„Pride-Day“ in britischem Antarktis-Gebiet | Polarjournal
Ab diesem Jahr werden die Pinguine von Port Lockroy, der alten britischen Antarktis-Station und heutigem Touristenmagneten, jeweils am 18. November die Regenbogenflagge der LGBTQI+-Gemeinde gehisst sehen. Bild: Michael Wenger

Die weltweite LBGTQ+-Gemeinde muss auch heute noch gegen zahlreiche Vorurteile, Anfeindungen und für Gleichberechtigung kämpfen. Auch die Forschungswelt ist da keine Ausnahme. Um auf die Ungerechtigkeiten, denen die Mitglieder der Gemeinde ausgesetzt sind, aufmerksam zu machen, wurde der «Christopher-Street-Day» am 17./ 28. Juni zum Pride Day ausgerufen bzw. der Juni zum «Pride Month» erhoben. Nun haben die Verwaltungen der britischen Antarktisgebiete BAT und von Südgeorgien und Südsandwichinseln ein Zeichen in der polaren Welt gesetzt und den 18. November offiziell zum «Pride Day» erhoben.

Beide Verwaltungen gaben in einer geteilten Pressemitteilung bekannt, dass an diesem Tag die Regenbogenflagge, das offizielle Symbol der LGBTQI+-Gemeinde (Lesbian/Gay/Bisexual/Transgender/Queer/Intersexual) an allen Orten ihres Verwaltungsgebietes gehisst werden. Das bedeutet, dass sämtliche britischen Antarktis-Stationen und auf Südgeorgien an diesem Tag Flagge zeigen werden. Ausserdem werden zahlreiche Geschichten, Bilder und Sonderveranstaltungen an diesem Tag stattfinden und auch auf allen möglichen Kanälen geteilt. Unter dem Stichwort bzw. dem Hashtag #polarpride soll auf die gesellschaftliche Vielfalt und die Rechte der LGBTQ+-Gemeinde im Bereich der polaren Forschung Aufmerksam gemacht werden. «PolarPride wird eine Gelegenheit für diejenigen sein, die in den britischen Antarktisgebieten und auf Südgeorgien und den Südsandwichinseln arbeiten, die Vielfalt zu feiern und ihre Unterstützung für die LGBTQ+-Kollegen zu zeigen», erklärt die britische Ministerin für Polargebiete, Elizabeth Grace Sugg, Barnoness Sugg CBE. Sie hoffe, dass auch in Grossbritannien selbst die Forschungsgemeinde mitmacht.

Die Gruppierung «Pride in Polar Research» setzt sich auf den sozialen Netzwerken für die Rechte und die Sichtbarkeit der LGBTQ+-Gemeinde in der Polarforschung ein. Gegründet wurde die Gruppe nach dem Aufruf eines Jungforschers, der sich aufgrund seiner geschlechtlichen Neigung Diskriminierung und Isolation ausgesetzt sah. Bild: Pride in Polar Research

Das Datum wurde bewusst gewählt, heisst es in der Pressemitteilung. Denn an diesem Tag feiert die naturwissenschaftliche Welt (STEM = Science, technology, engineering, mathematics) offiziell ihren Pride-Day. Die antarktischen Regionen, so heisst es weiter, hätten schliesslich einen starken Fokus auf diese Bereiche. Ausserdem läutet der November generell die Sommersaison in den britischen Antarktisregionen ein und die Zahl der Besucher mit ihren unterschiedlichen Hintergründen steigt an. Beide Verwaltungen heben auch hervor, dass in ihren Regionen die gleichgeschlechtliche Heirat offiziell erlaubt ist und auch angeboten wird. Man freue sich darauf, in Zukunft auch gleichgeschlechtliche Paare zu trauen.

«Die Nachricht zeigt den wichtigen Fortschritt, den wir in Richtung mehr Integration machen.»

Dr. Huw Griffiths, British Antarctic Survey / Pride in Polar Research

Für die Gruppe «Pride in Polar Research», die sich seit zwei Jahren für Gleichbehandlung und Rechte von LGBTQ+ in der polaren Forschungswelt einsetzt, ist die Ankündigung der Regierungen eine grossartige Nachricht. «Diese Ankündigung fühlt sich wie ein riesiger Schritt nach vorne und ein sichtbares Symbol von Einbindung und Unterstützung der LGBTQI+-Gemeinde an, die bei der British Antarctic Survey, der Verwaltung von Südgeorgien und Südsandwichinseln und in der internationalen Polarforschung arbeitet», erklärt Dr. Huw Griffiths, Bio-Geograph bei BAS und aktives Mitglied bei «Pride in Polar Research». «Die Nachricht zeigt den wichtigen Fortschritt, den wir in Richtung mehr Integration machen.»

Das Wissenschaftsteam der BAS bei King Edward Point auf Südgeorgien hatte stolz die Regenbogenfahne, das Zeichen der LBGTQ+-Gemeinde über der King-Edward-Bucht gehisst und so ein Zeichen gesetzt. Bild: British Antarctic Survey

Der «Pride Day» ist ein Teil der britischen «Vielfalt in Polarwissenschaften»- Initiative, ein Projekt, welches sich für eine stärkere Einbindung von Minoritäten ethnischer oder geschlechtlicher Herkunft und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität in den polaren Wissenschaften einsetzt. Das Ziel ist es, auch in der polarwissenschaftlichen Welt, jedem Menschen dieselben Möglichkeiten und Chancen zu bieten, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder körperlichen Gebrechen. Der «Pride Day» orientiert sich am «Christopher-Street-Day», der normalerweise in den USA am 27. – 28. Juni gefeiert wird und an den Beginn der Entstigmatisierung von Homosexualität in unserer Gesellschaft erinnert.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

Facebook-Seite von „Pride in Polar Research“

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