Arktisrat als Kandidat für Friedensnobelpreis | Polarjournal
Die Arktis mit ihren 8 Staaten und zahlreichen indigenen Völkern ist nicht nur ein klimatischer und politisch-wirtschaftlicher Hotspot, sondern auch kulturell. Im Arktisrat werden daher auch sechs indigene Vertreterorganisationen als permanente Vertreter geführt, die ein Mitspracherecht in den Entscheidungen haben. Bild: Michael Wenger

Weil die Arktis schon seit jeher ein politischer und wirtschaftlicher Hotspot gewesen ist und durch den Klimawandel noch stärker in den Fokus der Weltgemeinschaft gerückt ist, wurde der Arktisrat 1996 gegründet. Seither werden hier trotz aller weltpolitischen Spannungen und Differenzen wichtige Themen von den verschiedenen Staaten und indigenen Vertretern diskutiert und Lösungen für alle erarbeitet. Diese Form der Zusammenarbeit hat den Arktisrat nun erneut in den Kandidatenkreis für den Friedensnobelpreis 2020 gerückt.

Zwar hat das Nobelpreiskomitee keine offizielle Liste mit den Kandidaten, aus denen der diesjährige Friedensnobelpreisträger ausgewählt werden wird. Doch einige der Vorschläge, die unterbreitete worden sind, haben den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Und dazu zählt, nach einem Bericht von Arctic Today, auch der Arktisrat. Die Ehre, zu den Vorgeschlagenen zu gehören, ist für das zwischenstaatliche Forum nicht neu. Bereits 2018 und 2019 war der Rat vorgeschlagen worden und galt 2019 sogar zu den Topfinalisten. In diesem Jahr gehören zu den weiteren 317 Kandidaten illustre Namen wie Greta Thunberg und die Fridays for Future-Bewegung, die Weltgesundheitsorganisation, Reporter ohne Grenzen oder die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Komitee wird seine Entscheidung am kommenden Freitag, dem 9. Oktober bekanntgeben.

Zwar stehen bei den Arktisratstreffen immer die Ministertreffen im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Doch die tatsächliche Arbeit des Rates findet an sogenannten Senior Arctic Official Meetings statt, wo die Resultate einzelner Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen diskutiert und Lösungsansätze gesucht werden, die dann den Ministern unterbreitet werden. Bild: Arctic Council Secretariat – Linnea Nordström

Der Arktisrat hat die Ehre einer Nominierung dadurch erhalten, dass er sich seit seiner Gründung 1996 für eine friedliche und konstruktive Zusammenarbeit der verschiedenen Interessenvertreter in der nördlichen Polarregion einsetzt und eine entsprechende Plattform bietet. Sogar während auf der weltpolitischen Bühne ein anderer Wind weht mit den Spannungen zwischen Russland und dem Westen, wird auf der Ebene des Arktisrates weiterhin miteinander gesprochen und vermittelt. Geleitet wird der Rat von jeweils einem Mitgliedsland für zwei Jahre. Zurzeit ist dies Island. Neben den acht ständigen Mitgliedern, die aus den nordischen Staaten und Kanada, Russland und den USA bestehen, sind auch 6 indigene Organisationen Mitsprache-berechtigt. Weitere 38 Organisationen und Staaten gehören zu den Beobachtern, darunter auch die Schweiz und Deutschland. Diese haben Sitzungsrecht, aber keine Entscheidungsgewalt.

Der Friedensnobelpreis wird seit 1901 an Personen oder Organisationen vergeben, die sich besonders für den Weltfrieden und die Friedensarbeit oder Menschenrechte eingesetzt haben. Der erste Träger war der Schweizer Henri Dunant 1901 für die Gründung des Roten Kreuzes. Bild: Henry Mühlpfordt – Eigenes Werk CC BY-SA 3-0

Ein Komitee aus fünf vom norwegischen Parlament gewählten Personen entscheidet aus der Liste der Kandidaten über den Empfänger des Preises. Der mit rund € 1 Million dotierte Preis wird seit 1901 vergeben und wurde bisher 134 Mal verliehen. Dabei war das Internationale Komitee vom Roten Kreuz der häufigste Empfänger und dessen Gründer Henri Dunant der erste Träger des Preises. Gestiftet wurde der Preis vom schwedischen Industriellen und Erfinder Alfred Nobel, der seinen Reichtum der Entdeckung von Dynamit verdankt. Normalerweise wird der Preis deshalb in Stockholm bei einer grossen Zeremonie mit anschliessendem Bankett überreicht. Doch aufgrund der COVID-19-Pandemie hat das Komitee beschlossen, dass der Preis an einer im TV übertragenen Zeremonie im Land des Empfängers übergeben wird und das Bankett komplett gestrichen wird.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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