. In jedem Falle handelt es sich jetzt nicht um eine vollständige Öffnung, sondern um ein reduziertes Angebot, verglichen mit früheren Zeiten.

Knut Selmer, Chefarzt der Infektionskontrolle, sieht keinen Grund für die Verlängerung der Quarantäne über den 18. Mai hinaus. Foto: Auden Bardseth

Die Regierung von Norwegen evaluiert laufend Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie und legt gleichzeitig Prioritäten fest, wann Unternehmen schrittweise wieder geöffnet werden und Outdoor-Aktivitäten starten können. Voraussetzung dafür ist, dass die Infektionssituation noch unter Kontrolle ist und die Bedingungen ansonsten gegeben sind. Unternehmen und Verantwortliche müssen daher planen, wie sie die Maßnahmen zur Infektionskontrolle einhalten können, um die Ausbreitung der Infektion in Zukunft gering zu halten. Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass die schrittweise Öffnung die Kapazität des Gesundheitswesens nicht in Frage stellt.

Im Falle eines Infektionsausbruchs auf Spitzbergen wird der Arzt für Infektionskontrolle im Krankenhaus von Longyearbyen in Zusammenarbeit mit dem Gouverneur und dem Gemeinderat von Longyearbyen kontinuierlich die Notwendigkeit einer Verschärfung der Maßnahmen beurteilen.

Der Hauptgrund, warum die Gouverneurin die Quarantänebestimmungen für alle Reisenden nach Svalbard, einschließlich der Einwohner, verabschiedet hat, ist die anfällige und begrenzte Gesundheitsvorsorge in Svalbard. Dazu wurde in Zusammenarbeit mit den zentralen Gesundheitsbehörden viel Arbeit geleistet. Wir sind dabei, einen Notfallplan und ein System einzurichten, das mit einer Situation umgehen kann, in der es zu einer Ausbreitung der Infektion mit dem Coronavirus auf der Insel kommt.

“Ich habe großes Verständnis für die Tourismusunternehmen und ihre Mitarbeiter, die sich in einer sehr schwierigen Situation befinden, aber unser Hauptaugenmerk war und wird auch weiterhin darauf gerichtet sein, dass Leben und Gesundheit an erster Stelle stehen”, so Askholt.

Die Tourismus-Unternehmen in Spitzbergen hoffen, dass sie möglichst bald wieder Touristen zu den Schönheiten des Archipels mitnehmen dürfen. Foto: Julia Hager

Laut Knut Selmer, dem Chefarzt der Infektionskontrolle von Svalbard, sind die Kriterien für die Wiedereröffnung Svalbards erfüllt und er sieht keinen Grund, die Quarantäne nach dem 18. Mai aufrechtzuerhalten.

Wenn die Öffnung hoffentlich bald stattfinden wird, soll sie wahrscheinlich in 3 Schritten erfolgen: Zuerst eine Aufhebung der Quarantäneauflagen für Einwohner, dann für Touristen vom Festland und schließlich für internationale Gäste.

Quellen: Svalbardposten, Governor of Svalbard, High North News

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