Nonstop-Flug zu den Falklandinseln setzt neue Rekorde | Polarjournal
Der Flughafen von Port Stanley, Mount Pleasant, ist der einzige Flughafen auf den Falklandinseln. Der Komplex wird von den britischen Streitkräften verwaltet und ist auch das HQ für die lokalen Einheiten. Bild: By Donald Morrison from Lochalsh, Scotland – Mount Pleasant Airport, CC BY 2.0

Die Falklandinseln mitten im Südatlantik sind ein britisches Überseegebiet und seit 1983 gelten die Einwohner als britische Staatsbürger. Doch die isolierte Lage der 776 Inseln, rund 12’700 Kilometer weit vom britischen Mutterland entfernt, erschwert die Verkehrsverbindungen massiv, besonders den direkten Flugverkehr. Lediglich die britische Luftwaffe fliegt direkt von Grossbritannien die Inseln an. Nun hat ein Jungfernflug einer A330-200 Voyager einen Nonstopflug geschafft und dabei auch noch zwei Weltrekorde gebrochen.

Das modifizierte Flugzeug vom Typ Airbus 330-200 der Air Tanker Ltd, einer britischen Chartergesellschaft, flog die 12’867 Kilometer vom britischen RAF-Flughafen Brize Norton zum Mount Pleasant Airport Complex in 15 Stunden und 9 Minuten. Dadurch unterbot das Flugzeug den seit 1987 bestehenden Rekord der Royal Airforce um 36 Minuten. Nach einem kurzen Aufenthalt und Auftanken flog die Maschine dieselbe Strecke zurück und stellte dabei noch einmal einen neuen Rekord auf: 13 Stunden und 22 Minuten. An Bord der Maschine waren keine Zivilisten, sondern lediglich die Flug- und die Kabinencrew. Geflogen wurde das Flugzeug von den beiden Flugkapitänen Dave Hall und David Thompson und ihren beiden Ersten Offizieren Aby Jackson-Moore, bzw. Rich Steer. Dave Hall meinte zum Rekord: «Als ehemaliger VC-10-Pilot (Das Flugzeug, das den bisherigen Rekord innehatte. Anm. d. Red.) war ich sehr erfreut, Teil eines hervorragenden Teams zu sein, das einen neuen Rekord mit seinem Direktflug zu den Falklandinseln aufgestellt hatte. Das ist ein Meilenstein in der Geschichte, denn der alte Rekord hatte über 30 Jahre Bestand; ich bin sehr stolz, was wir alle erreicht haben.»

Die Airbus 330-200 Voyager der Firma Air Tanker ist eine zivil registrierte Maschine (G-VYGM) und kann maximal 327 Passagier aufnehmen. Die Gesellschaft Air Tanker Ltd. ist für die Flüge auf die Falklands verantwortlich und nimmt neben Militärpersonal auch Zivilpersonen ab Brize Norton (UK) mit. Bild: MercoPress

Die zivilen Flugverbindungen auf die Falklandinseln werden ab Grossbritannien vom RAF-Flugplatz Brize Norton, dem grössten Stützpunkt der Royal Airforce, aus durchgeführt. Zweimal wöchentlich fliegt eine Maschine der Air Tanker Ltd. den Flugplatz Mount Pleasant bei Stanley auf den Falklandinseln an. Doch aufgrund der Distanz musste bisher ein Zwischenstopp auf den Kapverden zum Auftanken durchgeführt werden. Seit dem Ausbruch der COVID-Pandemie wurden die Flüge nach Dakar, Senegal, umgeleitet. Nonstopflüge auf den Falklandarchipel wurden nur wenige durchgeführt, da die Flugzeuge in der Luft betankt werden mussten. Diese Aktion ist zwar eine der Kernkompetenzen der Air Tanker Ltd., jedoch nicht mit einer A330-200. Auch die Ruhezeiten der Crew, die eingehalten werden müssen nach Zivilluftfahrtgesetz, machten Zwischenstopps notwendig. Die nun eingesetzte Maschine wurde mit Ruheräumlichkeiten für die Crew ausgestattet und dadurch für den Direktflug fit gemacht.

Die vierköpfige Flugcrew (hier Dave Hall, links, und Aby Jackson-Moore, rechts) konnte während des Nonstopfluges auch ausruhen. Die drei Herren der Crew sind Reservisten der RAF-Squadrons 10 und 101. Bild: Air Tanker

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie und die entsprechenden Schliessungen der Flughäfen in Südamerika zwangen die Falklandinseln dazu, eine Luftbrücke nach Grossbritannien einzurichten. Denn neben der Versorgung mit Gütern waren die Inseln auch nicht in der Lage, ihre Bürger vor Ort auf das Virus zu testen. Daher mussten alle Proben nach Grossbritannien geschickt und ausgewertet werden. Erst ab Anfang Mai war das Problem gelöst, auch dank der Luftbrücke. Doch das zeigte, dass eine direkte und schnelle Verbindung der Inseln mit dem Rest der Welt zwingend notwendig ist, auch im Hinblick auf die zukünftige Wiederöffnung. Denn während sich in Europa die Länder langsam wieder öffnen, ist in Chile und Brasilien, den Verkehrspartner der Falklandinseln, keine Erholung in Sicht. Auch die Insolvenz der Fluggesellschaft LATAM, die noch vor einigen Wochen eine bessere Anbindung der Inseln an das Flugstreckennetz mit Flügen nach Sao Paulo versprochen hatte, verschärft die Situation.

Die Falklandinseln sind aufgrund ihrer Lage ein geeignetes Tor in die Antarktis. Doch ob sie sich gegenüber Ushuaia als vorteilhafter erweisen, wird sich wahrscheinlich noch zeigen. Die Nonstop-Flugverbindung ist schon ein erster Schritt in die Richtung. Bild: Michael Wenger

Mit dem Wissen, dass nun ein direkter Nonstop-Flug nach Europa möglich ist, könnte sich auch der Tourismus auf den Falklands auf rosigere Zeiten einstellen. Doch dazu müssten die Falklandinseln auch logistisch ihre Kapazitäten erhöhen. Ob dies in naher Zukunft umgesetzt werden kann, steht im Moment noch in den Sternen.

Quelle: Air Tanker Ltd. / Mercopress

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