Neue Kaiserpinguinkolonien vom Weltall aus entdeckt | Polarjournal
Kaiserpinguine brüten mit Beginn des antarktischen Winters auf dem Festeis rund um Antarktika. Die Kolonien sind meist ein paar hundert bis tausende Brutpaare gross und lösen sich etwa Ende Dezember wieder auf. Bild: Michael Wenger

Kaiserpinguine sind die Ikonen der Antarktis und das Objekt der Begierde für die meisten Besucher, ob Tourist oder Forscher. Doch die grösste Pinguinart der Welt ist auch die am schwierigsten zu beobachtende Art. Denn die Tiere brüten mitten im Winter und die Kolonien liegen oft an sehr schwierig zu erreichenden Stellen. Deswegen erstaunt es auch nicht, dass Forscher immer wieder auf Satellitenaufnahmen zurückgreifen. Nun haben zwei britische Forscher der British Antarctic Survey auf neuen Bildern des Sentinel2-Satelliten gleich elf zusätzliche Kolonien entdeckt.

«Das ist eine aufregende Entdeckung. Die Bilder der antarktischen Küste haben es uns ermöglicht, diese neuen Kolonien zu entdecken.»

Dr. Peter Fretwell, British Antarctic Survey

Bei den entdeckten Kolonien rund um den antarktischen Kontinent sind acht Orte zuvor unbekannt gewesen und drei Stellen dabei, die früher als Kolonienorte bekannt waren, aber erst jetzt wiederentdeckt und bestätigt worden sind. Damit steigt die Zahl der bekannten Brutorte von Kaiserpinguinen auf 61 rund um den gesamten Kontinent. Möglich war die Entdeckung dank neuesten hochaufgelösten Bildern der Sentinel2-Mission des europäischen Copernicus-Programmes. Die SCAR, das Wissenschaftskommittee für Antarktisforschung der Antarktisvertragsstaaten erhält seit Beginn der Mission Daten von Antarktika für Forschungszwecke. Dr. Peter Fretwell, einer der beiden Wissenschaftler, sagt: «Das ist eine aufregende Entdeckung. Die Bilder der antarktischen Küste haben es uns ermöglicht, diese neuen Kolonien zu entdecken.»

Die Satellitenbilder zeigen die braunen Flecken auf dem Eis, die durch den Guano der Pinguine entstehen. Durch eine genaue Bildanalyse konnten die Forscher erkennen, ob es sich bei den Flecken tatsächlich um Pinguinkolonien handelte oder nicht. Bilder: Aus Fretwell & Trathan (2020) Rem Sens Ecol Cons

Die Aufnahmen der Satelliten zeigen, dass die neuentdeckten Kolonien alle auf dem Festeis rund um Antarktika liegen. Die meisten Kolonien sind gemäss der Forscher wahrscheinlich auch nicht sehr gross, meist nur einige Hundert bis eintausend Brutpaare. Die grösste der neuen Kolonien befindet sich wahrscheinlich bei Kap Gates, wo sich mehrere tausend Kaiserpinguinpaare befinden sollten. «Die Kolonien sind klein und erhöhen die Gesamtzahl der Population um 5 – 10 Prozent auf etwas über eine halbe Million Pinguine oder rund 265’500 – 278’500 Brutpaare», erklärt Dr. Fretwell weiter. Mit den neuen Kolonien sind damit 30 von den 61 existierenden Kolonien mit Hilfe von Satellitenbildern entdeckt worden, was die Wichtigkeit dieses Werkzeuges hervorhebt.

Die Karte zeigt, wo die 11 zusätzlichen Kolonien liegen (rote Kreise). Die wiederentdeckten Kolonien (gelbe Quadrate) konnten dank der hochaufgelösten Bilder genau lokalisiert werden. Neben den 61 Kolonien (grüne Dreiecke) existieren vier weitere Orte, die früher als Kolonien bekannt waren und heute verlassen sind (blaue Dreiecke). Bild: Aus Fretwell & Trathan (2020) Rem Sens Ecol Cons

Neben der Grösse der Kolonien untersuchten die beiden Forscher auch die Lage der Kolonien, die dank der hohen Auflösung der Satellitenbilder präziser bestimmt werden konnte. So zeigte sich, dass die wiederentdeckten Kolonien bis zu 50 Kilometer von der vorher bekannten Position weit entfernt lagen. Zusätzlich konnten die beiden Forscher zeigen, dass die Kolonien in regelmässigen Abständen entlang der Küste liegen und nur vor den grossen Eisschelfregionen keine Kaiserpinguine brüten. Doch in Bezug auf den Abstand zur Küste zeigten die Resultate eine grosse Überraschung.

«Wir müssen diese Orte genau beobachten, da der Klimawandel diese Region treffen wird.»

Dr. Phil Trathan, British Antarctic Survey

Denn einige der neuen Kolonien liegen am äussersten Rand des bekannten Verbreitungsgebietes der Kaiserpinguine, teilweise bis zu 180 Kilometer entfernt von der eigentlichen Küste und dem Festeis. Das bringt die Pinguine in Gefahr vor den Auswirkungen der Klimaerwärmung. Während es gute Neuigkeiten sind, dass wir diese neuen Kolonien entdeckt haben, liegen die Brutgebiete alle an Orten, bei denen die aktuellen Modellvorhersagen andeuten, dass die Kaiserpinguinen zurückgehen werden», erklärt Dr. Phil Trathan, der zweite Autor der Studie. «Die Vögel an den Stellen agieren dadurch als «Kanarienvögel in der Mine» – wir müssen diese Orte genau beobachten, da der Klimawandel diese Region treffen wird.» Gemäss einer Studie, die letztes Jahr veröffentlich worden ist, werden aufgrund des Klimawandels und der fortschreitenden Erwärmung rund um den gesamten Kontinent die meisten Kolonien schrumpfen. Wie stark, hängt vom weiteren globalen Emissionsverlauf ab.  

Die Aufnahmen, die von den beiden Forschern verwendet worden sind, wurden von den beiden Sentinel2-Satelliten A und B erstellt. Diese sind seit 2015 und 2017 im All unterwegs und Teil des ESA-Programmes zur Erdbeobachtung. Im sichtbaren Bereich können die Kameras bis zu 10 Meter Auflösung erreichen. Bild: ESA

Erreicht wurden die Resultate dank der hochauflösenden Kameras der beiden Sentinel2-Satelliten A und B, deren Auflösungen zwischen 10 und 60 Meter liegen. Diese beiden Satelliten, die im Rahmen des Copernicus-Programmes der Europäischen Union Daten zum Klima und dessen Auswirkungen auf der Erdoberfläche sammeln, fliegen in rund 800 Kilometer Höhe versetzt um den Globus. Seit 2016 erhält das Wissenschaftskommittee für Antarktisforschung SCAR Daten von der ESA, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Antarktis zu untersuchen. Die beiden knapp 1’200 Kilogramm schweren Satelliten sollen noch mindestens bis 2022 bzw. 2024 ihre Bahnen ziehen und helfen, die Geheimnisse der Antarktis weiter zu lüften.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

Link zur Studie:
Peter T. Fretwell, Philip N. Trathan. Discovery of new colonies by Sentinel2 reveals good and bad news for emperor penguins. Remote Sensing in Ecology and Conservation, 2020

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