Svalbard öffnet ab 1. Juni langsam seine Türen | Polarjournal

UPDATE 16.05.20 14.30 : In einer Pressemitteilung aus dem Büro der Premieministerin Erna Solberg steht, dass der gegenwärtige Status von Norwegens Grenzen bis zum 20. August beibehalten werden wird. Das bedeutet, dass die gegenwärtige Einreisesperre für nicht-essentielle Reisende beibehalten wird bis zu den verschiedenen Daten (15. Juni für Touristen aus Nordischen Ländern; 20. Juli für Touristen aus bestimmten europäischen Ländern). Anpassungen und Ausnahmeregelungen werden den Situationen entsprechend angepasst.

UPDATE 16.05.20 9.15 : Gemäss einer Pressekonferenz der Justiz- und Notfallsministerin Monica Maeland sind weitere Öffnungsschritte für Svalbard wie folgt geplant:
Dienstreisen nach Svalbard aus nordischen Ländern dürfen ab dem 1. Juni unternommen werden
Touristen aus nordischen Ländern dürfen ab dem 15. Juni wieder Svalbard besuchen, ohne Quarantänevorschriften
– Touristen aus EINIGEN anderen europäischen Ländern KÖNNTEN ab dem 20. Juli wieder nach Svalbard reisen
– Mehrtägige Kreuzfahrten sind noch NICHT geplant

Der Tourismus ist nach dem Zusammenbruch der Kohleindustrie auf Svalbard der grösste Einkommensbereich. Tausende von Touristen besuchen den Archipel hauptsächlich von März bis Oktober. Bild: Michael Wenger

Svalbard wurde seit Mitte März von der Aussenwelt praktisch abgeschnitten, um einen Ausbruch der Lungenkrankheit COVID-19 zu verhindern. Die Massnahmen griffen, doch wirtschaftlich trieb dies viele Firmen an den Rand des Ruins. Als die ersten Länder wieder Lockerungen starteten, wurden auch die Stimmen in Longyearbyen nach einer Öffnung laut. Lange schwieg Oslo zu dem Thema. Doch nun hat die Regierung bekanntgegeben, dass ab dem 1. Juni wieder Touristen nach Svalbard reisen dürfen. Doch ein Problem bleibt: Es gilt nur für einheimische Gäste, Ausländer müssen weiterhin warten.

An der Pressekonferenz, die schon Anfang Woche von der Regierung in Aussicht gestellt worden war, wurden die guten Neuigkeiten für die Geschäftsleute in Longyearbyen endlich vorgestellt. Vom 1. Juni an dürfen wieder norwegische Touristen nach Svalbard einreisen, die 10-tägige Quarantäne, die bisher für Ankömmlinge vom Festland Pflicht war, wird ab heute Abend 18 Uhr aufgehoben. Der Geschäftsführer von Visit Svalbard, Ronny Strømnes, ist sehr erfreut über die Nachrichten. «Es gibt keine exotischere Destination in Norwegen als Svalbard. Wir freuen uns, Gäste im wunderschönen Polarsommer begrüssen zu dürfen», sagt er in einer Pressemitteilung von Visit Svalbard.

Die Einwohner von Longyearbyen waren seit Mitte März unter sich, da alle ankommenden Besucher in eine 10-tägige Quarantäne mussten. Die Massnahmen halfen, dass Svalbard als einer der wenigen Orte auf der Welt Virus-frei geblieben ist. Bild: Michael Wenger

Doch die erfreuliche Nachricht hat auch einen Haken: Es sind zurzeit nur inländische Touristen auf dem Archipel erlaubt, ausländische Gäste müssen weiterhin draussen bleiben. Auch der Kreuzfahrttourismus ist noch nicht erlaubt in Longyearbyen. Aus Regierungskreisen hiess es, dass man in den langfristigen Plänen auch eine Obergrenze an Besuchern auf Svalbard erwägt. «Natürlich hätten wir uns in diesem Sommer wieder volle Häuser gewünscht», sagt Ronny Strømnes weiter. « Doch das ist halt jetzt nicht möglich. Für uns als Tourismusbetriebe ist es wichtig, dass Svalbard ein sicherer Ort zum Leben und zum Besuchen bleibt. Deswegen müssen wir strengen Infektionskontrollregeln folgen, bis die COVID-19-Situation vorbei ist.» Longyearbyen war aufgrund der strengen Lockdown-Massnahmen frei von Infektionen mit der Lungenkrankheit. Und alle möchten, dass dies auch so bleibt. Deswegen wurde in Zusammenarbeit mit allen lokalen Interessenvertreter ein Katalog zur Infektionsprävention erstellt, der eine der Bedingungen zur Wiedereröffnung des Tourismus war. Verstärkte Reinigungs- und Hygienemassnahmen, individueller Frühstücksservice in Hotels, und Kontaktlisten zur Nachverfolgung sind einige Punkte im Katalog.

Neben den verschiedenen Hotels, Shops und Restaurants sind auch die Guides, Hundebesitzer und andere Tourismus-abhängige Betriebe von den Präventionsmassnahmen betroffen. Wie genau diese individuell umgesetzt werden sollen, ist noch offen. Bild: Michael Wenger

Für die Hotels, Geschäfte und Restaurants sind die Nachrichten trotz der Einschränkungen gut. Doch für Guides und Touranbieter stellen sich immer noch viele Fragen. Denn zum einen fehlen die wichtigen ausländischen Gäste, aber auch die Expeditionsschiffe. «Die Notfallversorgung und die lange Evakuierungszeit in Svalbard bringen einige Einschränkungen mit sich. Mehrtägige Küstenkreuzfahrten bergen einige besondere Herausforderungen», heisst es an der Pressekonferenz. «Dies bedeutet, dass wir einige Zeit brauchen werden, bis es für eine solche Aktivität geöffnet werden kann.» Diese Worte bedeuten, dass die Zahl der notwendigen Arbeitskräfte wahrscheinlich geringer sein wird als normal. Viele Geschäfte und Firmen haben bereits ihre Angestellten ganz oder temporär entlassen. Für einige von ihnen bedeutet dies nun eine Rückkehr in ihre Heimat. Für solche Personen, die aus Drittländern stammen (Nicht-EU und Nicht-EFTA), erwägt die Regierung in Oslo eine finanzielle Unterstützung für die Rückkehr in ihr Heimatland. Diese Personen haben nach norwegischem Recht kein Anrecht auf Arbeitslosenunterstützung. Die bisherige Hilfe, die im Zuge der Pandemie und des Lockdowns aus Oslo kam, endet am 20. Juni.

Ein strahlender Geschäftsführer von Visit Svalbard hofft, dass zumindest noch ein Teil der Ausfälle ab dem 1. Juni kompensiert werden können. Bild: Privatbild Ronny Stromnes

Wie auch immer die Touristensaison verlaufen wird, sie wird auf jeden Fall anders sein als sonst. Ronny Strømnes und viele der Tourismusbetriebe hoffen, dass nun viele Einheimische den Archipel besuchen werden und so der finanzielle Ausfall der letzten Monate noch etwas gemildert werden kann. Die Erreichbarkeit ist gegeben, Flüge nach Longyearbyen ab Oslo und Tromsø gehen an sechs Tagen in der Woche. «Svalbard ist ein Reiseziel mit endlosen Wildnisgebieten, in denen man sich als Mensch in einer herrlichen Landschaft ganz klein fühlt. Vielleicht erkennen die Touristen aus Norwegen dies in diesem Sommer noch besser, da sie die ersten und einzigen Touristen sein werden, die Spitzbergen besuchen», sagt Strømnes. Es bleibt aber auch die Frage, wie die verschiedenen Anbieter, Firmen, Geschäfte und Restaurants mit der reduzierten Zahl an Gästen umgehen werden und wie stark das Konkurrenzdenken untereinander einsetzen wird. Sicher ist, dass Svalbard zwar nicht von COVID-19 getroffen worden war, aber das Virus hat auch diese Region verändert.

Quelle: Svalbardposten / Visit Svalbard

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