Antarktisches Dinosaurier-Ei eröffnet neue Erkenntnisse | Polarjournal
Das unförmig aussehende Fossil wurde 2011 von chilenischen Wissenschaftlern auf Seymour Island, Antarktika, entdeckt. Bis zu seiner Identifizierung wurde das 68 Millionen Jahre alte Ei nur «Das Ding» genannt. Bild: Legendre et al (2020) Nature

Die Antarktis wäre eigentlich ein spannender Ort für Paläontologen. Denn der Kontinent war nicht immer eine Eiswüste, sondern einst die Heimat einer Vielzahl von Saurierarten. Davon zeugen die bisher entdeckten Fossilien. Zwar sind die klimatischen Bedingungen und die Eispanzer nicht sehr förderlich für den Erhalt von Fossilien, aber immer wieder mal finden Forscher Überreste aus der Zeit der Reptilien. Ein Fossil, das fast zehn Jahre in einem Museum in Chile gelagert war, wurde nun von einer internationalen Forschergruppe als weichschaliges Ei eines Sauriers identifiziert. Die Erkenntnisse aus den Resultaten der Forschergruppe vergrössern unser Verständnis über die Fortpflanzung der ausgestorbenen Reptilien.

Das fossilisierte Ei gehört zu den grössten jemals entdeckten Eiern von Tieren und umfasst eine Grösse von 28 mal 18 Zentimeter. Gemäss dem Hauptautor der Studie, dem Postdoktorand Dr. Lucas Legendre von der Universität von Texas, ist das Ei ganz anders aufgebaut als die bisher bekannten Dinosauriereier. «Es ähnelt am ehesten den Eiern von Eidechsen und Schlangen, muss aber von einem gigantischen Verwandten dieser Tiergruppe stammen», erklärt er. Analysen des Fossils mit Hilfe von Mikroskop und CT-Scannern ziegte aber, dass die Schale des Eies nicht hart gewesen war, sondern weich wie diejenigen von Schlangen beispielsweise. Dies und die Tatsache, dass das Fossil in Schichten von versteinertem Meeresboden gefunden worden ist, deutet in die Richtung, dass es sich um ein Ei eines marinen Sauriers handeln könnte.

Die Forscher vermuten, dass das Ei von einem Mosasaurier stammte. Diese Gruppe von Meeresreptilien war in der Antarktis vor 68 Millionen Jahren weit verbreitet und gehörte zu den grössten Räubern, die je in den Meeren gelebt hatten. WIe das Tier tatsächlich aussah (oben oder unten), ist nicht gesichert. Bild: NIZE_Youtube / Legendre et al (2020) Nature

Das Fossil, das 2011 in der Antarktis von chilenischen Forschern entdeckt worden war, blieb lange Zeit im nationalen Naturhistorischen Museum von Chile unidentifiziert. David Rubilar-Rogers, einer der Entdecker musste lange warten und es verschiedenen Experten zeigen, bis eine brauchbare Idee formuliert werden konnte. Professor Julia Clarke, Leiterin der Abteilung Geowissenschaft der UT in Austin, Texas, meinte 2018 als Erste, dass es sich um ein leeres Ei handeln könnte. So begannen die Forscher, das Fossil genauer zu untersuchen. Im Ei selber konnten keine Skelettrückstände entdeckt werden. Doch die Schichtungen, die erst mit Mikroskop und Scanner sichtbar wurden, zeigten einen Aufbau wie bei heutigen Schlangen und einigen Eidechsenarten. Deren Eier haben keine dicke Schale mit viel Kalzium, sondern eine eher lederne Schale, was auf einen eher urtümlichen Eityp hinweist. Mit Hilfe von Vergleichen von Ei- und Körpergrösse von heute lebenden Reptilien, kamen die Forscher zum Schluss, dass es sich um ein Ei eines riesigen Sauriers gehandelt haben musste. Fossilfunde um das Ei herum zeigten Skelettteile von zahlreichen kleinen Mosasaurier und Plesiosaurier und einigen Erwachsene. Dadurch vermutet Legendre und seine Kollegen, dass es sich um das Ei eines solchen Mosasaurier handeln könnte. Diese Meeresreptilien-Art lebte zwischen 80 und 66 Millionen Jahren und war in beinahe allen Meeren zuhause. Sie gehören mit bis zu 18 Metern Länge zu den grössten marinen Räubern.

Der Fundort des Eies liegt auf der Ostseite der antarktischen Halbinsel, auf Seymour Island. Hier wurden in der Vergangenheit bereits zahlreiche Fossilien aus verschiedenen Epochen der Saurier gefunden. Die Insel ist nahe bei Snow Hill Island, wo die nördlichste Kaiserpinguinkolonie der Antarktis liegt.

Die Erkenntnisse, die von der Forschungsgruppe gemacht worden sind, zeichnen ein neues und bisher unbekanntes Bild über die Fortpflanzung von Sauriern. Bisher wurde angenommen, dass alle aquatischen Saurierarten ihre Jungen lebend gebären würden. Denn hartschalige Eier funktionieren in dieser Umgebung nicht und weichschalige Eier waren bis dato unbekannt bei Sauriern. Doch trotz der Erkenntnisse können die Forscher nur Vermutungen aufstellen über die Art und Weise, wie die Eiablage funktionierte. Eine These sieht die Tiere wie Meeresschildkröten an Stränden ihre Eier ablegen. Doch dazu hätten die gigantischen Mosasaurier ihren langen Schwanz und die mächtigen Flossen an den Strand schieben müssen, was wiederum mit schwierigen Manövern in Verbindung stehen würde. Denn die Tiere waren schwer und mussten daher mit ihrem Körper im Wasser bleiben. «Wir können die Idee, dass sie ihr Schwanzende an den Strand geschoben hatten, nicht ausschliessen, denn bisher wurde nichts entdeckt, was dem hier gleichkommt», meint Julia Clarke abschliessend.

Link zur Originalarbeit:

Legendre et al (2020) Nature, https://doi.org/10.1038/s41586-020-2377-7

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