WSL-Direktor in Grönland umgekommen | Polarjournal
Konrad Steffen war seit 2012 der Direktor am Eidgenössischen Institut für Schnee, Wald und Landschaft. Erst letztes Jahr wurde er wiedergewählt bis in den Juni 2021. Bild: WSL

Der Direktor des Eidgenössischen Instituts für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Professor Konrad Steffen, war schweizweit und im Ausland als eine kommunikative, offene und sachlich höchst kompetente Koryphäe in Sachen Gletscherforschung, Polarregionen und Klima bekannt. Immer wieder zog es ihn in die polaren Regionen, um dort Klimaforschung zu betreiben. Am vergangenen Samstag, dem 8. August 2020, kam der Wissenschaftler und erfahrene Polarexperte bei einer Expedition in Grönland ums Leben.

Konrad Steffen befand sich auf einer Expedition beim Swiss Camp, der Schweizer Forschungsstation in Grönland, schreibt das WSL in einer Medienmitteliungen. Gemäss der grönländischen Zeitung Sermitisiaq ging am Samstag nachmittag um 17.26 eine Nachricht bei der Polizei in Ilulissat ein, dass ein Mann nordöstlich von Ilulissat vermisst wurde. Eine schnell eingeleitete Suche fand jedoch keine Spur des Vermissten. Die Suche wurde noch bis Sonntagmittag ausgedehnt. Dabei fanden die Behörden Anzeichen eines Unfalles. „Wir fanden Hinweise, dass die gesuchte Person in eine Spalte im Eisschild gefallen war“, erklärt Brian Thomsen von der Polizei in Ilulissat. „Wahrscheinlich ist ein Unfall geschehen und die Person kam dabei zu Tode“, erklärte er gegenüber Sermitsiaq.

Konrad Steffen (ganz recht aussen) verbrachte fast jedes Jahr eine Zeit in Grönland im Swiss Camp, nordöstlich von Ilulissat. Dort betreibt die Schweiz seit 1990 eine kontinuierliche Messstation für Klima, Meteorologie und Gletscherforschung. Bild: WSL

Professor Konrad Steffen war seit 2012 Direktor am WSL und war erst letztes Jahr wiedergewählt worden. Der 68-jährige Schweizer-US-Doppelbürger hatte seine Forschungskarriere mit einer Doktorarbeit 1984 an der ETH Zürich begonnen. Im Laufe der Zeit folgten Professuren an den Universitäten in Colorado, am EPFL in Lausanne und an der ETH in Zürich. Seine Passion waren die Polarregionen, besonders das Forschungscamp in Grönland „Swiss Camp“, wo er immer wieder Forschungsarbeiten selbst durchgeführt und beaufsichtigt hatte. „Die Pole der Erde sind von grösster Bedeutung für das klimatische Gleichgewicht unseres Planeten. Mehr Forschung und Wissen über ihre Funktionsweise ist dringend nötig,“ schrieb Konrad Steffen auf seiner WSL-Seite. „Deshalb reise ich jeden Mai nach Westgrönland zur meteorologischen Basisstation Swiss Camp, wo unser Team seit 1990 mit zahlreichen Instrumenten Daten über Schnee, Eis und die Atmosphäre sammelt.“

Er galt als eine ausserordentlich freundliche und offene Persönlichkeit, die es verstand, die komplexen Sachverhalte der Klimatologie auf verständliche Weise zu erklären. „Mit Konrad Steffen verlieren wir einen einmaligen, grossherzigen und engagierten Menschen. Wir alle im ETH-Bereich sind sehr traurig,“ sagt ETH-Ratspräsident Michael Hengartner. Seine Position am WSL wird interimistisch von seinem Kollegen Dr. Christoph Hegg übernommen. Konrad Steffen hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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