Königspinguinkolonie verströmt Lachgas | Polarjournal
Eine der grössten Königspinguinkolonien weltweit liegt in der St. Andrews-Bucht auf Südgeorgien. Hier leben rund 300 – 400’000 Tiere das ganze Jahr über, dank dem langen Brutzyklus der Pinguine. Bild: Michael Wenger

Eines der Highlights für Antarktisreisende sind die riesigen Kolonien von Königspinguinen auf Südgeorgien oder anderen subantarktischen Inseln. Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie dieser Anblick ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher zaubert, wenn sie stundenlang vor den majestätischen Tieren stehen. Doch vielleicht ist es nicht der Anblick, sondern ein unsichtbares Gas, das für das Lächeln verantwortlich ist. Dänische Forscher haben herausgefunden, dass in den Kolonien signifikante Mengen an Distickstoffmonoxid N2O, auch als Lachgas bekannt, entstehen.

Das Forschungsteam um Hauptautorin Peiyan Wang und Bo Elberling von der Universität Kopenhagen kamen im Rahmen einer Umweltstudie auf Südgeorgien zum Ergebnis, dass an Stellen mit verstärkter Pinguinaktivität die N2O-Konzentration massiv höher ist, als an Orten ohne Pinguine. «Der maximale Ausstoss is bis zu 100-mal höher als in einem frisch gedüngten dänischen Feld», erklärt Professor Elberling, der Leiter der Abteilung Geowissenschaften und Natürliches Ressourcenmanagement an der Universität. «Das ist wirklich hoch, besonders wenn man bedenkt, dass Distickstoffmonoxid, ein 300-mal stärkeres Treibhausgas ist als CO2

Gemäss der Studie ist die Menge an Lachgas zwar nicht klimaschädlich. Doch ein längerer Aufenthalt während der Feldstudie führte häufig zu Kopfschmerzen, leichter Übelkeit aufgrund der verschiedenen Gase, die beim Abbau des Pinguinguano entsteht. Bild. Michael Wenger

Auf die Frage, ob die Menge an freigesetztem N2O Auswirkungen auf das Klima haben könnte, meint Professor Elberling: «Es ist zwar in diesem Fall nicht genug, um einen Einfluss auf das Gesamtenergiebudget der Erde zu haben. Doch unsere Ergebnisse zeigen, wie die Pinguinkolonien einen Einfluss auf ihre Umwelt haben. Das ist sehr interessant, da einige der Kolonien sich weiter vergrössern.» Worauf die Mengen an Lachgas aber sicherlich einen Einfluss haben, ist die Gesundheit der Menschen im Umfeld einer Kolonie. «Wenn man über Stunden seine Nase nahe am Guano hat, wird man wirklich verrückt. Man fühlt leichte Übelkeit und Kopfschmerzen (…) von der Kombination aus Lachgas, Schwefelwasserstoff und anderen Gasen», sagt Bo Elberling weiter. Die Geruchsintensität an einer Kolonie von hunderttausenden von Königspinguinen wird häufig als sehr unangenehm empfunden, trotz der Kälte und dem Abstand, den Besucher einhalten müssen. Ob die Pinguine durch die Mengen an Lachgas beeinflusst werden, ist nicht untersucht.

Das Forschungsgebiet, St. Andrews-Bay auf Südgeorgien. Im Hintergrund ist der Heany-Gletscher zu sehen, die Pinguinkolonie selber erstreckt sich noch weiter nach links im Bild. Die Aufnahme wurde im November gemacht, wenn die Kolonie nur etwa die Hälfte ihrer Gesamtgrösse aufweist. Bild: Michael Wenger

Das Forschungsteam untersuchte am Beispiel der Kolonie der St. Andrews-Bucht auf Südgeorgien, wo rund 300’000 – 400’000 Tiere leben, wie die Kombination eines Rückganges von Gletschern und die gleichzeitige Besiedlung des freigewordenen Untergrundes den Ausstoss von Treibhausgasen beeinflussen. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Alter der Bodenfreisetzung eine wichtige Rolle bei der Bildung von CO2 aufgrund der Bodenatmung und der Fixierung von Methan spielt. Doch je länger und mehr Pinguinen anwesend waren, desto stärker wurden die Effekte aufgehoben. Dafür stieg die Produktion von Lachgas signifikant an. Das Gas bildet sich, wenn Bodenbakterien die Fäkalien der Pinguine abbauen und der Stickstoff in den Boden gerät, wo er von anderen Bakterien in Lachgas umgewandelt wird und wieder entweicht. Professor Elberling ist auch überzeugt, dass aus den Resultaten wichtige Erkenntnisse für die heimische Landwirtschaft gezogen werden kann. «Etwas, das wir daraus lernen können, ist beispielsweise, wie und wann man düngen soll, entgegen den optimalen Bedingungen für Bakterien zur Lachgasproduktion.»

Quelle: Universität Kopenhagen / Wang et al (2020) Sci Tot Env 718

Link zur Originalarbeit: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969719352477?via%3Dihub

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