Norilsk – Schwierige Aufräumarbeiten | Polarjournal
Mehr als 20.000 Tonnen Dieselöl flossen aus, als ein Treibstoffreservoir auf der russischen arktischen Halbinsel Taymyr kollabierte. (Foto: morspas.com)

Das Auslaufen von Dieselöl aus einem Lagertank in Norilsk hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß und wird erhebliche negative Auswirkungen auf die gefährdete lokale Natur haben, bestätigen die Umweltbehörden, da das Ausmaß der Katastrophe der vergangenen Woche immer deutlicher wird. Die Umweltkontrollbehörde Rosprirodnarzor entnimmt nun täglich Boden- und Wasserproben und sagt, dass Ende Juni eine vorläufige Auswertung fertig sein wird.

Ölprodukte werden zunächst in provisorische Reservoirs und dann weiter in größere, dauerhaftere Behälter gepumpt. (Foto: Morspas.com)

Ungefähr 21 Tausend Tonnen Dieselöl sind am 29. Mai aus einem Öltank der Firma Norilsk-Taymyr Energy Company ausgelaufen. Es wird angenommen, dass mindestens 15.000 Tonnen in die örtlichen Flüsse und Bäche geflossen sind. Der Schaden für die Natur kann mit mehreren Milliarden Rubel beziffert werden, sagte die Geschäftsführerin von Rosprirodnarzor (Bundesdienst Überwachung der natürlichen Ressourcen) Swetlana Radionowa gegenüber Präsident Wladimir Putin. Sie nahm am 5. Juni an einer Online-Videokonferenz mit dem Präsidenten und mehreren wichtigen Regierungsvertretern teil.

Die Videokonferenz war das zweite Treffen auf höchster Ebene über das riesige Ölleck auf der abgelegenen arktischen Halbinsel Taymyr. Bei dem ersten Treffen am 3. Juni kritisierte Putin die regionalen Behörden im Bezirk Krasnojarsk, sowie die Firma Nornickel scharf für ihren Umgang mit der Katastrophe. Die Katastrophe kam erst einige Tage verzögert an die Öffentlichkeit. Dabei stellte Putin die Frage: ‘Ist es üblich, dass ich solche Katastrophen erst aus den sozialen Medien erfahre?’. Bei einem letzteren Gespräch verschärfte Putin seine Kritik an Nornickel und seinem Chef Wladimir Potanin nochmals.

Der russische Präsident Wladimir Putin griff bei einer Videokonferenz mit Regierungsvertretern und dem Nornickel Chef Pontin diesen und die örtlichen Behörden scharf an. (Foto: Alexei Nikolsky, Sputnik)

Putin gegen Potanin

Nornickel müsse die vollen Kosten für die Wiederherstellung der Natur in dem Gebiet tragen, unterstrich Putin gegenüber Nornickel-Chef und Mehrheitseigentümer Potanin.

„Die Eigentümer sind verpflichtet, die Verschmutzung des Bodens und der Gewässer vollständig zu beseitigen“, unterstrich Putin und fügte hinzu, dass ein umfassendes Entschädigungssystem für die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Natur in dem Gebiet eingerichtet werden müsse.

Er stellte auch klar, dass der russische General Prosector und der Untersuchungsausschuss den Fall sorgfältig untersuchen werden, um Gründe zu finden und die Schäden zu bewerten.

„Wir werden zahlen, was immer es kostet“, antwortete Potanin. Er fügte hinzu, er glaube, dass sich der Preis für die Aufräumarbeiten auf „zehn Milliarden Rubel und mehr“ (130 Mio. Euro) belaufen werde.

Nornickel ist vollständiger Eigentümer der Energiegesellschaft Norilsk-Taymyr und verwaltet die riesigen Industrieanlagen der Stadt Norilsk und der umliegenden Taymyr-Tundra. Nornickel hatte schon früher einen zweifelhaften ökologischen Ruf. Die Luftverschmutzung rund um die Industrieanlagen des Unternehmens in Norilsk und auf der Kola-Halbinsel gehört zu den schlimmsten in Russland.

An den Flüssen und Seen von Taymyr wurden Ölsperren errichtet. (Foto: Rosmorrechflot)

Keine Verbrennung

Die russischen Behörden waren lange Zeit uneins darüber, wie die riesigen Mengen schädlicher Substanzen aus der abgelegenen und empfindlichen arktischen Natur beseitigt werden sollten.

Das Verbrennen wurde zunächst als die beste Alternative zur Beseitigung der Ölprodukte angesehen. Aber diese Alternative ist nun aufgegeben worden.

Stattdessen wird eine große Anzahl von Spezialbehältern in das Gebiet geflogen und entlang der am schlimmsten betroffenen Flüsse und Seen aufgestellt. Ausgelaufenes Öl wird dann in die ehälter gepumpt.

Nornickel hat die Tanks organisiert, die letztendlich bis zu 16.000 Tonnen des ausgelaufen Diesel-Treibstoff aufnehmen können. Die ersten Tanks werden vor Ort installiert, sagte Nornickel-Chef Potanin. Darüber hinaus sei das Unternehmen dabei, Lagereinrichtungen für bis zu 100.000 Tonnen verseuchten Boden bereit zu stellen.

Neben der Ölverschmutzung wird auch der Tundra-Boden durch die schweren Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. (Foto: Yuri Kadobnov, Marine Rescue Service)

Abtransport erst im Winter

Laut Notfallminister Jewgenij Zinitschew sind die Behälter hermetisch dicht und sicher im Gebrauch. Sie werden jedoch nicht vor dem Winter, wenn die Tundra gefriert, aus dem Gebiet entfernt. Es wird dann möglich sein, sie auf festem gefrorenem Untergrund aus dem Gebiet zu transportieren.

Am schlimmsten betroffen sind die Flüsse Daldykan und Ambarnaya sowie die verbindenden Bäche und Flüsse. Das Gebiet wurde nun in Sektoren aufgeteilt, die Teams von Aufräumungspersonal säubern werden.

Vor Ort sind jetzt fast 500 Personen des Ministeriums für Notfallsituationen (Emercom). Hinzu kommt Personal des föderalen Seenotrettungsdienstes. Außerdem sind Experten der Ölfirmen Gazprom Neft und Transneft in dem Gebiet tätig.

Zehn Hubschrauber sind im Einsatz, und bis zum 8. Juni seien insgesamt 16.994 Kubikmeter verseuchter Boden entfernt und an sicheren Orten deponiert worden, teilt Emercom mit. Darüber hinaus werden täglich mehr als 1000 Kubikmeter verschmutztes Wasser aus den Flüssen gepumpt, so das Ministerium.


Keine unabhängigen Informationen

Es wird berichtet, dass die Fortschritte signifikant sind. Nach Angaben des Seenotrettungsdienstes gibt es in einem der zuvor am schlimmsten betroffenen Gebiet, im Fluss Ambarnaya so gut wie keine Anzeichen mehr von Verschmutzung.

Das ausgelaufene Öl wird zunächst zu provisorischen Einrichtungen entlang des Flusses gepumpt, woraufhin es weiter zu größeren Lagerstätten gepumpt wird, die bis zu 500 Meter von den Wasserstraßen entfernt liegen, informiert der Rettungsdienst.

Allerdings haben Überschwemmungen und schlechtes Wetter die Operationen erschwert. In mehreren Fällen ist Öl wieder aus Seen in angeschlossene Flüsse gelaufen, und das Reinigungspersonal musste wiederholt Ölsperren verlegen, um die Ausbreitung der Substanzen zu verhindern.

Die Informationen über die Situation werden von den Behörden streng kontrolliert, und es ist nicht klar, ob unabhängigen Umweltexperten die Erlaubnis zum Betreten des Gebietes erteilt wurde.

Quelle: Heiner Kubny, PolarJournal

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