Neue Antarktiskarte zeigt verborgene Geheimnisse | Polarjournal
Die neueste interaktive Karte kann nicht nur die Oberfläche Antarktikas darstellen, sondern zeigt auch, was unter dem Eis liegt: Ein versunkener Kontinent voller Täler, Berge und weiten Ebenen. Bild Antarctic Digital Database

Karten von Antarktika und den subantarktischen Inseln sind viele im Umlauf. Doch nur wenige zeigen die genauen Küstenverläufe, die Eisfronten oder Höhenlinien der Gletscher an. Die Antarctic Digital Database (ADD), die von der British Antarctic Survey (BAS) betrieben wird, sammelt die vorhandenen Daten zusammen und erstellt daraus verschiedene Karten online. Dahinter steht die das Wissenschaftskomitee für Antarktisforschung SCAR, die damit auch die Veränderungen, die in der Antarktis geschehen, sichtbar machen will. Nun hat die BAS neue Daten hinzugefügt und daraus aktuelle Karten für die Antarktis erstellt.

Die neuesten Besonderheiten der Karte sind neben aktualisierten Gletscherlinien auch eine neue Insel vor dem Thwaites-Gletscher und ein detaillierter Küstenverlauf der subantarktischen Südorkney-Inseln. Ausserdem haben die Entwickler weitere Schichten dazugeschaltet, die nun auch einen Blick unter den Eispanzer des antarktischen Kontinents erlauben. Die Karte zeigt dabei, wie viele Bereiche des Kontinents gegenwärtig unter dem Meeresspiegel liegen, in die Erdkruste gedrückt durch das Gewicht des Eises. Auch die verschiedenen Bergketten an den Rändern Antarktikas können nun auf der Karte ein- und ausgeschaltet werden. Auch der Datenkatalog wurde überarbeitet und auf die kompletten Metadaten können in verschiedenen Formaten zugegriffen werden. «Es war schon sehr aufregend, am neuesten Update der Datenbank zu arbeiten», erklärt Laura Gerrish von der BAS. «Die neue Version ist eine grundlegende Änderung in der Art und Weise, wie die Daten dargestellt werden, sodass Benutzer leichter als je zuvor auf die Daten zugreifen und mit ihnen arbeiten können.»

Das Thwaites-Gletschergebiet wird zurzeit besonders stark untersucht, da mit einem Kollaps des Eisschelfs eine ungebremste Kettenreaktion in Gang gesetzt werden könnte. Video: PolarJournal

Ein besonderes Augenmerk hat die Region des Thwaites-Gletschers erhalten. Hier haben verschiedene Forschungsteams in den vergangenen Monaten ihre Arbeiten verstärkt. Denn der Gletscher und sein Einzugsgebiet, das grösste in der Westantarktis, bilden einen grossen Beitrag am Anstieg des Meeresspiegels der vergangenen Jahre. Die Forscher befürchten, dass bei einem Kollaps des Eisschelfes, das wie ein Korken die Eismassen dahinter zurückhält, eine nicht mehr zu stoppende Kettenreaktion in Gang gesetzt wird. Denn die wärmeren Tiefenwasser, die das Eisschelf von unten her abschmelzen, könnten dann tief ins Inland Antarktikas fliessen und so für eine Drainage des westantarktischen Eisschildes sorgen. Die neue Karte zeigt, dass unter dem Einzugsgebiet des Thwaites-Gletschers nur Wasser liegt, keine Landbarriere. Dafür hat das sich zurückziehende Eisschelf eine neue kleine Insel ans Tageslicht gebracht, die nun auf den Karten verzeichnet ist: Sif Island.

Die Südorkneys liegen etwa auf halbem Weg zwischen Südgeorgien und der antarktischen Halbinsel. Die am längsten laufende Station, Base Orcadas, liegt auf einer der Inseln, deren Küstenlinien jetzt exakter dargestellt werden. Bild: Michael Wenger

Auch ausserhalb des antarktischen Kontinents werden Daten gesammelt und die Karten aktualisiert. Mit dem neusten Update wurden Küstenverläufe der Südorkney-Inseln detaillierter gezeichnet und die Höhenverläufe der Inseln eingetragen. Die Inseln sind schwer zu kartografieren, da sie häufig unter Wolkendecken liegen und von den Satelliten nicht erfasst werden können. Ausserdem stranden hier zahlreiche Eisberge auf ihrem Lebensweg rund um die Antarktis und das Packeis kann lange liegen bleiben. Dies macht das Erreichen per Schiff zu einer Herausforderung.

Die Daten für die Karten werden aus verschiedenen Forschungsprogrammen zusammengetragen und in einer für alle verfügbaren Datenbank gespeichert. Daraus entstehen dann solche digitalen Karten. Bild: ADD

Die Antarctic Digital Database existiert bereits seit 25 Jahren und hat in diesem Zeitraum wichtige Veränderungen wie das Auseinanderbrechen der Larsen-Eisschelfe, die grossen Eisberge und die neuen Inseln und Ecken dokumentiert. Alle sechs Monate werden die Daten erneuert und stehen allen interessierten Leuten zur Verfügung. Für die Kartenerstellung ist die Kartographie-Abteilung der British Antarctic Survey zuständig.

Quelle: British Antarctic Survey / Antarctic Digital Database

Link zu Antractic Digital Database:

https://www.add.scar.org/

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