Kanadische Grossbank verzichtet auf Bohrprojektfinanzierung | Polarjournal
In einem grossen Teil des Arctic National Wildlife Refuge grasen die Rentiere der Porcubine-Herde. Diese spezielle Unterart des Rentiers wandert jährlich von Kanada aus in die Weidegebiete am Porcubine River in Alaska in einer spektakulären Migration. Das geplante Bohrprojekt hätte den Lebensraum der Tiere massiv beeinträchtigt. Bild: US Fish and Wildlife Service

Seit der Bekanntgabe der US-amerikanischen Regierung, mit dem Förderprojekt im Arctic National Wildlife Refuge ANWR vorwärts zu gehen, haben sich Inuit-Gruppen, Umweltverbände und auch politische Parteien klar gegen die Pläne ausgesprochen. Das milliardenschwere Projekt sei weder technisch ausgereift noch umwelttechnisch vertretbar nach Aussagen der Gegner. Auch einige Grossbanken haben sich bereits gegen eine Mitfinanzierung ausgesprochen. Nun hat sich auch die grösste Bank Kanadas entschieden, keine direkten Bohrprojekte im ANWR zu finanzieren.

Die Bank verzichtet auf eine direkte Finanzierung aller möglichen Bohrprojekte im Wildnisgebiet aufgrund seiner «ökologischen und sozialen Bedeutung und Verletzlichkeit, wie in einer Pressemitteilung steht. Der Verzicht schliesst auch Transaktionen bei Projekten mit ein und ist ein Teil der neuen Strategie der Bank. Mit ihrem Entscheid schliesst sich die RBC 24 anderen Banken in Nordamerika an, die sich gegen die Finanzierung des Multimilliarden Dollar schweren Projektes gestellt haben. Dazu zählen Grössen wie Citi Bank, Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley und Wells Fargo.

Die Royal Bank of Canada ist die grösste Bankgesellschaft in Kanada und besitzt rund 1’300 Niederlassungen in Kanada und rund 80’000 Angestelle weltweit. Der rechtliche Hauptsitz der Bank ist in Montreal (links), das operative Zentrum steht in Toronto (rechts). Gegründet wurde die Bank 1864. Bild: Ancien et Moderne (links) / Francisco Diez (rechts) CC BY-SA 3.0

Für indigene Organisationen und Stämme, die seit Jahren gegen das Projekt ankämpfen, ist die Nachricht ein grosser Erfolg. «Firmen, Regierungen und Organisationen beginnen zu erkennen, dass jegliche Entwicklung im Küstenbereich des Arctic National Wildlife Refuge einfach ein schlechtes Geschäft ist», erklärt Ken Smith, das Oberhaupt des Gwich’in Stammesrates. «Wir fordern andere kanadische Banken auf, die moralische Entscheidung zu fällen und mit uns und unseren Verbündeten in diesem Kampf zusammenzustehen.» Der Stamm der Gwich’in ist besonders von den Bohrplänen der Trump-Regierung betroffen. Denn sie würden mitten durch die Wandergebiete der Porcubine-Rentierherde gehen mit ihren Strassen. Der ökologische Schaden wäre enorm und der Stamm würde eine wichtige Nahrungsgrundlage verlieren.

Die Porcupine-Herde wandert jedes Jahr von Kanada bis nach Alaska und zurück über eine Strecke von 2’400 Kilometer. Das ist die längste Wanderung eines Landsäugetieres auf der Welt. Zwar liegen die grössten Fortpflanzungsgebiete auf kanadischem Boden, doch die Weideregionen in Alaska sind wichtig für das Überleben der rund 220’000 Tiere. Video: Viral Hog

Auch andere Stämme der kanadischen First Nations und Inuit haben den Entscheid der RBC begrüsst und fordern andere Banken und Organisationen auf, ihre Zusammenarbeit mit dem Projekt zu überdenken. Das Projekt, welches 2017 von US-Präsident Trump wieder ins Leben gerufen worden ist, ist nicht neu. Zwischen Demokraten und Republikanern herrscht ein Tauziehen um die ressourcenreiche Region. Schon Präsident Goerge W. Bush hatte grünes Licht für das Projekt erteilt, welches dann von Präsident Obama wieder gestoppt worden war. Per Präsidialdekret hatte er das Gebiet dann unter Schutz vor Förderprojekten stellen wollen. Doch sein Nachfolger Donald Trump hob das Dekret wieder auf. Das US-Büro für Landmanagement wurde darauf mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Doch das Amt vergass, die Gwich’in Gemeinden auf der kanadischen Seite in Bezug auf die Porcubine-Rentierherde, die zu den wichtigsten in Nordamerika zählt, in die Untersuchung mit einzubeziehen. Zurzeit läuft eine durch Gwich’in-Vertreter beim UN-Komitee zur Eliminierung von Rassendiskriminierung eingereichte Beschwerde wegen Menschenrechtsverletzung durch die Förderpläne.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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