Arktisches Sommer-Eis könnte bis 2035 verschwunden sein | Polarjournal
Walrosse sind zur Futtersuche auf Eis angewiesen. Von diesen aus erreichen die Tiere ihre Futterplätze. (Foto: Heiner Kubny)

Das rasch schmelzende Meereis der Arktis übertrifft die schlimmsten Voraussagen für die Zukunft. Ein neues und verbessertes Modell, das auf der letzten Warmzeit in der Erdgeschichte basiert, geht nun davon aus, dass seichte Regen- und Schmelzwasserbecken das Ende des sommerlichen Meereises wesentlich früher herbeiführen könnten als wir dachten.

Die Fläche des arktischen Meereises nähert sich im Sommer 2020 einem Rekordtief. (Foto: Ice Data Center)

Jedes Jahr dehnt sich das arktische Meereis aus, wenn die Meeresoberfläche während des langen, dunklen Winters gefriert. Bei seinem Maximum im März bedeckt das Eis fast den gesamten Arktischen Ozean. Im Sommer schmilzt es wieder ab und erreicht im September seinen tiefsten Punkt. Im Juli der 1980er Jahre bedeckte das Eis im Durchschnitt etwa 3,8 Millionen Quadratmeilen. In diesem Juli bedeckte das Meereis nur etwa 2,8 Millionen Quadratmeilen. Seit 1979 ist das arktische Meereis um durchschnittlich 27.000 Quadratmeilen pro Jahr zurückgegangen.

Schlechte Aussichten für Eisbären. Ohne Eis wird es schwierig Robben zu erbeuten. (Foto: Heiner Kubny)

Erst dieses Jahr ergab eine Analyse zahlreicher Klimamodelle, dass selbst im besten Fall das arktische Meereis wahrscheinlich bis 2035 ihre Eisbedeckung vollständig verlieren werde. Dies untermauert eine kürzlich in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlichte Studie.

„Dies deutet auf etwas hin, von dem wir wissen, dass es sehr schnell und früher als gedacht vor sich geht, und jetzt wissen wir, dass wir dafür bereit sein müssen“, sagt Maria Vittoria Guarino, die Hauptautorin der Studie und Klimawissenschaftlerin des British Antarctic Survey.

Im Juli 2020 erreichte die mit Meereis bedeckte Fläche des Arktischen Ozeans einen neuen Monatstiefststand. Mit einer durch menschliche Aktivitäten verursachten Rekorderwärmung wurde der Nördliche Seeweg früher eisfrei als zuvor aufgezeichnet. Ende Juli brach Kanadas letztes intaktes Schelfeis ein.

Tschukotka – indigene Völker wären auf eine intakte Arktis angewiesen. Das Boot wurde aus Materialien welche die Natur liefert, aus Holz und Walrosshaut hergestellt,. (Foto: Heiner Kubny)

Beeinflussung des polaren Klimas und der Ökosysteme

Nach Ansicht von Wissenschaftlern des NASA Earth Observatory hat Meereis einen tiefgreifenden Einfluss auf die polare Umwelt und beeinflusst die Ozeanzirkulation, das Wetter sowie das regionale und globale Klima.

Die weiße Oberfläche des Meereises wirkt wie ein riesiger Spiegel, der weit mehr Sonnenlicht zurück in den Weltraum reflektiert als dunkleres Ozeanwasser. Sobald das Meereis zu schmelzen beginnt, löst es oft einen sich selbst verstärkenden Kreislauf aus. Wenn mehr Eis schmilzt und mehr dunkles Wasser freigelegt wird, absorbiert das Wasser mehr Sonnenlicht. Das von der Sonne erwärmte Wasser hilft weiteres Eis zu schmelzen.

Über mehrere Jahre hinweg kann dieser positive Rückkopplungszyklus das globale Klima beeinflussen, so das NASA Earth Observatory.

Meereis spielt auch eine grundlegende Rolle in polaren Ökosystemen und unterstützt eine Vielzahl von Lebensformen, von Bakterien und Phytoplankton bis hin zu Robben und Eisbären.

Und Meereis ist für viele nördliche und indigene Gemeinschaften, die es seit Jahrtausenden zum Jagen, Fischen und Reisen nutzen, unverzichtbar.

Heiner Kubny, PolarJournal

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