Eisbrecher «Arktika» auf Jungfernfahrt | Polarjournal
Der Eisbrecher «Arktika» hat für Testfahrten in der Arktis St. Petersburg verlassen. (Foto: Anton Haas, St. Petersburg)

Mit nur zwei seiner drei Motoren befindet sich die «Arktika», Russlands neuster nuklearbetriebener Eisbrecher, auf seiner Jungfernfahrt in die Arktis. Der Eisbrecher legte am 22. September 2020 von der Baltischen Werft in St. Petersburg mit Kurs nach Norden ab. Bevor das Schiff in der Heimatbasis Murmansk eintrifft, wird es im Franz-Josef-Archipel auf seine Eistauglichkeit getestet. Nach Angaben des Reeders soll die «Arktika» bis Mitte Oktober in Murmansk eintreffen.

Die «Arktika» am Pier der Baltischen Werft in St. Petersburg. Weitere Eisbrecher derselben Baureihe, die «Ural» (vorne) und die «Sibir» (hinten) werden ebenfalls von der Baltischen Werft gebaut. Die zwei Schiffe sollen in den Jahren 2024 und 2026 vom Stapel laufen. (Foto: Anton Haas, St. Petersburg)

Die Fahrt nach Murmansk ist von Experten umstritten, da das Schiff nur zwei seiner drei Motoren in Betrieb hat. Während der Probefahrten in der Ostsee im Februar 2020 verursachte ein Kurzschluss schwere Schäden an der Wicklung eines der drei Elektromotoren an Bord des Eisbrechers «Arktika». Die Probefahrt wurde danach mit nur zwei funktionierenden Motoren fortgesetzt. Infolgedessen funktioniert einer der drei Antriebs-Propeller des Schiffes nicht mehr.

In einem Kommentar des Direktors Andrej Zolotkov der Umweltschutz-Organisation Bellona Murmansk, vertrat er die Meinung, dass die «Arktika» in St. Petersburg hätte bleiben sollen, bis der Motor repariert ist. Zolotkow stellt die Manövrierfähigkeit eines Schiffes in Frage, wenn einer von drei Propellern nicht funktioniert. „Um alle Risiken zu reduzieren, wäre es ratsam gewesen, die «Arktika» in St. Petersburg zu lassen und die Reparatur des Motors abzuwarten“, schließt Andrej Zolotkow.

Der Direktor der Umweltschutz-Organisation Bellona Andrej Zolotkov bezweifelt ob es vernünftig war die «Arktika» mit nur zwei Motoren in die Artis zu schicken. (Foto: Bellona)

Zur Reparatur muss die «Arktika» nach St. Petersburg

Wie die russische Zeitung Kommersant berichtete, kann der defekte Motor gemäss einer Untersuchungskommission nicht an Bord der «Arktika» repariert werden. Die einzige Möglichkeit, den Motor auszutauschen, besteht darin, ein Loch in den Aufbau zu schneiden. Dies ist ein umfassender Vorgang, der nur ausgeführt werden kann, wenn das Schiff angedockt ist. Laut einem Artikel auf Bellonas Portal beträgt das Gewicht des 20-MW-Elektromotors 300 Tonnen. Ein Austausch des Motors kann nicht vor 2021 passieren.

Die «Arktika» ist Russlands erster LK-60-Eisbrecher (Projekt 22220), der gebaut wurde, um 2,2 Meter dickes Eis brechen zu können. Weitere fünf Schiffe dieser Klasse sollen gebaut werden, welche in den nächsten Jahren fertiggestellt werden. Das letzte Schiff der Flotte, die «Tschukotka», soll bis 2027 fertig gestellt werden.

Klagen wegen verspäteter Auslieferung

Drei Klagen mit Forderungen von insgesamt fast einer Milliarde Rubel (11,5 Millionen Euro) sind in der Schwebe. Nur wenige Details über den Inhalt der Klagen wurden veröffentlicht. Rosatomflot, welches die Flotte der nuklearbetriebenen Eisbrecher betreibt und wartet, ist sicher nicht glücklich über die endlose Liste von Verzögerungen und technischen Mängeln beim Bau der drei ersten nuklearbetrieben Eisbrecher des Projekts 22220.

Heiner Kubny, PolarJournal

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