Weiterer Tourbetreiber streicht Reisen in die Antarktis | Polarjournal

UPDATE: HURTIGRUTEN STREICHT ANTARKTIS-REISEN BIS ANFANG 2021!
Wie wir soeben erfahren haben, hat nun auch die Firma Hurtigruten seine Fahrten in die Antarktis bis Anfang 2021 gestrichen. Die Gesellschaft führt in einer Mitteilung dieselben Gründe wie Poseidon Expeditions (siehe Beitrag unten): Internationale Reisebeschränkungen und unabsehbare Flugsituation plus die kurzfristige Schliessung von Häfen. Weiter schreibt sie, dass zurzeit geplant ist, ab Januar 2021 wieder die Fahrten aufzunehmen, eine Anpassung an die Massnahmen zur Sicherheit würden laufend angepasst.

Poseidon Expeditions, ein langjähriger und erfahrener Polarreisen-Schiffsbetreiber, fährt seit Jahren in der Antarktis und Arktis. Vor allem ist die Gesellschaft für ihre Nordpolreisen an Bord eines Atomeisbrechers und seine Touren nach Franz-Josef-Land mit der «Sea Spirit» (im Bild) bekannt. Bild: Michael Wenger

Als im Februar die COVID-Pandemie begann, um sich zu greifen, waren die Expeditionsreisen in die Antarktis noch in vollem Gange. Doch um zum Schutz der Gäste und Crew an Bord wurden die Reisen sehr schnell abgebrochen. Bis auf einen dramatischen Fall verzeichneten die Betreiber auch keine COVID-Fälle an Bord. Doch seither ist es mit dem Expeditionstourismus steil bergab gegangen. Nachdem die Arktis-Saison nicht stattfinden konnte, steht auch die Antarktis-Saison auf der Kippe und immer mehr Schiffsbetreiber streichen ihre Segel für diese Saison. Als neuestes Mitglied in diesem Club präsentiert sich Poseidon Expeditions.

Die Gesellschaft vermeldete das Aus für diese kommende Antarktis-Saison via Newsletter an alle seine Kunden. Als Gründe für die Absage schreibt sie: «Corona-bedingte Hürden, wie beispielsweise ein «Safe-return-to-port»-Protokoll in den antarktischen Gateway-Ländern sowie Grenz- und Flugbeschränkungen, die den internationalen Reiseverkehr nach wie vor belasten, sind die wichtigsten Grundlage für unsere Entscheidung». Passagiere, die bereits auf Abfahrten gebucht waren, haben die Möglichkeit, ohne Kosten und Schwierigkeiten auf eine andere Reise in der nächsten Saison umzubuchen oder, falls nicht möglich, einen Reisegutschein anzufordern für spätere Reisen bis Ende des nächsten Jahres. Besonders dabei: Der Gutschein kann auch auf andere Personen übertragen werden.

Die COVID-Pandemie hatte zwar am Ende der vergangenen Antarktissaison noch zugeschlagen. Doch bis auf ein Schiff wurden die Expeditionsreisenbetreiber von Ausbrüchen verschont. Versuche verschiedenere Betreiber, einen Neustart zu erreichen, scheiterten bisher, teilweise mit gravierenden Konsequenzen. Bild: Archiv

Die Enttäuschung über die Absage der Antarktissaison ist bei Poseidon Expeditions sehr gross. Doch die Sicherheit der Gäste und der Crew an Bord steht vor den ökonomischen Überlegungen. Zwar hatte sich die Firma seit März, wie sie schreibt, mit der Ausarbeitung von Leitlinien und Sicherheits- und Gesundheitsregeln befasst und darauf gewartet, dass auch die Behörden in den Gateway-Ländern ihre Leitlinien präsentieren würden. «Diese Leitlinien sind jedoch aus unserer Sicht bis heute noch nicht ausreichend entwickelt, um uns ein Handeln zu ermöglichen, das die Gesundheit und das Wohlbefinden von Passagieren, Personal und Besatzung unserem Anspruch entsprechend sicherstellt.», schreibt die Gesellschaft in ihrem Newsletter.

Die Zahlen der Gäste, die in die Schönheit der Antarktis eintauchen wollen, sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Viele Betreiber antworteten mit neuen Schiffen und einem vergrösserten Unterhaltungsangebot, während kleinere Betreiber versuchten, mit der Quintessenz einer Antarktisreise, viel Zeit in der Natur, ihre Nische in der Industrie zu halten. Bild: Michael Wenger

Mit ihrer Entscheidung, die Reisen in die Antarktis abzusagen, reiht sich Poseidon Expeditions in eine immer länger werdende Reihe von Tourbetreibern ein. Prominente Vertreter wie Quark Expeditions und Polar Latitudes, die vor allem auf dem amerikanischen Markt stark vertreten sind, haben ihre Saison gestrichen und ihre bereits gebuchten Gäste auf die nächste Saison umgebucht. Andere Vertreter wie Oceanwide Expeditions, Hapag Lloyd, Ponant und Silversea bleiben optimistischer und warten noch die weitere Entwicklung ab. Vor allem die Entscheidungen in Argentinien, von wo die meisten der Anbieter ihre Touren starten, sind noch offen. Ein Treffen zwischen den argentinischen Gesundheitsbehörden und den Tourismusverantwortlichen von Ushuaia, Argentiniens Tor in die Antarktis, verlief ohne Ergebnis. Zwar hatte die Regierung Fernandez letzte Woche erklärt, ab Oktober wieder mit nationalen und internationalen Flügen zu beginnen. Doch klare Leitlinien, wie die Sicherheit eingehalten werden soll, wurden bisher nicht veröffentlicht. Dies schafft starke Verunsicherung, nicht nur bei den Touristen selbst, sondern auch bei den Schiffbetreibern.

Die Falklandinseln waren bisher von einem grösseren COVID-Ausbruch verschont geblieben. Das ist auch gut so, denn neben der eingeschränkten Gesundheitsinfrastruktur machen auch Querelen mit Argentinien in Bezug auf Rettungsflüge Schwierigkeiten. Die Tourismusbranche hofft auf eine Unterstützung durch die Verwaltung. Bild: Michael Wenger

Anders dagegen zeigt sich das Bild auf den Falklandinseln. Dort haben die Behörden eine klare Linie, die sie auch weiterhin verfolgen wollen. Schiffe müssen mindestens 10 Tage auf See gewesen sein und keine menschlichen Siedlungen angelaufen haben, wenn sie Quarantänefrei Stanley anlaufen wollen. Fluggäste müssen in eine 14-tägige Quarantäne (mit Tests), bevor sie sich frei auf den Inseln bewegen dürfen. Südgeorgien, ein weiteres Ziel bei den Antarktisreisen hat auch eine Reihe von Massnahmen veröffentlicht, mit denen ein Einschleppen von COVID-19 verhindert werden soll. Da hier aber ein Kontakt zwischen Bewohnern und Passagieren nur in Grytviken möglich wäre und dies nicht sehr gross ist, sind die Massnahmen etwas weniger strikt als auf den Falklandinseln. Man ist hier zwar auch weniger auf die Einnahmen aus den Besuchen angewiesen. Trotzdem würde man dies auch hier spüren. Und die Zeit läuft unaufhaltsam weiter und es wird wahrscheinlich, dass noch weitere Gesellschaften dem Beispiel Poseidons folgen werden.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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