Forscher testen Mond-Habitat in Nordgrönland | Polarjournal
Das LUNARK-Habitat durchläuft aktuell seinen ersten Test in Nordgrönland. Drei Monate verbringen die Entwickler in der Kapsel, die nicht nur dem ÜBERleben dienen soll, sondern auch für Gemütlichkeit und Wohlbefinden sorgt. Bild: LUNARK

Es liegt in der Natur des Menschen, neue, unbekannte Orte entdecken und erobern zu wollen, nicht nur auf der Erde. Die künftigen Pioniere wollen sich auf dem Mond oder dem Mars niederlassen. Heutzutage nicht mehr unmöglich, aber auch alles andere als trivial. Zwei junge Weltraumarchitekten aus Dänemark haben sich daher dazu entschlossen, einen Lebensraum zu entwickeln, der diesen Namen auch verdient. Die Kapsel ist bereits fertiggestellt und soll nun über drei Monate unter möglichst Mond-ähnlichen Bedingungen getestet werden. Nordgrönland erscheint den beiden Dänen dafür als sehr gut geeignet. 

Die Entwickler Karl-Johan Sørensen und Sebastian Aristotelis sind sicher, dass schon bald Menschen auf dem Mond leben werden. Zukünftige Astronauten drohen jedoch aus Mangel an Natur und sensorischen Reizen zu verkümmern, wie sie gegenüber der Dänischen Ingenieursgesellschaft sagen. Und genau deshalb konzipierten sie in ihrem Projekt LUNARK ein Habitat, wie sie es nennen, das Monotonie, Klaustrophobie und psychischem Stress entgegenwirken soll. Ihr Ziel ist es, einen Lebensraum zu entwickeln, in dem Astronauten nicht nur überleben sondern gut leben.

Im Innern der Kapsel verbirgt sich ein dynamisches zirkadianes Lichtsystem (1), ein 3D-Drucker für Modifikationen und Reparaturen (2), eine vertikale Anbaufläche für Pflanzen (3), ein Algen-basiertes Lebenserhaltungssystem (4) und Batterien, Wassertank und Lager (5). Bild: LUNARK

Eine der größten Herausforderungen für sie war, eine Kapsel zu entwickeln, die genügend Raum zum Leben bietet und gleichzeitig problemlos nach Grönland und in der Zukunft zum Mond transportiert werden kann. Unter Anwendung der japanischen Papierfaltkunst Origami kombiniert mit Biomimikry erreichten sie die Konstruktion einer stabilen, leichten und faltbaren Struktur, die in der kompakten Form in einen Standardcontainer passt und sich durch das Entfalten um 560 Prozent vergrößert.

Im komprimierten Zustand ist im Habitat noch genügend Platz, um Teile der Inneneinrichtung aufzunehmen. Nach der Aussage von Sørensen und Aristotelis muss der Lebensraum der Weltraumarchitektur «Gemütlichkeit» verleihen, gleichzeitig aber robust genug sein, um den extremen Bedingungen sowohl auf dem Mond als auch in Grönland, wo sie mit Inspektionen neugieriger Eisbären rechnen müssen, standzuhalten. Der Lebensraum ist völlig netzunabhängig – die gesamte Energie stammt von Sonnenkollektoren in der Außenhülle, die zudem isoliert sind, um die extreme Kälte abzuhalten. 

Sebastian Aristotelis und Karl-Johan Sørensen gründeten ihre eigene Firma SAGA Space Architects und bauten zuvor unter anderem ein Habitat für den Einsatz auf dem Mars, das hier zu sehen ist. Foto: SAGA Space Architects

Als Testpersonen für die außergewöhnliche Mission stellen sich die beiden Forscher selbst zur Verfügung. Seit Anfang September sind sie bereits in dem verlassenen Dorf Moriusaq in der Nähe von Thule und momentan noch mit dem Aufbau der Kapsel beschäftigt. Sobald die Konstruktion steht, ziehen sie ein und verbringen drei Monate in der Kapsel mit nur limitiertem Kontakt zur «Erde». Während dieser Zeit werden sie wissenschaftliche Experimente durchführen und das Design ihres Habitats evaluieren. Dennoch erwarten sie eine «lebensbedrohliche Mission, die wahrscheinlich sehr langweilig sein wird.»

Sie haben sich für Nordgrönland als Testgebiet entschieden, weil die Region der Mondoberfläche ähnelt: Die Landschaft ist leblos und öde, die Sonne folgt keinem normalen Tagesrhythmus und statt eines Raumanzugs muss man einen Polaranzug tragen. Sie sagen, in Nordgrönland muss man nicht so tun, als wäre man vom Rest der Welt abgeschnitten.

Hier geht es zu Live-Updates zur Mission: https://lunark.space/messages/ 

Julia Hager, PolarJournal

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