Dänemark hilft Grönland soziale Probleme zu beheben | Polarjournal
Mit der dänischen Unterstützung soll das Sozial-System verbessert werden. Dabei sollen die Kinder besondere Beachtung erhalten.(Foto: Heiner Kubny)

Die Erkenntnis, dass Grönland die massiven sozialen Herausforderungen nicht alleine lösen kann, ist für Grönland und die grönländische Gesellschaft von Bedeutung. Dies ist die Meinung der Ministerin für soziale Angelegenheiten Martha Abelsen. Sie anerkennt auch, dass Grönland möglicherweise Fehler im Umgang mit den sozialen Problemen gemacht hat.

Dänemarks Sozialministerin Astrid Krag (links) und Grönlands Sozialministerin Martha Abelsen (rechts) bei der Pressekonferenz am 21. August 2020. (Foto: Government of Greenland)

ʺIch glaube, dass es für unser Land richtig ist, dass wir Dänemark um Hilfe bei den sozialen Problemen Grönlands gebeten haben. Ich hatte früher Bedenken um Hilfe zu bitten, aber jetzt kann ich sehen, dass es das Richtige istʺ, sagt Martha Abelsen während einer Pressekonferenz am 21. August 2020.

Anlass dazu sind der Alkoholismus, ein Drogenproblem und Gewalt an Schwächeren, sowie Kindern.

ʺIm Moment brauchen wir Hilfe von außen, und ich nehme gerne die ausgestreckte Hand. Ich muss jedoch betonen, dass es wichtig ist, sich daran zu erinnern, dass wir uns irgendwann in der Zukunft selbst um soziale Angelegenheiten kümmern müssen, ohne Hilfe von außen. Darauf müssen wir uns auch vorbereitenʺ, sagte sie weiter.

ʺIch habe die herzzerreißendsten Kindheitsgeschichten von Vernachlässigung gehört, vor denen wir einfach nicht die Augen verschließen dürfen. Wir sind es den verletzlichen Kindern Grönlands schuldig, echte Veränderungen herbeizuführen. Deshalb bin ich froh, dass wir jetzt eine Vielzahl von Initiativen ergreifen, die sowohl jetzt als auch auf lange Sicht helfen. Und selbst wenn wir nicht alle Probleme auf einmal lösen können, wird dies mehr Menschen zu einer sichereren Kindheit verhelfenʺ. sagte die dänische Sozialministerin Astrid Krag.

Das dänische Parlament hat 80 Millionen Dänische Kronen (10,8 Millionen Euro) bereitgestellt, um die Umsetzung der Empfehlungen zu unterstützen.

Das grönländische Modell

Die dänische Sozialministerin Astrid Krag weist während der Pressekonferenz darauf hin, dass die dänische Hilfe für Grönland nicht bedeutet, dass Dänemark seine Best-Praxis-Beispiele nach Grönland kopiert. Für grönländische Herausforderungen seien grönländische Lösungen erforderlich, betont sie.

ʺWir beabsichtigen nicht, Maßnahmen, die in Dänemark funktionieren, nach Grönland zu übertragen, da wir die Erfahrung machen, dass dies hier nicht unbedingt funktioniert. Natürlich müssen wir die grönländische Gesellschaft als Ausgangspunkt nehmen, wenn wir Lösungen finden müssen. Wir arbeiten eng zusammen, um Lösungen zu findenʺ, sagt Astrid Krag und verwendet Tasiilaq als Beispiel.

Tasiilaq ist eine südgrönländische Stadt im der Grosskommune Sermersooq. Tasiilaq. Der Ort ist mit rund 2000 Einwohnern die größte Stadt Ostgrönlands. (Foto: Wikipedia)

Seit letztem Jahr ist eine Arbeitsgruppe von Psychologen und Sachbearbeitern in Tasiilaq, die sich mit Fällen befasst, an denen Kinder und Jugendliche im kommunalen System beteiligt sind, und gleichzeitig als Opfer sexuellen Missbrauchs behandelt werden. Gleichzeitig hat die Bezirksverwaltung der Grosskommune Sermersooq mehr Mitarbeiter nach Tasiilaq geschickt, so dass sowohl Dänemark als auch Grönland eng zusammenarbeiten, um die Probleme zu lösen.

Astrid Krag betont, dass es Grönland ist, das entscheiden muss, wie die dänische Finanzierung eingesetzt werden soll. Dänemark wird weiterhin von der Seitenlinie aus das Geschehen verfolgen.

ʺEs gibt zwar mehrere Empfehlungen in diesem Bereich. Aber wir können sagen, dass sich die Dinge geändert haben. Wir können spüren, dass es in der Gesellschaft einen Willen gibt, die Bedingungen zu ändern. Wir haben anerkannt, dass es ein Problem gibt, aber wir akzeptieren keinen sexuellen Missbrauchʺ, sagte Martha Abelsen.

Heiner Kubny, Polarjournal

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